Anouk und Noelia vermissen ihre Freunde, doch sie machen das Beste aus der Corona-Krise: Sie gestalten am Wohnzimmertisch "mit Feuer und Flamme" ihren Schultag mit Unterricht, Sport und "AGs". FOTO: PRIVAT
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Anouk und Noelia vermissen ihre Freunde, doch sie machen das Beste aus der Corona-Krise: Sie gestalten am Wohnzimmertisch "mit Feuer und Flamme" ihren Schultag mit Unterricht, Sport und "AGs". FOTO: PRIVAT

Lernen im eigenen Rhythmus

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Bisher haben Noelia und Anouk eine ganz normale Grundschule besucht. In der Corona-Krise müssen die Kinder den Alltag in ihrer "FC-Bayern- und Peppa-Wutz-Schule" selbst gestalten. Das Lernen zu Hause hat beide viel selbstständiger gemacht, staunen die Eltern.

Oh je, muss ich jetzt auch noch Lehrerin spielen?" Das war Nadine Beckers erster Gedanke, als sie vor zwei Wochen hörte, dass die Grundschule schließt. Inzwischen hat sie durchaus positive Erfahrungen mit dem Lernen zu Hause gemacht. Ihre Töchter Noelia (10) und Anouk (7) seien in kurzer Zeit "viel selbstständiger geworden", berichtet die Mediengestalterin, die bei der Alsfelder/Gießener Allgemeinen Zeitung arbeitet, derzeit von zu Hause aus.

"Ich habe zum Glück sehr fitte Mädels", weiß Becker zu berichten. Die Schwestern lernen gerne, kommen in der Schule problemlos mit und verstehen sich gut. Schwieriger sei die Fernbetreuung durch die Lehrer für Kinder, die sich mit dem Lernen schwertun; oder die zu Hause nicht so viel Unterstützung, wenig Platz oder keine Geschwister haben, meint Becker nach den ersten Tagen der Schülerbetreuung. Doch von Noelias Klassenlehrerin höre sie, dass etliche Familien Ähnliches erleben wie ihre.

Normalerweise ist der Alltag der Familie "durchgetaktet", schildert die 40-Jährige. Bis 15 Uhr sind die Mädchen in der Schule, manchmal müssen sie danach restliche Hausaufgaben machen. Oft geht es aber erst einmal in die Sporthalle zusammen mit der Mama, die auch Noelias Handballtrainerin ist. Nun hat die Corona-Krise "Druck rausgenommen".

Eigener Stundenplan

Die Mutter schlug den beiden vor, eine "eigene Schule‹ zu gründen. "Sie waren sofort Feuer und Flamme." Im Wohnzimmer hoben die Mädchen ihre "FC-Bayern- und Peppa-Wutz-Schule" aus der Taufe und bastelten einen Stundenplan. "Ich dachte erst an eine feste Lernzeit vielleicht ab 10 Uhr", berichtet die Mutter. "Aber sie haben sich morgens um 8 total motiviert an ihre Aufgaben gesetzt", berichtet Becker über die beiden sehr motivierten Grundschülerinnen Die Erstklässlerin Anouk und die Viertklässlerin Noelia sind "oft genervt von der Lautstärke" im Klassenzimmer. Zu Hause kommen sie beim Lernen zügig voran und spüren, wenn ihre Lust auf Mathematik oder Sachkunde nachlässt. Dann widmen sie sich den "AGs", die sie sich aus- gedacht und im Stunden- plan berücksichtigt haben. Sie gestalten Plakate zu bestimmten Themen, spielen im Garten Fußball oder malen einfach mal so vor sich hin.

"Die beiden haben ihren Tag fast alleine strukturiert und sind in kurzer Zeit viel selbstständiger geworden", staunt die 40-Jährige. Natürlich sei sie jederzeit ansprechbar, doch sie könne viel ruhiger im Homeoffice arbeiten als befürchtet. "Bisher hieß es: ›Mama, ich habe Durst!‹ - ›Ihr wisst doch, wo alles steht.‹" Nun haben ihre Kinder in der Küche, während die Mutter oben am Rechner saß, auch schon mal eigenständig ihr Mittagessen in der Mikrowelle aufgewärmt, die Spülmaschine gefüllt, angestellt und danach wieder alles an Ort und Stelle geräumt.

Natürlich fehle ihren Töchtern der Kontakt zu Schulfreunden und ihnen allen ihre Handballmannschaft, sagt Becker. Sport mache in der Gruppe eben viel mehr Spaß. Hinzukämen die allgegenwärtigen Ängste und die Ungewissheit: "Was wird aus dem Arbeitsplatz? Ist das Schuljahr beendet? Wie funktioniert die Notengebung? Noelia soll im Sommer ans Gymnasium wechseln. Wird sie da "normal" starten können?

Doch die Corona-Krise biete eben auch die Chance zu positiven Erfahrungen. Nadine Becker würde sich wünschen, dass sie in den künftigen Schulalltag einfließen. Sinnvoll fände sie vor allem, wenn die Kinder sich die Lernphasen freier einteilen können, wie es in manchen Ländern und Schulformen längst praktiziert wird.

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