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Das Areal der ehemaligen Kleiderfabrik Bücking an der Georg-Dietrich-Bücking-Straße in Alsfeld könnte für den Neubau der hessischen Lehrkräfteakademie infrage kommen.

Lehrerbildung zieht nach Alsfeld

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Die hessische Lehrkräfteakademie zieht nach Gießen und Alsfeld. Die bisherigen Standorte Frankfurt, Kassel und Wiesbaden werden aufgegeben. Nun werden Details zu den Umzugsplänen bekannt, und es entbrennt eine politische Debatte.

Für die Lehrkräfteakademie wird aktuell in Alsfeld eine geeignete Liegenschaft mit einer Nutzfläche von rund 5650 Quadratmetern für rund 200 Arbeitsplätze gesucht. Bereits vor einiger Zeit hatte diese Zeitung über die Umzugspläne berichtet.

Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen prüft hierzu mehrere konkrete Mietangebote, wie ein Sprecher mitteilt. Die Mietvertragsverhandlungen sollen sich daran anschließen. Vorrangig soll die Zentralabteilung der Verwaltung in Alsfeld untergebracht werden. Dabei soll ein neues Arbeitsplatzkonzept umgesetzt werden, das flexibles Arbeiten stärker unterstützt. Das Verfahren laufe noch, heißt es dazu.

In Alsfeld kommen mehrere Flächen infrage, die den geplanten mehr als 50 mal 50 Meter umfassenden zweigeschossigen Bau aufnehmen können. Der Neubau soll verkehrsgünstig liegen und auch die Polizeistation mit aufnehmen können.

Eine Möglichkeit wäre die Freifläche an der Ausfallstraße in Richtung Marburg, auf der einst die Kleiderfabrik Bücking stand. Möglich wäre auch eine Neunutzung des Geländes der geschlossenen Welle-Möbelwerke. Eine Festlegung des Landes gibt es aber noch nicht.

Die hessische SPD hält das unterdessen für die »falsche Entscheidung,« wie die Frankfurter Rundschau schrieb. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) dagegen verteidigt den Umzug in den Vogelsbergkreis und verspricht eine Modernisierung der Weiterbildung und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

»Die bisherige dezentrale Struktur hat sich bewährt«, sagte Christoph Degen, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Anders als von der Landesregierung behauptet, stärke der Umzug den ländlichen Raum nicht.

Stattdessen würden für viele Beschäftigte die Wege zur Arbeit länger. Zudem werde wegen der schlechteren Anbindung häufiger das Auto genutzt. Anlass für die Umstrukturierung der hessischen Lehrer aus- und -weiterbildung ist der bauliche Zustand der Lehrkräfte-Zentrale in Frankfurt. In der Nähe des Hauptbahnhofs hat die Zentrale im sanierungsbedürftigen Erwin-Stein-Haus ihren Sitz.

Selbst mit erheblichen Investitionen könne kein moderner Bürostandard hergestellt werden, argumentiert das Kultusministerium. Der Mietvertrag sei deshalb letztmalig bis Juni 2024 verlängert worden.

Umzug ist für 2024 geplant

Zunächst war Bad Vilbel als neuer Standort im Gespräch. Dann wurden es Gießen und Alsfeld. Nach Einschätzung von Kultusminister Lorz erschließen die beiden Orte große ländliche Regionen. Die Zusammenlegung von vier zu zwei Standorten schaffe zudem die Möglichkeit, die Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationseinheiten zu verbessern.

Sowohl in Gießen als auch in Alsfeld sollen Neubauten errichtet werden. Der Umzug ist für 2024 geplant. Wesentliche Teile des Schulungs- und Konferenzbetriebs sollen in Gießen stattfinden.

Degen kritisiert, dass viele Beschäftigte aus dem Rhein-Main-Gebiet künftig längere Wege in Kauf nehmen müssten. Minister Lorz räumte das ein, er hält aber dagegen, dass sich die Fahrzeiten für Menschen aus Mittel- oder Nordhessen verkürzen würden. Zudem bestehe die Möglichkeit der Telearbeit, auch solle die Arbeitszeit flexibler gestaltet werden. Lehrkräftevertretungen hatten argumentiert, der Umzug weg vom Frankfurter Hauptbahnhof erschwere es, an Weiterbildungen teilzunehmen.

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