Wut und Machtlosigkeit beobachtet

  • vonRedaktion
    schließen

Homberg(pm). "Die unsägliche Rodung des Waldes in Maulbach, das sich mehrere Tage lang in einem belagerungsähnlichen Zustand befunden hat, ist nur der Anfang der gravierenden Veränderung unserer Heimat durch den Bau der A 49." Mit dieser Einschätzung reagiert Christiane Helm, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, in der Stadtverordnetenversammlung auf die Vorkommnisse der vergangenen Tage. In einer Stellungnahme der Fraktion berichtet sie: "Ich bin dort im Wald und im Ort gewesen, habe die Wut und Machtlosigkeit der Einwohner erlebt. Meine Erwartung war, dass wenigstens diejenigen aus der lokalen Politik, die sich immer für den Autobahnbau aussprechen, vor Ort sind, sich ein eigenes Bild von der Lage machen und sich der Belange der Bürger annehmen. Diese Erwartung wurde nicht erfüllt. Vor allem Frau Blum, die ja als Bürgermeisterin für die Bürger da sein sollte, hat durch Abwesenheit geglänzt", resümiert Helm.

Wenn so viele Argumente für den Autobahnbau sprechen würden, dann hätte sie sicherlich aufgebrachte Bürger beruhigen können, heißt es in der Pressemitteilung der Grünen-Fraktion. Befürworter des Baues hätten erläutern können, warum der Wald weichen müsse und welche Vorteile aus ihrer Sicht die A 49, die unmittelbar am Ort vorbeiführen soll, den Maulbachern bringen werde. "Aber leider habe ich hier niemanden mit Antworten angetroffen", bedauert Helm.

Gegen Planungsdino Industriegebiet

Die Homberger Grünen seien erklärte Gegner des Autobahnbaus, mit dem für Homberg zusätzlich der Bau eines etwas jüngeren Planungsdinosauriers, nämlich des Industrie- und Gewerbegebietes am Roten Berg, einhergehen solle, teilt die Fraktion mit. Mit 227 Prozent höherem Verkehrsaufkommen in Homberg werde nach den Berechnungen der DEGES durch die A 49 gerechnet. Dabei seien Staus durch abfahrenden Fahrzeuge und der Verkehr aus dem Industrie- und Gewerbegebiet noch nicht eingerechnet.

Jüngst habe die SPD einen Antrag zum Thema Lärmschutzmaßnahmen entlang der L 3073 durch Büßfeld, Homberg sowie Ober- und Nieder-Ofleiden gestellt. Dieser Antrag werde von den Homberger Grünen sehr begrüßt, denn bereits 2016 hatten sie einen ähnlichen Antrag eingebracht. Damals sei die Thematik "Geschwindigkeitsbegrenzung und Lärmschutz" im Parlament jedoch nicht sehr präsent gewesen, aber es habe von den Grünen immerhin die Anschaffung von Tempotafeln durchgesetzt werden können. Beim neuen Antrag der SPD lasse die Begründung aufhorchen: Etliche Lkw würden demnach die Fahrt über die Landstraße vorziehen, um die Autobahn-Maut zu sparen, man müsse die Anwohner der L 3073 vor Lärm und Raserei durch die Ortschaften schützen. In diesem Zusammenhang stelle sich den Grünen die Frage nach dem Hintergrund des Antrags. Handele es sich bereits um einen Präventivantrag der Partei, die öffentlich ein schnelles Bauen der Autobahn fordere? Denn die Auswirkungen der A 49 für die Bürger in der Marburger Straße, Berliner Straße und im Güntersteiner Weg würden dramatisch sein.

"Alle Anwohner sollten sich einmal die Planung für die Führung des Autobahnzubringers genau anschauen. Es werden ganz sicher noch viele weitere Anträge für Geschwindigkeitsbegrenzungs- und Lärmschutzmaßnahmen direkt hier in Homberg erforderlich sein", erwarten die Grünen. Die bereits an die A 49 angeschlossenen Gemeinden wie zum Beispiel Edermünde kämpften bereits seit Jahren gegen die Lärmbelastungen durch die A 49 (Infos unter: https://laermschutz-a49.de/). Deshalb forderten die Grünen die Bürgermeisterin auf, die Bevölkerung wahrheitsgemäß über die Folgen des Autobahnausbaus für alle Homberger Ortsteile aufzuklären.

Nach Angaben der Grünen werde derzeit der Trassenverlauf jetzt auch neben den Rodungen im Maulbacher Wald durch die Bauarbeiten zwischen Neu-Ulrichstein und Appenrod deutlich sichtbar. Auf diese Weise zeige sich bereits deutlich, wie die Landschaft zerschnitten und Dörfer wie Maulbach und Appenrod abgeschnitten würden.

Die Lebens- und Wohnqualität in Homberg werde in vielfacher Hinsicht sinken. "Wir werden genau die Belastungen bekommen, die jetzt an der nördlichen B 3 abgestellt werden sollen. Ist das den Bürgern Hombergs zumutbar", fragt Grünen-Fraktionsvorsitzende Helm.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare