1. Gießener Allgemeine
  2. Vogelsbergkreis
  3. Lauterbach

Vogelsberger Gesundheitsamt: Tipps gegen den Hitzestress

Erstellt:

Von: Joachim Legatis

Kommentare

a_wass4_200722_4c
Zur Abkühlung läuft ein Kind durch das Wasserspiel auf dem Alsfelder Marktplatz. © Joachim Legatis

Große Hitze ist für alle belastend, aber für manche besteht eine größere Gefahr als für andere. Dr. Dr. Rüdiger Rau, stellvertretender Leiter des Vogelsberger Gesundheitsamtes, gibt Ratschläge.

Worauf sollte man bei großer Hitze besonders achten, auch wenn man im Grund kerngesund ist?

Im Grunde gelten die wichtigsten Verhaltensregeln bei Hitze für alle Gesunden, ob Jung oder Alt. Ausreichend viel trinken, am besten Wasser oder ungesüßte Tees - die wichtigste Vorbeugung vor hitzebedingten Beschwerden und Gesundheitsstörungen. Auch ist es wichtig, den Alltag bei einer Hitzewelle anzupassen. Zum Beispiel sollten - wenn möglich - körperliche Aktivitäten und Erledigungen in die Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Die Wohnung sollte man abends und über Nacht lüften, möglichst leichte Kleidung tragen und sich mit Wassergüssen abkühlen.

Und wenn man doch hinaus in die Sonne muss?

Lässt es zum Beispiel der Beruf nicht anders zu, sollte man auf ausreichenden Sonnenschutz achten und sich mit entsprechender Kleidung, Sonnenschutz und Kopfbedeckungen schützen. Besonders auf Kinder oder ältere Menschen sollte man achtgeben. Achten Sie auf sich und andere, vor allem aber auf Kinder und ältere Menschen.

Ältere Menschen gelten als Risikogruppen, weshalb eigentlich?

Gerade ältere Menschen sind durch hohe Temperaturen besonders belastet. Zum einen kann sich ihr Körper nicht mehr so gut und rasch an die Hitze anpassen, zum anderen nimmt mit zunehmendem Alter das Durstgefühl ab. Hier kann Flüssigkeitsmangel schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Des Weiteren leiden ältere Menschen häufiger an verschiedenen chronischen Erkrankungen und nehmen mehrere Medikamente ein. Faktoren, welche wiederum für Hitzeschäden anfälliger machen können.

Es heißt auch, dass Menschen mit Übergewicht stärker aufpassen sollten, ist dem so?

Menschen mit einem Übergewicht, das bedeutet ein Body-Mass-Index von 25 bis 30, und vor allem mit einem hohen Übergewicht, einem BMI über 30, sind durch Hitze zusätzlich belastet: Um die sogenannte Körperkerntemperatur konstant zu halten, muss das Herz-Kreislauf-System verstärkt arbeiten und entsprechend wird vermehrt Energie verbraucht. Zusätzlich weisen übergewichtige Menschen mitunter eine geringere Fitness auf und leiden unter Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie dem Bluthochdruck, Störungen des Bewegungsapparates und Diabetes mellitus.

Worauf sollten Eltern mit kleinen Kindern achten?

Eltern sollten ihre Babys und Kleinkinder nicht der direkten Sonneneinstrahlung aussetzen und die Mittagshitze meiden. Kleinkinder sollten in der heißesten Zeit des Tages - etwa zwischen 10 und 17 Uhr - auf Anstrengungen wie Bewegungsspiele verzichten. Auch Kinder müssen genug trinken. Kleine Kinder und Babys sollten nicht im überhitzten Auto zurückgelassen werden. Wenn möglich, sollte auf Autofahrten mit Kindern und Babys verzichtet werden. Zu einer »sonnengerechten Kleidung« gehört auch eine Kopfbedeckung sowie eine Sonnenbrille. Neben der Wohnung sollte der Körper von Babys oder Kleinkindern möglichst kühl gehalten werden. Wasserspiele, zum Beispiel im Planschbecken im Schatten, können dabei für Abkühlung sorgen. Schlafen sollten Babys und Kleinkinder möglichst im kühlsten Raum der Wohnung.

Wie stelle ich bei einem Kleinkind fest, ob es noch im grünen Bereich ist?

Grundsätzlich: Sollten Symptome einer Hitzebelastung auftreten, muss umgehend Erste-Hilfe eingeleitet und gegebenenfalls ärztliche Hilfe eingeholt werden. Ob ein Baby oder Kleinkind richtig gekleidet ist und gut mit der Hitze zurechtkommt, kann leicht herausgefunden werden. Die Stelle zwischen den Schulterblättern unterhalb des Nackens sollte warm, aber nicht verschwitzt sein. Sind Kinder im Freien längere Zeit sehr aktiv, kann Hitzestress entstehen, der wiederum in einen Zustand der Hitzeerschöpfung übergehen kann. Typische Anzeichen dafür sind starkes Schwitzen, kühle Haut, ein gerötetes Gesicht und/oder trockene Lippen als Zeichen dafür, dass ein Kind zu wenig getrunken hat. Zusätzlich können auch Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Ohrgeräusche auftreten. Sind die Kinder im Hitzestress, wirken sie außerdem erschöpft und unkonzentriert. Abkühlung für den Körper ist dann wichtig. Man sollte in kühlere Innenräume gehen, hilfreich sind feuchte Umschläge und viel trinken.

Die Zahl der heißen Tage wird absehbar zunehmen, kann sich der Körper an mehr Hitzetage gewöhnen?

Grundsätzlich ist der menschliche Körper sehr anpassungsfähig. Diese Anpassung sollte über einen längeren Zeitraum schrittweise und langsam erfolgen.

_1T_9-B_145225_4c
Dr. Dr. Rüdiger Rau Stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts © Red

Auch interessant

Kommentare