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  • VonDieter Graulich
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Die Stimmen versiegen – Ist die Chorgemeinschaft Ulrichstein noch zu retten? Diese Frage schwebte seit einiger Zeit über dem Verein. Sängerin um Sängerin, Sänger um Sänger sind teils durch Tod, Krankheit oder aus Altersgründen aus der Chorgemeinschaft ausgeschieden. Das alles waren Stimmen, die für die Aufrechterhaltung der Singfähigkeit dringend benötigt wurden. Der Vorstand hatte deshalb Anfang August des Vorjahres einen dringenden Appell an alle Freunde der Chormusik gerichtet, auch an diejenigen, die es erst werden wollten: »Wir brauchen jede Stimme«. Die AAZ berichtete darüber. Die Chorgemeinschaft 1897 Ulrichstein zählt zu den am längsten in Ulrichstein existierenden Vereine. Seit 1897 war der Chor ein fester Bestandteil am kulturellen Leben von Hessens Bergstädtchen. Nun zieht er sich zwangsläufig zurück.

Die Stimmen versiegen – Ist die Chorgemeinschaft Ulrichstein noch zu retten? Diese Frage schwebte seit einiger Zeit über dem Verein. Sängerin um Sängerin, Sänger um Sänger sind teils durch Tod, Krankheit oder aus Altersgründen aus der Chorgemeinschaft ausgeschieden. Das alles waren Stimmen, die für die Aufrechterhaltung der Singfähigkeit dringend benötigt wurden. Der Vorstand hatte deshalb Anfang August des Vorjahres einen dringenden Appell an alle Freunde der Chormusik gerichtet, auch an diejenigen, die es erst werden wollten: »Wir brauchen jede Stimme«. Die AAZ berichtete darüber. Die Chorgemeinschaft 1897 Ulrichstein zählt zu den am längsten in Ulrichstein existierenden Vereine. Seit 1897 war der Chor ein fester Bestandteil am kulturellen Leben von Hessens Bergstädtchen. Nun zieht er sich zwangsläufig zurück.

Alle Appelle und Initiativen zur Gewinnung von Sängerinnen und Sängern halfen nichts. Nur noch ein Dutzend Mitglieder waren zuletzt aktiv, so dass am Samstag im Rahmen der Jahreshauptversammlung beschlossen wurde, die Sängertätigkeit einzustellen. Alle Anwesenden bedauerten dies zutiefst, doch es gab keine Alternative dazu. Vorsitzende Christa Hofmann erinnerte in ihren Ausführungen daran, dass in der Blütezeit der Chorgemeinschaft in den 1970er Jahren fast 60 Sängerinnen und Sänger aktiv waren. Dies habe dann von Jahr zu Jahr abgenommen.

Zur Geschichte der Chorgemeinschaft führte Vorsitzende Christa Hofmann weiter aus, dass nach der Gründung des Männergesangvereins Ulrichstein 1897 das erste große Sängerfest auf der Kälberweide vom 15. bis 17. Juni 1907 stattfand. In dem Heimatbuch »Ulrichstein Burg und Stadt« von Ehrenbürgermeister Reinhard Thomas sen. stehe, dass bei diesem Fest neben einem Festzug am Tage, auch ein Fackelzug stattfand. Erste Sängertätigkeiten soll es in Hessens Bergstädtchen allerdings schon 1861 bei der Einweihung der neuen Kirche gegeben haben.

Der Verein selbst wird noch nicht aufgelöst und zukünftig wollen sich die Mitglieder in gewissen Abständen treffen und dabei auch ausloten, ob die Zahl der eventuellen Sänger wieder ansteigt. Die vereinseigene Bühne erhält die Stadt Ulrichstein kostenfrei überlassen.

Vor dem offiziellen Beschluss der Einstellung der Sängertätigkeit gab es noch Ehrungen. Der Vorsitzende des Ohm-Lumdatal-Sängerbundes Hans-Georg Teubner-Damster ernannte den Ulrichsteiner Chorleiter Werner Betz für seine jahrzehntelange ehrenamtliche, verantwortungsvolle Tätigkeit als Mitglied und Vorsitzender des Musikausschusses des Ohm-Lumdatal-Sängerbundes zum Ehrenvorstandsmitglied im Rang eines Ehrenkreischorleiters. Vorsitzende Christa Hofmann ehrte Waltraud Ewert für 30-jährige Vorstandsarbeit. Lina und Reinhold Ludwig erhielten Ehrenurkunden und ein Blumenpräsent für 40- beziehungsweise 50-jähriges singen.

Zu Beginn der Veranstaltung im Vereinsraum im Innovationszentrum hatte Schriftführerin Lieselotte Semmler, wie sie abschließend bedauerte, ihren letzten Bericht über die Jahresereignisse 2017 vorgetragen. Auch diesmal war der dreizehnseitige Bericht wieder mit teilweise lustigen Begebenheiten des Vorjahres gespickt und erhielt viel Beifall.

»Schade, dass das Singen eingestellt wird«, bedauerte Bürgermeister Edwin Schneider in seinem Grußwort. Mit dem »Chorsterben« in vielen Regionen gehe allerdings auch der Verlust des schönen, guten, alten deutschen Liedguts weiter. Dank sagte er für die unzähligen Auftritte der Chorgemeinschaft bei Veranstaltungen der Stadt und der Vereine insgesamt. Mit der Einstellung des Sängerbetriebes gehe der Stadt ein wichtiger Kulturträger verloren. Danke sagte er auch für die Spenden der Chorgemeinschaft an den Kindergarten und die Schlossbergschule, sowie für die Überlassung der Bühne: »Wir werden sie in Ehren halten«. Schneider sprach abschließend die Hoffnung aus, dass es vielleicht beim 125-jährigen Jubiläum der Chorgemeinschaft in vier Jahren wieder mit der Sängertätigkeit weitergehen könne.

Mit dem Lied »Als Freunde kamen wir. Als Freunde kamen wir, als Freunde gehen wir. Ein solches Wort zum Abschied macht alles halb so schwer«, wurde dann die Sängertätigkeit zunächst offiziell eingestellt. (au)

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