Unter Anleitung einer Lehrerin waschen sich alle Schüler vor Unterrichtsbeginn an der Gesamtschule Mücke der Reihe nach die Hände. Dabei läuft permanent das Wasser, der letzte Schüler dreht den Wasserhahn mit einem darübergelegten Papierhandtuch zu. FOTO: RS
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Unter Anleitung einer Lehrerin waschen sich alle Schüler vor Unterrichtsbeginn an der Gesamtschule Mücke der Reihe nach die Hände. Dabei läuft permanent das Wasser, der letzte Schüler dreht den Wasserhahn mit einem darübergelegten Papierhandtuch zu. FOTO: RS

Mathe mit Mäppchen und Maske

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Die Corona-Krise zeigt: Das Internet im Kreis ist so gut, dass man Schularbeiten zu Hause darüber betreuen kann. Positiv fällt die Bilanz an der Gesamtschule Mücke aus, wo der Unterricht für alle Klassen begonnen hat. Das geschieht nur gruppenweise, Homeschooling bleibt erhalten. Der normale Unterricht ist so lange her, dass Schüler bei der Rückgabe von Klassenarbeiten am Montag fragen: "Um was ging es da noch gleich?"

Zwischen den Oster- und den Sommerferien 17 Tage in der Schule - das ist wenig. Ist es nicht, sagt Mückes Gesamtschulleiter Gustl Theiß, die Landesvorgabe sind acht Tage. Am Montag kam die eine Hälfte der Schüler wieder zum Unterricht, die andere Hälfte folgt nächste Woche. Neun Wochen haben sich die Schüler nicht gesehen, hinter ihnen liegen sieben Wochen Schularbeiten zu Hause und Kontakt zum Lehrer nur über das Internet. Das musste ab Mitte März eingeübt werden, zurück in der Schule sind es seit Montag die Abstandsvorgaben, geregeltes Händewaschen und der reglementierte Toilettengang.

"Kannst du mir mal dein Heiligtum aufschließen?", bittet ein Lehrer am Montagmorgen Schulleiter Gustl Theiß, Der steht auf, geht zu einem Schrank und gibt dem Kollegen eine kleine Kiste mit Mund-Nase-Masken. Die Schüler müssen zwar alle bereits im Bus eine Maske tragen, aber die Schulleitung gibt an alle Reservemasken aus, die die Schüler in ihren Taschen lagern sollen für den Fall, dass sie die Maske einmal vergessen haben.

In einer Klasse der Förderstufe haben am Montag alle elf Schüler eine Maske mitgebracht. Sie sind die erste Gruppe, die anderen zwölf Schüler der Klasse kommen nächste Woche in die Schule. Unterricht in der Gruppe ist wieder mal schön, aber wie war das mit den Regeln vor der Corona-Krise? "Wir haben uns immer gemeldet, wenn wir was sagen wollten", erinnert die Lehrerin einen übereifrigen Zwischenrufer und hat Verständnis, dass aller Anfang schwer ist. Denn mit den Beschränkungen muss man an so viel denken: Jeder Schüler hat einen eigenen Tisch, diesen Platz wird er bis zu den Ferien nicht wechseln. Nach der letzten Stunde werden nicht mehr die Stühle auf die Tische gestellt, die Tische werden nachmittags desinfiziert. Und die Tür des Klassenzimmers steht immer auf, dann muss sie außer der Lehrkraft niemand anfassen. So wird es zum Lüften auch mit den Fenstern gehandhabt. Die Fenster vorne öffnet die Lehrkraft, die folgenden dort sitzende Schüler - und nur die.

Bei so vielen neuen Regeln tut ein Rückblick ganz gut: Wie wurde das Homeschooling empfunden? Gab es Probleme, und welche Gefühle hatten die Schüler ?

"Ich konnte immer lange ausschlafen", ist häufig die erste Antwort. Aber das war es dann meist mit Freizeit. Denn viele hatten sich die Woche klar strukturiert, um die am Wochenende eingehenden Aufgaben abzuarbeiten. Vor diesem Hintergrund stieß der Bericht eines Schüler auf ungläubiges Staunen: Der hatte alle Aufgaben bereits montags erledigt. Die anderen hatten sich für Montag bis Mittwoch jeweils täglich ein Hauptfach vorgenommen, es folgten Nebenfächer oder ein Überarbeiten der Fragestellungen, die sich in der ersten Wochenhälfte ergeben hatten. Zwar wurde viel Stoff wiederholt, aber bei neuen Themen vermissten viele Schüler Erklärungen eines Lehrers. Eltern können dann nur bedingt helfen, so die Erfahrung. Besser ist es, wenn man ältere Geschwister hat. Und: Wie gut, dass es das Internet gibt. Bei YouTube gibt es Erklärstücke, von denen auch Lehrer etwas halten.

Ein Austausch von Schülern der Förderstufe fand kaum statt. "Das machen aber die älteren Schüler", so die Erfahrung der Lehrer. Bei den jüngeren Schülern spielten die Eltern noch eine große Vermittlerrolle. Und wie empfinden Lehrer Homeschooling? Weil das im März von heute auf morgen eingerichtet werden musste, gab es Anlaufschwierigkeiten. Aber unter dem Strich sehen es Schulleiter Theiß und einige befragten Kollegen positiv. Es gab sogar Videokonferenzen mit vielen Teilnehmern, wobei diese Form der Kommunikation auch Schwächen des Internets aufdeckte. So konnte von Klassen teilweise ein Viertel nicht teilnehmen. In den drei iPad-Klassen wurde die Ausstattung genutzt, um den Schülern, die am Unterricht nicht teilnehmen können, das Programm nach Hause zu streamen.

Und wie geht es weiter? "Wie an der Uni", so eine Lehrerin. Die Lehrkraft steht vorne, die Schüler schreiben oder arbeiten mit, vertiefen den Stoff zu Hause. Und sie dürfen nichts vergessen: Geodreieck oder Kuli ausleihen war einmal - vor Corona.

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