Die beiden Pfarrer Kay Wick (l.) und Holger Becker bieten etwas andere Gottesdienste an. FOTO: SF
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Die beiden Pfarrer Kay Wick (l.) und Holger Becker bieten etwas andere Gottesdienste an. FOTO: SF

Lachen und an die eigene Nase fassen

  • vonJutta Schuett-Frank
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Mücke(sf). In den gut besuchten und von Pfarrer Holger Becker geleiteten Gottesdiensten in Flensungen und Merlau überraschte Pfarrer Kay Wick die Hörer in der Faschingszeit mit einer Predigt in Reimform. Pfarrer Wick wollte damit nicht nur den Faschingsbegeisterten entgegen kommen, sondern auch anderen und vor allem jungen Menschen, "die Kirche und Gottesdienst nicht attraktiv finden".

In seiner Predigt ging es um den Propheten Amos, der schon vor 3000 Jahren die Scheinheiligkeit mancher Gottesdienstbesucher aufdeckte und zeigte, dass es Gott nicht um die äußere Form, sondern um die innere Einstellung des Menschen geht, und zwar zuerst Gott gegenüber und dann auch den Mitmenschen gegenüber. "Das Vertrauen auf Jesus Christus und das Hören auf sein Wort", so Wick in seiner Predigt, sei "die Grundlage jeder guten gesellschaftlichen Ordnung". Mit Leichtigkeit konnten die Zuhörer Parallelen zur heutigen Zeit ziehen und wohl bei manchen Punkten über sich selbst schmunzeln, sich aber auch selbst an die Nase fassen.

Profit und Angst vor Klimawandel

Ein Auszug aus der Predigt: "Manche treiben es sogar bis auf die Spitze und erklären diskutierend voller Hitze: Es wäre ja ganz schön, spräche Gott zu unsern Ohren, aber Gott hat den Anschluss an die Realität verloren! So spotten sie und erklären ganz offen: Was Gott angeht, da gibt’s nichts zu hoffen. Er schweigt und hat uns nichts zu sagen, die Religionen sind nur üble Plagen. Ein Überbleibsel aus grausigen Zeiten, verrückten, als noch die Priester Menschen unterdrückten, als noch keiner vernünftig zu denken wagte, und den Menschen die Dummheit behagte. So wird dem mächt’gen Gott Finsteres in die Schuhe geschoben. Man will keinen Herrn und Gott mehr dort droben. Mit der Welt machen wir es selber schon richtig. Unser Profit und der Fortschritt, das ist uns wichtig. Dabei kommt die Angst vor’m Klimawandel sehr gelegen. Sie füllt des Staates Kasse mit des Geldes reichem Segen. Der allerdings wird, weil Gott aus dem Blick geraten, für’s eigne Wohlergehn verbraten. Im Vordergrund stehn der Politiker Interessen. Der Bürger ist ganz schnell vergessen. Redet dann einer von Verantwortung vor Gott, ist er von gestern, ist out und erntet Spott. O, wie eng und kleinlich ist doch euer Herz, wegen der richtigen Musik macht ihr euch Schmerz. Dabei ist im Himmel alle Musik, die mich ehrt, willkommen, jeden Klang haben wir hier schon vernommen. Doch ihr Menschen streitet um die Musik, da liegen manche richtig im Krieg! Der eine mag ganz alte Lieder; er singt den Luther immer wieder. All eure Lieder sind für Gott nur ein schlimm Geplärr. Er mag keins mehr hören, er, der höchste Herr! Wenn ihr singt, hält er sich die Ohren zu. Lasst mich doch mit eurer scheinheiligen Musik in Ruh!"

In Merlau besuchten auch viele Karnevalisten den Gottesdienst und es gab frenetischen Applaus für diese Predigt.

Im März gibt es moderne Musik

Der nächste "etwas andere Gottesdienst" wird dann am 15. März um 19 Uhr in Merlau gefeiert unter dem Thema "Augen auf! Ich bin da". Es wird moderne Musik mit einer kleinen Band und eine Bildmeditation geben. Auch dieser Gottesdienst richtet sich an Menschen, die Gottesdienst neu erleben wollen, natürlich auch an junge Menschen.

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