Letzter Zug um 20.56 Uhr ist zu früh

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Vogelsbergkreis(pm). Vor dem Hintergrund mehrerer kontroverser Diskussionen über Verkehrsmaßnahmen auch im Vogelsbergkreis ist es der Verkehrswende-Initiative Vogelsberg ein Anliegen, Maßnahmen für alternative Verkehrskonzepte voranzutreiben.

Anstatt persönlicher Angriffe sei eine Beruhigung der Diskussion sowie ein zivilisierter Austausch der Argumente dafür und dagegen hilfreich.

Kreisweit und ganz konkret werde das Thema Verkehrswende aus Sicht der Verkehrswende-Initiative unter anderem am Beispiel des geplanten Weiterbaus der A49 und am Nahverkehr im Vogelsberg:

Zur A49 bestehe seit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts Ende Mai ein Baurecht für den letzten Bauabschnitt VKE40. Es gebe Anwohner der B254, die sich den Weiterbau wünschten. Das bedeute jedoch auch, dass dann Lärm andernorts entstehe bei den Anliegern der geplanten Autobahntrasse A49. Diese Anwohner hätten vor dem neuem Verkehrslärm und der neuen Verkehrsbelastung Angst.

Der rechtliche Rahmen für eine Änderung der Trasse oder alternative Verkehrsführungen ist aus Sicht der Verkehrswende-Initiative noch nicht ausgeschöpft. In diesem Zusammenhang müsse auch über alle Möglichkeiten gesprochen werden, den Güterverkehr weitgehend wieder auf die Bahn zu bringen.

Die Planung zum Nahverkehrsplan bis zum Jahr 2025 weist nach Einschätzung der Verkehrswende-Initiative positive Elemente auf und setze auf Verbesserungen und Ausbau des ÖPNV im Vogelsbergkreis. Insgesamt sei das Planwerk jedoch zu unverbindlich und wenig ambitioniert. Leider gebe es im Vogelsbergkreis, anders als in den Nachbarlandkreisen Gießen oder Fulda, keine Betriebszeiten bis nach Mitternacht. Dringend zu beheben seien deshalb folgende Missstände.

Wünschenswert sei ein zweigleisiger Ausbau der Vogelsbergbahn, um eine bessere Anbindung nach Frankfurt zu ermöglichen. Die Zweigleisigkeit ermögliche erst einen angemessenen Gütertransport auf der Vogelsbergbahn.

Ein anderes Negativbeispiel sei, dass von Alsfeld nach Lauterbach der letzte Zug bereits um 20.56 Uhr fahre, sowohl unter der Woche als auch am Wochenende. Das sei ungenügend, um Abendveranstaltungen mit der Bahn zu erreichen.

Das Krankenhaus in Lauterbach könne derzeit gar nicht mit dem Omnibus erreicht werden, und Expressbuslinien nach Marburg und Bad Hersfeld fehlten, moniert die Initiative. Die generelle Anbindung der Dörfer an die Städte sei teilweise katastrophal.

Zwischen Lauterbach und Alsfeld fehlten Haltepunkte auf der Vogelsbergbahn, beklagt die Verkehrswende-Initiative. In Schwalmtal, einem "Grundzentrum" des Vogelsbergkreises, fahre der Zug direkt an zwei wichtigen Ortskernen (Brauerschwend und Renzendorf) vorbei, ohne zu halten.

In vielen Fällen sei das Fahrrad ein geeignetes Verkehrsmittel, um trotz Bedienungslücken im ÖPNV seine Ziele zu erreichen. Bislang fehle aber die Möglichkeit, das Fahrrad sicher abzustellen oder dieses im Bus mitnehmen zu können.

Als erfreulich wertet die Verkehrswende-Initiative, dass sich immer mehr Menschen für den Klimaschutz engagierten, für eine Verkehrswende auch im Vogelsberg eintreten würden und dies auch in ihren Funktionen in der Kommunalpolitik artikulierten. Jetzt stehe nur noch aus, dass die Entscheidungsträger auf Landes- und kommunaler Ebene endlich Politik für die Enkelgeneration machen. Das gehe nicht mit Rezepten aus dem vorigen Jahrhundert.

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