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Lothar Bott gibt bekannt, dass er in 13 Monaten mit Ende der dritten Amtszeit als Verwaltungsleiter im Rathaus ausscheidet.

Lothar Bott tritt nicht mehr an

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Er ist der Bürgermeister mit der längsten Amtszeit in der Großgemeinde Gemünden. Die Arbeit macht Lothar Bott viel Freude, bedeutet aber auch Stress. Vor zwei Jahren überstand er eine lange Krankheit, jetzt will er nicht mehr für eine vierte Amtszeit kandidieren.

Ich bin froh, dass es mit so geht, wie es mir jetzt geht. Aber ich will das Risiko einer weiteren Amtszeit von sechs Jahren nicht mehr eingehen.« Das sind die Kernsätze, die Gemündens Bürgermeister Lothar Bott am Donnerstag Nachmittag gegenüber der Presse äußerte. Der 57-Jährige wird also am Tag der Bundestagswahl, dem 26. September, nicht Kandidat bei der Bürgermeisterwahl sein. Seine Amtszeit endet allerdings erst am 30. April 2022.

»Nach langer Überlegung, und das war doch irgendwo absehbar, habe ich mich dazu entschieden, mit Ablauf der Amtszeit nicht für eine weitere Amtsperiode zu kandidieren«, legte Bott im Saal des Dorfgemeinschaftshauses von Nieder-Gemünden dar.

»Das hängt natürlich im wesentlichen damit zusammen, dass ich im Jahr 2019 eine längere Krankheitsphase hatte und ich bin froh, dass ich sie überstanden habe. Die Coronapandemie hat zwar dazu geführt, dass das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen gekommen ist und Vieles entschleunigt hat, aber irgendwann wird auch wieder normales Leben kommen und damit auch der ganz normale Wahnsinn, den ein solches Amt auch mit sich bringt, weil Bürgermeister bedeutet ja, gemeinsam mit den Bürgern eine Gemeinde weiter zu entwickeln«, erläuterte Bott. »Bei Abwägung von all dem denke ich, das ist so in Ordnung. Ich habe jetzt drei Amtsperioden hinter mir, und man sollte vielleicht auch dann gehen, wenn es am schönsten ist und nicht, wenn man vom Hof gejagt wird. Es werden dann halt bei mir keine 42 Jahre, wie es Deutschlands dienstältester Bürgermeister geschafft hat«, ließ Bott mit Seitenblick auf den ehemaligen Kirtorfer Bürgermeister Ulrich Künz durchblicken, »aber das ist sicher eine ganz, ganz seltene Gabe.«

Und Bott blickt nach vorne: »Ich werde mit Ende der Amtszeit 58 Jahre alt sein und von daher ist es dann auch gut, seinen Fokus auf andere Sachen zu richten. Meine Tochter will dieses Jahr heiraten, und dann wird es, so Gott will, auch Enkel geben. Die Lebensplanung wird in eine andere Richtung gehen.«

Wenn Bott im kommenden Jahr aus dem Amt scheidet, wird er seinen Wohnsitz wieder nach Herbstein zurück verlegen, wo er einige Jahre vor seinem Wechsel nach Gemünden ein Haus gebaut hatte. Mit dem Ausscheiden aus der Bürgermeisterposition hat er fast 40 Dienstjahre absolviert, es werden jedenfalls nur noch zwei oder drei Monate dazu fehlen,

Als Bott 2004 nach Gemünden kam, hatte die Großgemeinde eine wechselvolle Geschichte an der Verwaltungsspitze erlebt. In den ersten Tagen verfolgte Bott am Landgericht Gießen die Verhandlungen gegen seinen Vorvorgänger Peter Antmansky, arbeitete die Versäumnisse auf, die durch seinen Vorgänger Paul Weber (SPD) entstanden waren, dessen Abwahl auch die Sozialdemokraten vehement betrieben hatten. Und im Gefolge der »Affäre Antmansky« waren in der Bevölkerung »Gräben entstanden«, wie es Bott ausdrückte, die es zu überwinden galt. »Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert, bis es vernarbt ist«, blickte Bott zurück.« Heute habe man ein sehr kollegiales Verhältnis in der Gemeindevertretung. »Ich bin froh und stolz, dass es auch wieder ein Vertrauen in die Verwaltung gibt.«

In den letzten 13 Monate seiner Amtszeit leitet Bott gleich mehrere Großprojekte ein, deren Abschluss er im Amt nicht mehr erleben wird: Der Kindergarten wird modernisiert und erweitert, das meiste Abwasser wird an die Kläranlage Nieder-Ohmen gepumpt, und Bahnhof sowie Umfeld werden grundlegend aufgewertet. Bott kann dem aber auch etwas Positives abgewinnen: »So weiß mein Nachfolger, was zu tun ist«, In den nächsten Jahren wird wenig finanzieller Spielraum für Weiteres sein. Zufrieden blickt er unterdessen auf die demnächst abgeschlossene Neuordnung der Trinkwasserversorgung zurück.

Auch wenn Bott im kommenden Jahr Gemünden den Rücken kehren wird, nimmt er kommunalpolitische Aufgaben im Kreistag als FW-Vertreter weiter wahr.

Dann wird er vielleicht zurück denken an die schöne Zeit als Gemündener Bürgermeister: »Da kann man mit den Leuten direkt über Probleme reden. Man kann zwar nicht alles lösen, aber ein Gespräch über ein Problem ist ein fairer Umgang.«

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