Autobahn 49

Massives Waldsterben verbietet Weiterbau

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Hiobsbotschaften, unterlegt mit Bildern von trostlosen Kahlflächen unserer Waldlandschaft füllen neben Corona-Szenarien in den letzten Wochen die Negativschlagzeilen der Medien. Das rüttelt uns tief im Inneren auf, ein Kurswechsel im Denken und im wirtschaftlichen Planen ist dringend notwendig.

Der widerspruchslose Glauben an das Wirtschaftswachstum kann nicht die tief in uns wachsende Angst verdrängen, dass wir auf dem besten Weg sind, trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse und noch intakter Ökosysteme, die für unser Überleben immens wichtig sind, skrupellos zu zerstören. Zu solchen wichtigen Ökosystemen gehören in unserer Region der Dannenröder Mischwald und der Herrenwald.

Es ist fatal, nach all den aktuellen Schreckensmeldungen zum Zustand unserer Wälder, geradezu blind, alle Fakten ignorierend und ohne ein Nachdenken über einen einschneidenden Kurswechsel, den Weiterbau der A 49 weiterhin voranzutreiben. Die DEGES, mit dem Bau des Abschnittes betraut, aber auch die verantwortlichen Politiker schließen die Augen vor den veränderten Voraussetzungen. Weiterhin wird unkritisch für den vermeintlichen Nutzen der Fertigstellung geworben.

Der vor Kurzem veröffentlichte Waldzustandsbericht 2019 lässt erschrecken. Der Klimawandel ist laut Umweltministerin Hinz in den Wäldern angekommen. Zunehmend mehr Bäume, insbesondere Fichten und Buchen fallen durch die Trockenjahre 2018/19 unter die Schadstufen 2-4. Schadstufe 4 ist die höchste Stufe.

Die Kronenverlichtungen stiegen im Durchschnitt aller Baumarten auf 36 Prozent, eine Zunahme um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Dürre setzt den Wäldern stark zu, besonders junge Bäume sterben durch die Trockenheit ab.

Daneben sorgen Stürme wie zuletzt "Sabine" nach Aussagen von Forstamtsleitern infolge sehr hohen Windbruchs für eine katastrophale Situation. Der Leiter des Landesbetriebes sieht keine Besserung und vermutet durch weitere Hitze- und Dürreperioden eine massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers und somit ein weiteres Absterben vieler Bäume.

Es sollen hessenweit zwar 650 Hektar mit drei Millionen Pflanzen wieder aufgeforstet werden. Das geschieht allerdings nur in einem kurzen Zeitfenster im März/April des Jahres. Wegen der Trockenheit der letzten Wochen ist eine erfolgreiche Anpflanzung deutlich gefährdet.

Veranlasst durch die prekäre Situation des Waldes stellt die Umweltministerin 200 Millionen Euro für Waldschutz und -wiederaufbau bereit, um die dramatischen Schäden auszugleichen. Hoffen wir, dass das Geld nicht durch weitere Trockenperioden sozusagen verbrennt.

Erfahren unter diesen erschreckenden Zahlen und Hiobsbotschaften die noch einigermaßen intakten Waldbestände Dannenröder Forst und Herrenwald nicht eine massive Aufwertung? Ich möchte sogar sagen, sie verdienen den Rang höchster Schutzwürdigkeit, und es wäre ein Frevel, sie der Fertigstellung des letzten Teilstückes der A49 sang- und klanglos zu opfern.

Beton und Abgase sichern keine Lebensgrundlage, die uns Menschen nutzt. Jeder Schüler weiß inzwischen, dass der Wald für den Klimawandel und als Wasserspeicher eine bedeutende Rolle spielt. Der Wald ist somit der wichtigste Kohlenstoffspeicher.

Dem A49-Ausbau fallen im Dannenröder Forst und im Herrenwald 85 Hektar Wald zum Opfer, das sind 10 000 Tonnen Kohlenstoff. Der deutsche Wald entlastet die Atmosphäre jährlich mit 62 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid und stellt somit einen wichtigen Faktor zur Reduktion von Treibhausgasemissionen dar.

Die aktuellen Waldschäden werden diese positiven Einflüsse stark beeinträchtigen. Ein internationales Forscherteam kam zum Ergebnis, dass Wälder mit verschiedenen Baumarten, so wie es der Dannenröder Wald als gewachsener Mischwald darstellt, mehr als doppelt so viel Kohlenstoff bindet wie Monokulturen. Die Gesamtsituation schreit regelrecht danach, das Projekt "Weiterbau und Fertigstellung des A49-Teilabschnittes bis zur A5" aufzugeben, zugunsten der Projekte zur Förderung der Verkehrswende.

Ich hoffe, alle Verantwortlichen haben den Mut und die Innovationsfreudigkeit, um vorhandenes Wissen zielgerichtet einzusetzen und umzusetzen für eine verantwortungsvolle, umweltschonende, humane und die Wirtschaft unterstützende Wende geeigneter Projektplanungen.

Möge das Vertrauen in die Politiker nicht missbraucht werden. Mit den bereits stark geschädigten Ökosystemen sind keine faulen Kompromisse mit dem Argument "wirtschaftliche Aufwertung der Region" mehr zu schließen. Dafür ist es viel zu spät.

Unser Wald sollte nicht wie ein Leichenschauhaus aussehen, sondern wie ein Ort, wo wirtschaftliche, ökologische und menschenfreundliche Aspekte Berücksichtigung finden. Diesen Herausforderungen müssen sich die Verantwortlichen stellen. Das sind wir alle den nachfolgenden Generationen schuldig.

Christa Seim, Maulbach

Die ganze Welt muss verzichten! Auch die Schuldigen der Pandemie? Mit Sicherheit bestehen die steinzeitlichen Verhältnisse auf dem Wildtiermarkt in Wuhan weiter.

Wir kennen die Ursachen und sind nicht in der Lage diese zu ändern,wie so oft in der Vergangenheit.

Man wird weiterhin in die Irre geführt und die Sauerei wird fortgesetzt Dann müssen wir uns nicht wundern, nach der Pandemie ist vor der Pandemie, trotz unserer hervorragenden Ärzte, Virologen und Pflegekräften.

Reinhard Rau, Mücke

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