Vom Sportplatz in Dannenrod bis weit hinter die geplante Schneise zieht sich die Menschenkette um den Wald. FOTO: KOA
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Vom Sportplatz in Dannenrod bis weit hinter die geplante Schneise zieht sich die Menschenkette um den Wald. FOTO: KOA

La-Ola-Wellen für den "Danni"

Homberg-Dannenrod(koa). Die Herbstsonne schien gefällig über den Dannenröder Forst, der sich mehr und mehr an rot färbt. Dies lag nicht nur an dem "Indian Summer", der sich über das Land legt, sondern an den vielen roten Jacken und Pullovern, welche von den rund 1000 Menschen getragen wurden, die sich am Sonntag Mittag zu einer langen Kette formierten.

Ihr Zeichen sollte deutlich sein, forderte Barbara Schlemmer vom "Aktionsbündnis Keine A 49" auf: "Unterstützt den Wald, so gut ihr könnt!" Die Kommunalpolitikerin hatte zuvor bei einer Kundgebung davon berichtet, dass "sich fast täglich Menschen bei mir melden und am Telefon weinen." Der Grund sei das Ohnmachtsgefühl, dass in Stadtallendorf derzeit die Menschen Restriktionen durch die Polizei erleben, immer wieder Sirenen zu hören seien, der Wald nicht zu betreten sei. Hinzu kämen "Enteignungsankündigungen" vonseiten des Landes, "obwohl Grundstücke nicht im Planfeststellungsverfahren ausgewiesen sind." Ähnlich verhalte es sich mit der geplanten Trasse im Dannenröder Forst, "die nach wie vor nicht dem Bund gehört. Es gibt noch fünf Einsprüche", berichtete Schlemmer. Sie freue sich, dass die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald inzwischen "die Regierung aufgefordert hat, die Rodungen sofort zu stoppen." ( Bericht unten)

Im Anschluss ergriff Aktivistin "Mara" das Mikrofon. Sie berichtete von ihren Erlebnissen im Wald, davon dass "junge Menschen sich verändern, wenn sie aus den Gefangenensammelstellen zurück kommen. Wie sie sich in diesem Konflikt aufreiben, ihre Gesundheit in dieser Pandemie opfern." Die junge Frau war den Tränen nahe: "Wir hier übernehmen Verantwortung, und das tut weh. Denn wir müssen mit ansehen, wie Bäume gefällt werden, wie Menschen unter der Belastung zusammenbrechen, zu hören, dass sie in Zellen gesperrt werden." Zugleich, so betonte sie, "subventioniert die Regierung die Automobilindustrie. Sie scheint erhaltenswerter als unsere Umwelt, Agrarflächen und der Wald."

Mit diesen Worten im Gepäck machten sich die rund 2000 Menschen aller Generationen auf den Weg, eine pandemiekonforme Menschenkette zu bilden. Rote Bänder gaben ihnen die Chance auf Distanz. Vom Sportplatz in Dannenrod bis weit hinter die geplante Schneise in den Wald zog sich diese Menschenkette, deren einzelne Glieder immer wieder "Danni bleibt" skandierte und La-Ola-Wellen übte. Barbara Schlemmer vom "Aktionsbündnis Keine A 49" zeigte sich begeistert angesichts dieser Solidarität für den Wald und die Region. Dass sich so viele Menschen alleine aus der Region für diese Form des Protests auf den Weg nach Dannenrod gemacht hatten, freute auch Lara Eckstein von Campact (nach eigenen Angaben eine Bürgerbewegung, mit der über zwei Millionen Menschen, die für progressive Politik streiten) erläuterte: "Wir hatten aufgrund der gestiegenen Corona-Zahlen die überregionale Mobilisierung abgesagt. Nachdem sich die Bürgerinitiative entschieden hatte, weiter zu machen, haben wir unsere Unterstützung zugesagt." Viele der Menschen in der Kette schlossen sich im Anschluss an einen Waldspaziergang an. Die bunten Blätter an den Bäumen wirkten geradezu unschuldig angesichts der Berichte über die Rodungsarbeiten, Verhaftungen und bedrohlichen Situationen, welche Aktivisten und Demonstranten den Besuchern offenbarten. Generell luden sie ein, künftig auch wochentags in den Wald zu kommen und sich zu informieren oder zu unterstützen.

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