Der Verkehrskreisel in Homberg, oben eine Demonstration von Anwohnern gegen den Bau der A 49, wird in den kommenden Jahren viele Baufahrzeuge sehen. FOTO: JOL
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Der Verkehrskreisel in Homberg, oben eine Demonstration von Anwohnern gegen den Bau der A 49, wird in den kommenden Jahren viele Baufahrzeuge sehen. FOTO: JOL

A 49

Lärm und Verkehr belasten Homberg

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Der Bau der A 49 treibt die Kommunalpolitiker unserer Stadt offensichtlich zu Aktionismus. Wohl unter der Befürchtung, bei der Kommunalwahl 2021 vom erzürnten Wähler abgestraft zu werden, wird jetzt versucht, noch einzufordern, was man sich nicht rechtzeitig hat verbriefen lassen. Die professionellen Akteure des Projektes A 49 wussten sicher von Anfang an um das Ausmaß der Verkehrs- und Lärmbelästigung einer Autobahn und natürlich auch, dass aufgrund der einschlägigen Verordnungen sogenannte belästigende Lautstärken bis etwa 70 dB für die betroffenen Orte zumutbar sein würden. Weder Lärmschutzmaßnahmen noch Flüsterasphalt, war den Experten damit schon in der Planungsphase klar. Ob diese nun nachträglich von den Fraktionen eingeklagt werden können, scheint zumindest fraglich. Verlierer des Projektes A 49 sind der Wald, die Trinkwasserreservoire, die Kulturlandschaft und nun immer klarer werdend auch die Bürger Hombergs. Den Gewinnern, allen voran die in das ÖPP-Projekt A 49 investierenden Großbanken, wird es egal sein. Hauptsache, die Rendite stimmt. Ein sicher beachtlicher Gewinner ist auch die in Nieder-Ofleiden ansässige MHI. Das Unternehmen dürfte seinen Material-Output in den nächsten Jahren auf das höchste Niveau seit seiner Gründung steigern. Jedenfalls ruhen die Anlagen nur noch wenige Stunden in der tiefen Nacht. Die frei stehende Brecheranlage lärmt 18 Stunden am Tag an 6 Tagen in der Woche. An trockenen Tagen zieht zudem eine nicht endende Staubwolke aus dem Steinbruch, und die Asphaltanlage liefert den dazu passenden Geruch. Bleibt zu hoffen, dass die Stadt Homberg am Boom der MHI partizipiert. Für die Einwohner Nieder-Ofleidens dagegen scheint es an der Zeit, die Emissionen der MHI nicht mehr länger klaglos zu ertragen. Das Unternehmen wirbt auf seiner ansprechenden Website mit unternehmerischer, ökologischer und sozialer Verantwortung, unternimmt aber keine erkennbaren Anstrengungen, die stetig steigenden Emissionen zu begrenzen. Der wirtschaftliche Erfolg der MHI ist sicher gut für Homberg, nicht aber für Nieder-Ofleiden, das die Belastungen voll zu spüren bekommt. Wenn die MHI den Bau der A 49 ausschließlich als Chance nutzen möchte, um den betrieblichen Gewinn zu Gunsten der Shareholder zu optimieren, andererseits aber seinem selbst auferlegten Bekenntnis zu ökologischem und sozialen Handeln, sprich wirksamen Lärm- und Staubschutzmaßnahmen, nicht entsprechend nachkommt, ist es eine Frage der Zeit, bis aus Kritik erheblicher Widerstand wird. Der Lärmschutz in Hessen hat eine klare rechtliche Grundlage.

Horst Tribula

Homberg-Nieder-Ofleiden

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