Sie helfen Menschen in der Krise. Die Mitarbeiterinnen der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen mit dem Leiter der Vogelsberger Lebensräume (v. r.): Harry Bernardis, Claudia Van den Berg, Ira Steigel und Sybille Heller. FOTO: PM
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Sie helfen Menschen in der Krise. Die Mitarbeiterinnen der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen mit dem Leiter der Vogelsberger Lebensräume (v. r.): Harry Bernardis, Claudia Van den Berg, Ira Steigel und Sybille Heller. FOTO: PM

Krise wirft immer mehr aus der Bahn

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Vogelsbergkreis(pm). In Zeiten der Covid-19-Pandemie müssen die Menschen große Einschränkungen in ihrem Alltag hinnehmen. Dies belastet mehr und mehr nicht nur psychisch Kranke, sondern verursacht Konflikte in Familien, schürt Ängste bei Alleinstehenden und Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören, sowie bei vielen Senioren. In dieser Not stehen die Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen der Vogelsberger Lebensräume im gesamten Vogelsbergkreis zur Verfügung.

Viele fühlen sich allein

An den sieben Standorten in Alsfeld, Grebenhain, Homberg, Lauterbach, Mücke, Schlitz und Schotten melden sich immer mehr Menschen, die durch die Corona-Krise aus der Bahn geworfen werden. "Durch Kontaktverbote und andere Auflagen ist das öffentliche und soziale Leben heruntergefahren, viele Menschen fühlen sich allein und suchen einfach jemanden zum Reden", beschreibt der Leiter der Vogelsberger Lebensräume, Harry Bernardis, die Situation. Er ermuntert Menschen in Not, sich zu melden, das Gespräch zu suchen, das nach Absprache und unter strengen hygienischen Auflagen persönlich in einer der Beratungsstellen stattfinden kann.

"Es gibt so viele, die in dieser Krise den Alltag mit Homeoffice, sozialer Isolation und Ausgangssperren nicht bewältigen können. Oft kommen existenzielle Ängste hinzu - sei es wirtschaftlich oder kommunikativ - die dann in einer Depression münden", beschreibt Claudia Van den Berg die Erkenntnisse der letzten Wochen. Die Sozialpädagogin ist für die Beratungsstellen im nordwestlichen Vogelsbergkreis verantwortlich.

Dem pflichtet Sybille Heller aus Schotten bei: "Es gibt junge Menschen, die bei uns anrufen, da sie sich nach Beendigung ihrer Ausbildung mit Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit auseinandersetzen müssen. Einige haben den Schritt in die eigene Wohnung gewagt und wissen jetzt nicht mehr, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen."

Ira Steigel, verantwortlich für die Beratungsstellen in Lauterbach, Grebenhain und Schlitz, stellt in ihren Gesprächen fest, dass die Menschen sich mehr und mehr mit den großen Sinnfragen zu Themen wie dem Tod, Werten oder gar der Weltordnung auseinandersetzen.

"Hier sind wir gefordert. Wir arbeiten systemisch und lösungsorientiert, wir liefern positive Bilder und helfen dabei, dass Betroffene neue Ressourcen in der Natur oder in ihrer eigenen Kreativität entdecken - und zwar unabhängig von Corona", sagt Steigel.

Leider überlagere derzeit das große Thema "Pandemie" die öffentliche Wahrnehmung für psychisch Kranke, Menschen mit Behinderungen oder diejenigen, die durch die krasse Veränderung ihrer Lebensumstände in Zeiten von Covid-19 aus der Bahn geworfen werden, sagen die drei Expertinnen unisono. "Wir sehen die Situation, erkennen die Einzelschicksale und unterstützen dabei, Perspektiven zu entwickeln. Kurz gesagt: Wir sind für alle da, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Kostenlos und unabhängig von einer diagnostizierten psychischen Erkrankung", so die Sozialpädagoginnen.

Bei den Vogelsberger Lebensräumen hat man längst erkannt, dass auch in diesen Zeiten Leben zugelassen werden muss. So findet manches Gespräch zu Hause bei Betroffenen im Garten oder beim Spaziergang mit gebotenem Abstand und Mundschutz statt. Darüber hinaus hat das Thema Achtsamkeit innerhalb des Kollegiums noch mehr an Bedeutung gewonnen.

"Es ist wichtig, genau hinzuschauen, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich klarkommen, wie der interne Kommunikationsaustausch ist und wie die neuen Erfahrungen verarbeitet werden", sagt Harry Bernardis, der in der Krise aber auch positive Aspekte sieht. Ich kann derzeit viel über mich selbst lernen, daraus können sich völlig neue Perspektiven und Bilder entwickeln, die nachhaltige Veränderungen für jeden Einzelnen nach sich ziehen."

Bernardis ermuntert Menschen aller Altersklassen, die einen Gesprächspartner suchen, in Verbindung mit einer der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen der Vogelsberger Lebensräume zu treten.

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