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Karl Seitz an »seinem« Baum im Friedwald Lauterbach.

Seinen Baum hat er schon

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Lauterbach (pm). Grabstellen vorbereiten, Waldwege begehbar machen, Interessenten durch den Bestattungswald führen und Trauergesellschaften empfangen. Aufgaben wie diese gehörten 13 Jahre lang zum Arbeitsalltag von Karl Seitz. Als Förster im Friedwald Lauterbach hat er seit der Eröffnung im Jahr 2007 gemeinsam mit Förster-Kollege Hans-Jürgen Spanheimer über 1300 Beisetzungen begleitet und rund 2800 Menschen bei der Wahl ihrer persönlichen Baumgrabstätte unterstützt.

Nun hat Revierförster Seitz in den Ruhestand verabschiedet und seine Aufgaben an die neuen Kollegen Klaus Rühl und Frank Harnack übergeben.

»Ich habe die Arbeit als Friedwald-Förster in all den Jahren mit großer Leidenschaft und Überzeugung gemacht und war immer mit Herzblut dabei. Da ist es ein schönes Gefühl, die Arbeit auch für die nächsten Jahre in guten Händen zu wissen«, sagt Seitz. Zum künftigen Betreuungsteam gehören neben dem erfahrenen Förster Spanheimer die beiden neuen Kollegen Klaus Rühl und Frank Harnack.

Klaus Rühl ist Gemeindereferent im katholischen Pfarramt Herbstein und hatte in dieser Funktion bereits Berührungspunkte mit dem Friedwald Lauterbach.

Ein Glas Sekt mti Angehörigen

So hat er in den vergangenen Jahren immer wieder Angehörige beim Abschiednehmen im Friedwald geistlich begleitet. »Durch die Einarbeitungsphase vor Ort im Wald habe ich Klaus über die vergangenen Wochen und Monate näher kennengelernt. Er ist ein sehr aufgeschlossener Mensch und wird durch seinen beruflichen Hintergrund gerade mit Trauernden sehr gut umgehen können«, so Seitz. Auch Frank Harnack, der als Polizist tätig ist, kennt den Friedwald Lauterbach, wohnt er doch in fußläufiger Entfernung zum Bestattungswald. Mit ihm ist das neue Team komplett.

Wie wichtig den Menschen eine persönliche Betreuung vor Ort ist, weiß Seitz aus seiner jahrelangen Erfahrung. »Ich durfte viele Familien- und Freundeskreise unterstützen, die sich bereits zu Lebzeiten einen passenden Baum für die gemeinsame letzte Ruhe ausgesucht haben.

Die Stimmung war dabei meist ausgelassen, trotz des ernsten Themas. Ich habe gemerkt, dass sich die Menschen im Wald direkt wohlgefühlt haben und dankbar waren, hier einen Platz gefunden zu haben, an dem sie irgendwann wieder vereint sein werden. Von der ein oder anderen Gruppe wurde ich nach der Baumauswahl auf ein Glas Sekt am Baum eingeladen«, erinnert sich Seitz.

Natürlich gab es für Förster Seitz auch traurige Begegnungen, vor allem bei Beisetzungen, bei denen er den verstorbenen Menschen persönlich kannte oder Angehörige beim Abschied von einem jungen Menschen begleitete.

Konzept 2007 noch unbekannt

»Bei all der Trauer und dem Schmerz, den eine Beisetzung mit sich bringt, hatte ich doch immer das Gefühl, dass der Abschied im Wald den Angehörigen Trost gespendet hat.« Beisetzungen im Friedwald Lauterbach können individuell gestaltet werden. So, wie es sich der Verstorbene gewünscht hat oder die Angehörigen es sich vorstellen. »Vor allem die Ehrlichkeit des Abschiednehmens hat mich immer wieder beeindruckt. So wünsche ich mir das auch für mich«, sagt Seitz.

Gemeinsam mit Spanheimer hat sich Seitz daher bereits vor einigen Jahren selbst für einen Baum im Friedwald Lauterbach entschieden. »Hans-Jürgen und ich sind stolze Besitzer einer Hainbuche, die direkt am Eingang zum Wald steht und unsere Verbundenheit - sowohl untereinander, als auch zum Wald - zeigt.« Diese Verbundenheit war ein Prozess. Denn als der Friedwald Lauterbach im Oktober 2007 eröffnet wurde, war dem Revierförster der Försterei Eisenbach das Konzept der Bestattung in der Natur noch weitgehend unbekannt.

»Ich weiß noch, dass ich meine zusätzliche Arbeit damals zunächst mit Vorsicht angegangen bin. Aber nach wenigen Monaten habe ich erkannt, dass wir Menschen ein Angebot machen können, auf das sie gewartet haben«.

Die anfängliche Skepsis ist schnell in Begeisterung umgeschlagen und so wurden es für Seitz am Ende spannende 13 Jahre im Dienst als Friedwald-Förster.

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