Die Pferde Olga (l. 34 Jahre) mit Tochter Sissi (23 Jahre) und Betreuerin Simone Achenbach auf der Weide. Die beiden Pferde wurden von einem Schlachttransport gerettet. FOTO: HSO
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Die Pferde Olga (l. 34 Jahre) mit Tochter Sissi (23 Jahre) und Betreuerin Simone Achenbach auf der Weide. Die beiden Pferde wurden von einem Schlachttransport gerettet. FOTO: HSO

Ein Leben für alte Pferde

  • vonHerbert Schott
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Alles für die Pferde. Nach diesem Motto verfährt Simone Achenbach auf dem größten Gnadenhof für Pferde in Hessen. Daneben hat die 40-Jährige aus Köddingen noch einen Vollzeitjob. Deshalb ist Hilfe jeglicher Art immer willkommen.

In Köddingen gibt es seit nunmehr fünf Jahren einen privaten Gnadenhof - die "Last Resort Ranch" - der auf Gnadenhofpferde spezialisiert ist. Er ist der größte Gnadenhof für Großpferde in Hessen. "Wir haben derzeit 14 Pferde, darunter acht Kaltblüter, drei Warmblüter, zwei Kleinpferde und ein Pony, die alle einen Namen haben", berichtet Besitzerin Simone Achenbach.

Sie ist eine selbstbewusste, engagierte und mit viel Herzblut ausgestattete junge Frau, die vor fünf Jahren die "Last Resort Ranch" gegründet hat. Der Name bedeutet: Mein Hof ist das letzte Plätzchen. Die "Last Resort Ranch" bietet auch nur Endplätze. Es werden keine Tiere weitervermittelt. Doch dies alles hat zunächst ja auch eine kleine Vorgeschichte.

Achenbach stammt aus Schwaben und startete mit einer Ausbildung als Finanzassistentin im Bankwesen. Sie merkte bald, dass dies für sie nicht der richtige Weg sein würde. Angeregt durch ihre Hobbys Biologie und Reiten entschloss sie sich zum Studium in Gießen und Marburg im Bereich der Tiermedizin und Biologie. Sie promovierte schließlich im Bereich Veterinärmedizin und arbeitet jetzt in Marburg bei GlaxoSmith Kline (GSK), den früheren Behringwerken, als Leiterin der Qualitätskontrolle und Stabilitätsexperte für bakterielle Impfstoffe.

Als Kind mit Pferden aufgewachsen

Achenbach selbst ist schon früh in ihrer Kindheit mit Pferden aufgewachsen und schaffte es schließlich bis zur Dressurreiterin in der Klasse M. Als ihr Pferd alt wurde, musste sie die Dressurreiterei aufgeben. "Guliver war 24 Jahre in meinem Besitz, und ich war bis zu seinem Tode an seiner Seite und umgekehrt", erzählt sie sichtlich gerührt. "Für ihn fand ich in Watzenborn bei Gießen einen kleinen Stall." Es reifte in ihr aber der Gedanke etwas Größeres zu suchen, und sie wurde schließlich im Feldatal fündig. 2015 hat sie den Hof in Köddingen mit sechs Hektar Weideland gekauft und ist dann im Oktober mit sieben Pferden eingezogen.

"So ein Hof war schon immer mein Traum, schwärmt die 40-Jährige. In Köddingen fühlte sie sich und sicherlich auch ihre Tiere sehr wohl, meint Achenbach. Den Hof managt sie aktuell mehr oder weniger alleine, Hilfen aus dem Dorf sind eher selten, diese kommt aber aus den Nachbardörfern, und auf ihre unmittelbare Nachbarschaft kann sie ebenfalls zählen. "Ich verbringe täglich drei bis vier Stunden mit Stallarbeit, im Winter vor und nach der Arbeit in Marburg und dies teilweise bis 22 Uhr", berichtet sie.

Diese kurze Arbeitszeit hat sie aber nur, wenn kein Pferd krank ist. "Auf die Leute in Köddingen wirke ich wohl unheimlich, weil ich Vollzeit arbeite und die ganze Arbeit auch noch leiste und manage. Ich habe halt viel Energie", meint die 40-Jährige. "Alle Tiere auf dem Hof sind mein Motivator und dies 365 Tage im Jahr."

Neben den täglichen Arbeiten muss bereits jetzt für den Winter vorgesorgt werden. Heu muss gemacht werden, und die Herstellung von 53 Rundballen von 1,25 Meter Durchmesser durch einen Lohnunternehmer kosteten rund 1000 Euro. Das klingt auf den ersten Blick viel, aber "hätten wir die 53 Rundballen zugekauft, wären wir bei etwa 1900 Euro gewesen", rechnet die Hofbesitzerin vor.

Für den Winter werden aber noch weitere 100 Rundballen Heu im Wert von 3500 Euro gebraucht. Sechs Tonnen Heu, säckeweise Heucobs für die zahnlosen und kranken Tiere und 400 Kilogramm Kraftfutter werden für den Winter in einem Monat gebraucht. In diesem Jahr wurde eine gebrauchte Weidehütte mit tatkräftiger Unterstützung von Karl-Friedrich Dörr und seinem Sohn Lukas aus Stumpertenrod, ihrem Vater und den Eheleuten Ursula und Marcus Urstadt aus Zeilbach aufgebaut.

Auch auf Landwirt Uwe Steuernagel aus Stumpertenrod kann sie sich verlassen. Er tauscht mit ihr Wiesen nach dem ersten Schnitt Heu, damit er einfacher zu mähende Wiesen bekommt und die alten Pferde nicht so weit laufen müssen.

Anhand eines aktuellen Falles schildert sie, was alles bei Neuzugängen auf sie zukommt. Vor rund drei Wochen kamen Annika (25 Jahre alt) und Inka (23 Jahre alt) völlig abgemagert auf ihrem Hof an. Zuerst war eine Rundumversorgung für die ziemlich heruntergekommenen Tiere nötig erzählt Achenbach. Hufgeschwüre, Zahnschäden und auch noch Rotz und Husten mussten von Fachleuten behandelt werden, was Kosten von rund 1000 Euro verursachte. Aktuell stehen sie noch separat im Stall sowie auf der Weide und nehmen aber eine sehr gute Entwicklung.

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