Rapsschrot bleibt beim Auspressen der Pflanzen zur Ölgewinnung übrig und dient als Futter für die Mastschweine im Betrieb von Julian Olbrich und Familie.
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Rapsschrot bleibt beim Auspressen der Pflanzen zur Ölgewinnung übrig und dient als Futter für die Mastschweine im Betrieb von Julian Olbrich und Familie.

Leuchtende Energiepflanze

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Leuchtend gelbe Felder prägen die Landschaft, wenn der Raps blüht. Die Pflanze liefert Speiseöl, kann aber noch viel mehr. So ersetzt Rapsschrot als Viehfutter Soja aus Südamerika, als Methyl- ester erspart Rapsöl der Umwelt viel Treibhausgas. Und die Bienen freuen sich über die Blüten und machen Honig. Ein Hofbesuch in Ilsdorf.

Leuchtend gelbe Flächen lockern die Vogelsberger Frühlingslandschaft auf, der Raps steht derzeit in voller Blüte. Die Pflanze sorgt nicht nur für farbenfrohe Anblicke. Sie liefert Öl und die Pressrückstände sind ein wertvolles Tierfutter für Betriebe wie den von Julian Olbrich. Seine Familie mästet in Ilsdorf Schweine mit gentechnikfreiem Futter und vermarktet sie regional über die tegut-Märkte. Im Betrieb Lein in Bleidenrod ersetzt Rapsschrot das Soja, das ansonsten zugekauft werden müsste. Der Anbau von Raps nimmt von einem niedrigen Niveau aus landesweit zu, der Trend ist auch im Vogelsberg zu sehen.

Die gelb leuchtenden Flächen sind auch Anziehungspunkt für Bienen, "die in den blühenden Rapsfeldern Pollen und Nektar finden. Von einem Hektar Raps, können im Durchschnitt 40 Kilogramm oder 80 Gläser Rapshonig gewonnen werden." Darauf weist der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, hin. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Winterraps- anbaufläche in Hessen nach einer Prognose um 30 Prozent auf 35 800 Hektar ausgedehnt worden. In den Jahren 2018 und 2019 waren die Bedingungen wegen der Dürre ungünstig. "Deshalb ist der Rapsanbau regelrecht eingebrochen", sagt Schmal. Auch aktuell ist es zu trocken, die Pflanzen sind etwa 20 Prozent kürzer als üblich. Die Bauern hoffen auf Mairegen.

Im Vogelsberg wurde Raps im Vorjahr Dürre bedingt nur auf 1,9 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche angebaut. Das waren 1284 Hektar, im Jahr 2017 waren es noch 4316 Hektar. Für dieses Jahr schätzt Lein die Rapsanbaufläche auf rund 2500 Hektar. "Früher lagen wir bei durchschnittlich 4300 Hektar", erinnert er sich.

Die Olbrichs haben auf rund einem Viertel ihrer 200 Hektar Ackerfläche Rapspflanzen stehen. Zusammen mit Weizen, Gerste und Triticale-Getreide wird Rapsschrot verfüttert. Wie Julian Olbrich weiter erzählt, hat der Betrieb, der von ihm, seinem Vater und dem Großvater bewirtschaftet wird, 2400 Mastplätze für Schweine. Aber es stehen weniger Tiere in den vier Ställen, denn man liefert das Fleisch an die Lebensmittelmarktkette tegut für die Marke "Land Primus". "Für das Tierwohl bedeutet das zehn Prozent mehr Platz für die Tiere, und das Futter ist zu 100 Prozent ohne Gentechnik", erläutert der 22-jährige Landwirt.

Der Raps vom eigenem Betrieb wird in der Ölmühle gepresst, 40 Prozent des Gewichts entfällt auf Öl. Daraus werden Speiseöl und Biodiesel gemacht. Rund 60 Prozent entfallen auf den Pressrückstand, das Rapsextraktionsschrot. Da es viel Eiweiß enthält, wird es zu rund zehn Prozent ins Schweinefutter gemischt. Die Futtermischung besteht zum größten Teil aus eigenem und zugekauftem Getreide. Dazu kommt etwas Soja aus gentechnikfreiem Anbau in Italien oder Ungarn.

Im Milchviehbetrieb der Familie Lein verzichtet man inzwischen auf Soja als Zusatz zum Kraftfutter. Mit Raps vom eigenen Acker erziele man ähnlich gute Ergebnisse, berichtet Volker Lein. Der stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Bauernverbands sagt, "das klappt gut". Allerdings zeigt sich, dass die Kühe häufigere Klauenpflege benötigen. Raps statt Soja im Futter ist auch eine Folge der Politik in der Molkerei. Die Leins liefern an Hochwald, die komplett auf gentechnikfreie Milch setzt.

Rapspflanzen werden übrigens zu 100 Prozent verwertet. Nach der Ernte verbleiben Stängel und Schoten als organischer Dünger kleingehäckselt auf dem Feld zurück.

Ein Problem ist die Bekämpfung von Schädlingen. Das beginnt mit Schnecken nach der Aussaat über den Erdfloh im Herbst bis zu Rüsselkäfern und Rapsglanzkäfern im Frühjahr. "Man muss etwas gegen Schädlinge tun, deshalb gibt es keinen Bio-Raps", sagt Lein unter dem Nicken von Julian Olbrich. Ob Pflanzenschutz gespritzt wird, hängt am Wetter, so ist warm und feucht gut für Insekten und Pilze.

Wichtig ist Raps auch für die Fruchtfolge, denn Landwirte wechseln jedes Jahr die Frucht auf einer Fläche. Die Olbrichs setzen auf vierjährige Fruchtfolge, "wir haben nicht genug Fläche für einen fünfjährigen Wechsel", sagt Julian.

Landwirte müssen aber nicht nur den Acker und ihre Tiere genau im Blick haben. Ebenso wichtig ist auch der Blick auf die Erlöse, und da spielen Corona und die Weltpolitik eine Rolle.

Sorgen macht sich der Junglandwirt um den Preis für Schweinefleisch. Weil aus Deutschland viel nach Italien exportiert wurde und das zurzeit nicht geht, sinkt der Preis. Auch der Absatz von Rapsöl geht zurück, das drückt die Preise. Ein Grund dafür ist der geringere Absatz von Raps- methylester Biodiesel. Als Anteil am Biodiesel verringert Rapsöl die Treibhausgasemissionen im Straßenverkehr.

Viele Faktoren können Vogelsberger Landwirte nicht beeinflussen. So ist beispielsweise im Vorjahr der Preis für Schweinefleisch gestiegen, als in China die Schweinepest ausbrach.

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