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»Lange Kette von Umweltschäden«

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Von: Joachim Legatis

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Schwierigkeiten bei starken Regenfällen: Baustelle der A 49-Brücke über das Gleental bei Lehrbach, vorne ein Regenrückhaltebecken. © Joachim Legatis

Kritik an der Entwässerung bei den Arbeiten für die Autobahn 49 äußern Gegner des riesigen Bauprojekts: Schlammige Abwässer seien in ein Waldstück bei Stadtallendorf und die Gleen bei Lehrbach geleitet worden. Das Regierungspräsidium versprach Abhilfe.

Die Gegner des Weiterbaus der Autobahn 49 weisen auf gravierende Probleme beim Schutz der Umwelt während der Bauarbeiten hin. So fließe Regenwasser ungereinigt in die Umwelt ab, obwohl das in der Wasserschutzzone 2 nicht zulässig ist. Das Regierungspräsidium Gießen erwidert, die obere Wasserbehörde sei an dem Thema dran. Sie habe die Baufirma angewiesen, schnellstmöglich das Wasser von der Baustelle zu behandeln, wie ein Sprecher des RP mitteilt. Umweltschützer Wolfgang Dennhöfer hält die Kritik für berechtigt.

Die »AG Danni lebt« der Initiative »Parents for Future« hat gleich mehrere Kritikpunkte aufgelistet. Da heißt es, dass dass Wasser von der Baustelle im Wasserschutzgebiet nur an genehmigten Einleitestellen in die Bäche fließen darf. Dabei dürfen verschmutzte Regenabflüsse auch in mobilen Absetzbecken und Erdwallbecken gesammelt werden. Ziel sei es, so die Parents, dass sich Feststoffe absetzen, die Schadstoffe mit sich führen.

Am 31. März zeigte sich aber, dass die Rückhaltung nach starken Regenfällen nahe der Artilleriestraße in Stadtallendorf überfordert ist. Am Bauwerk 5 südlich der Bahnstrecke seien große Mengen an Wasser an dem Rückhaltebecken vorbeigeflossen »und setzten riesige Waldflächen neben der Trasse unter sedimenthaltiges Wasser«.

Wasserbehörde gibt Auflagen vor

Auch an anderen Stellen waren die Erdwallbecken bei starkem Regen nicht in der Lage, die Sedimente im Wasser zurückzuhalten.

An der langen Brücke über die Gleen bei Lehrbach werde Wasser an Stellen eingeleitet, die im Planfeststellungsbeschluss nicht vorgesehen sind. Dem Bundesverkehrsministerium gegenüber habe die Autobahn GmbH mitgeteilt, dass ein Kanal nur für Wasser von der Bundesstraße 62 genutzt wird. Bei Regen fließt aber auch Baustellenwasser der Gleentalbrücke über einen Gulli in diesen Kanal und wird in die Gleen ableitet. »Damit hat die Autobahn GmbH dem Bundesverkehrsministerium offenkundig nicht die Wahrheit geschrieben«, urteilen die »Parents for Future«.

Das Regierungspräsidium Gießen schaut genau auf die Situation, »die Entwässerungssituation beim Waldstück bei Stadtallendorf wurde am 13. April durch die Obere Wasserbehörde überprüft«, teilt ein Sprecher mit. Die Bau-Arbeitsgemeinschaft sei aufgefordert worden, schnellstmöglich entsprechende Maßnahmen umzusetzen, »um die Behandlung und Ableitung des Bauwassers zu verbessern«.

Über die Entwässerungssituation bei Lehrbach wurde die obere Wasserbehörde am 3. April informiert. Bereits am nächsten Tag gab es einen Ortstermin. Zu diesem Zeitpunkt waren seitens der Bau-ARGE bereits Sofortmaßnahmen ergriffen worden und es wurden weitere Maßnahmen vereinbart. »Aufgrund der derzeitigen Witterung konnten diese nicht umgehend umgesetzt werden.«

In beiden Bereichen, im Gleental und dem Waldstück im südlichen Bereich von Stadtallendorf stehe die obere Wasserbehörde im engen Austausch mit der Bau-ARGE.

Für den Alsfelder Umweltschützer Wolfgang Dennhöfer ist die Kritik der »Parents for Future« zur Entwässerung zutreffend. Es gebe eine »lange Kette von Umweltschäden« durch den Bau der A49. So seien der vorbildlich bewirtschaftete Dannenröder Forst und das europäische Schutzgebiet Herrenwald zerstört worden.

Umweltschützer verweist auf Gifte

Die Autobahn werde quer »durch die gigantische Rüstungsaltlast südlich des Militärgeländes von Stadtallendorf gebaut«. Vergangenes Jahr gab es einen Baustopp: wegen des Fundes von giftigem Hexyl. Aus dieser Baugrube wurden über 11 000 Kubikmeter Boden in der Trasse verbaut. Der Einbau geschah in der Wasserschutzone II zwischen den Bauwerken 8 und 9 südlich der Autobahnabfahrt Stadtallendorf Süd. Wenn schlammige Wassermassen aus dem Bereich »Artilleriestraße« ins Gelände geflossen sind, »dann sollten in Gießen und Wiesbaden eigentlich die Alarmglocken schlagen«.

In anderen Bereichen seien die Folgeprobleme geringer. Fehler bei der Entwässerung lassen sich ohne Altlasten und weiter weg von Bächen vermutlich reparieren.

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