Klaus Pfarrer im neuen Flachwasserteich bei Nieder-Ohmen.
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Klaus Pfarrer im neuen Flachwasserteich bei Nieder-Ohmen.

Lebensraum für Eisvogel und Krebs

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Immer mehr Quellen trocknen aus, immer mehr Bäume leiden unter Trockenheit. Das Forstamt Schotten will hier gegensteuern. Mitarbeiter haben bei Mücke eine Quelle freigelegt und ein neuer Flachwasserteich bietet seltenen Vögeln Nahrung.

Mehr Raum für Schwarzstorch und Eisvogel, aber auch der unscheinbare Grundwasserkrebs ist im Mücker Wald entstanden. Mit einer freigelegten Quelle und einem Flachwasserteich gibt es bei Merlau und Nieder-Ohmen zwei neue Biotope. Solche Naturschutzmaßnahmen haben Tradition im Bereich des Forstamts Schotten, so Revierleiter Christian Feußner: "Wir machen mehr als Holzhacken".

So haben Forstarbeiter jüngst das Eichbörnchen freigelegt. Die Quelle im Burgwald bei Merlau war vor vielen Jahren mit Kammer und einem Ablauf ausgestattet worden. Die Fassung wurde nun entfernt, aus einer Senke sprudelt klares Wasser.

Mitglieder des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung Hessen haben dieser Tage zahlreiche Quellen im Vogelsberg untersucht. Denn nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind Quellen gesetzlich geschützte Biotope. Fassungen, wie sie in der Vergangenheit oft angebracht wurden, zerstören meist die gesamte Quelle. So verlassen die im Eichbörnchen vorkommenden kleinen Krebse nachts das Grundwasser, um Futter zu suchen. Tagsüber suchen die lichtempfindlichen Tierchen wieder Schutz im Wasser. An der Merlauer Quelle war diese natürliche Wanderbewegung durch die Einbauten unterbrochen. Mit der Renaturierung wurde der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. "Solche Maßnahmen sind enorm wichtig, wenn wir auf Dauer eine gute Trinkwasserqualität erhalten wollen", erläutert Stefan Zaenker, Vorsitzender des Landesverbandes der Höhlenforscher.

Paul-Walter Löhr aus Merlau beobachtet seit Jahren das Eichbörnchen. Er rät aber dazu, nicht aus gemauerten Quellfassungen zu trinken. Denn in der beschädigten Kammer des Eichbörnchens wurden unter anderem ertrunkene Wühlmäuse gefunden.

Es handelt sich um die einzige Quelle im Burgwald, der Ort ist ein attraktives Ausflugsziel der Menschen aus umliegenden Dörfern. Der Naturschutzexperte des Forstamts Schotten, Klaus Pfarrer, kündigte an, dass eine Info- Tafel angebracht werden soll. Auch ist zur Absicherung ein Geländer vorgesehen - natürlich aus Holz. Dabei sehen die Forstleute solche Maßnahmen im Zusammenhang mit der Umgebung. So verweist Feußner auf die Fichten an der Quelle, die eigentlich nicht in Feuchtgebieten wachsen. Sie sind vital und können noch eine Weile wachsen. Aber wenn sie gefällt werden, sollen standortgerechte Erlen gepflanzt werden. Ihm schwebt ein Mischwald vor, in dem sechs bis acht Baumarten vorkommen, darunter Weißtannen. Damit soll der Wald in Zeiten des Klimawandels stabilisiert werden.

Ähnlich vorausschauend wurde ein Flachwasserteich am Ransbach zwischen Nieder-Ohmen und Elpenrod angelegt. Dabei greifen Feußner und Pfarrer auf die Erfahrungen mit der Anlage des Brethsfeldteichs zurück, der seit etwa zwei Jahren ein Amphibienbiotop ist.

Die Trockenheit hat es diesen Herbst ermöglicht, für den neuen Teich eine etwa 20 mal 30 Meter große Mulde mit flach abfallenden Ufern auszuheben. Dort sollen Frösche und Molche einziehen. Das unterstützt wiederum die typischen hessischen Vogelarten Schwarzstorch und Eisvogel. Die Wiese, an deren Rand der Teich liegt, liegt abseits der Waldwege. Dort werden die scheuen Vögel nicht durch Spaziergänger vergrault. Der rund 600 Quadratmeter große Flachwasserteich wurde in Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde des Vogelsbergkreis angelegt, auch weil direkt daneben ein Mischwald mit 200 Jahre alten Eichen steht.

Hinzu kommt nun der Teich. Durch die relativ flache Wassertiefe zwischen 30 Zentimetern und 1,5 Metern erwärmt sich das Wasser im Frühjahr schnell. Dort können sich Amphibien optimal entwickeln. Altholz und die Erdwälle dienen wechselwarmen Tieren als Sonnenplatz zum Aufwärmen. Trotz Trockenheit ist aus dem Untergrund schon etwas Wasser zugelaufen, bis zum Frühjahr soll es noch mehr werden. Klaus Pfarrer erläutert, dass es schon länger Überlegungen gab, einen solchen Teich anzulegen. Bei der Umsetzung mussten zehn Meter Abstand zum Bach eingehalten und die Wiese auf schützenswerte Pflanzen untersucht werden. "Wir wollen ja nicht ein Biotop zerstören, um ein anderes anzulegen."

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