Museumsleiter Tilman Niehof zeigt den Mantel und den Helm eines Wehrmachtssoldaten, den dieser am Ende des Zweiten Weltkriegs in Deckenbach zurückgelassen hat. FOTO: JOL
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Museumsleiter Tilman Niehof zeigt den Mantel und den Helm eines Wehrmachtssoldaten, den dieser am Ende des Zweiten Weltkriegs in Deckenbach zurückgelassen hat. FOTO: JOL

Als der Krieg zu Ende war

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Vor 75 Jahren endete auch in Homberg der Zweite Weltkrieg. Doch da hatten sich die Ohmstädter bereits mit den US-amerikanischen Besatzungstruppen arrangiert. Nach kurzen Schusswechseln war die Stadt am 29. März 1945 übergeben worden, daran erinnert ein Zeitzeugenbericht des langjährigen Bürger- meisters Walter Seitz.

Als der Krieg zu Ende ging, nahm man das in Homberg eher beiläufig zur Kenntnis. Die Ohmstadt war bereits Wochen zuvor von der US-Armee besetzt worden, die bei geringem Widerstand der Wehrmacht einrückte. Damit endete ein Krieg, der auch viele Homberger das Leben gekostet hat. Einen ausführlichen Bericht hat Ehrenbürgermeister Walter Seitz erstellt, der zum Kriegsende 15 Jahre alt war.

Am Abend des 28. März kamen drei Jugendliche aus Offenbach beim Amtsgericht vorbei. Sie gehörten einer sogenannten Werwolfgruppe an, einer deutschen Untergrundeinheit, und wollten mit Panzerfäusten "US-Panzer abschießen". Zu dem Zeitpunkt standen die Alliierten aber noch bei Grünberg, also zogen die Jugendlichen wieder unverrichteter Dinge ab.

Bei einer Kollision deutscher Militärfahrzeuge kam der Soldat Ottfried Möller ums Leben. Sein Grab ist auf dem Homberger Friedhof. Ein junger Flakhelfer, Wolfgang Kramer, wurde am 29. März bei Kirchhain von US-Soldaten erschossen.

Unterdessen versuchten Wehrmachtssoldaten, Autos von Hombergern zu beschlagnahmen, dabei wurde auch schon mal die Waffe gezogen. Eine Gruppe Wehrmachtssoldaten erwischte am 29. März einen Homberger in der Alsfelder Straße, der einen Propagandaspruch übermalen wollte. Den dafür verwendeten Eimer Kalk kippten sie ihm über den Kopf.

Armada von Panzern

Eine SS-Streife verwarnte auf der anderen Seite den Bürgermeister August Geißer, in der Bevölkerung dafür zu sorgen, dass "keine Betttücher als Zeichen der Kapitulation an den Fenstern aufgehängt werden". Zu seiner eigenen Sicherheit flüchtete Geißer schließlich aus der Stadt.

Noch am Vormittag kam es zu einem kurzen Schusswechsel zwischen einem Vorauskommando der US-Armee und einem deutschen Artillerie- geschütz am Hohen Berg. Dann zogen die Besatzungen von zwei Geschützen in Richtung Kirtorf ab, das dritte wurde an der Karlstraße in einen Graben gestoßen.

Gegen 15 Uhr ratterte dann eine ganze "Armada amerikanischer Panzertruppen" von Büßfeld kommend durch Homberg. Walter Seitz geht davon aus, dass es sich um die 6. Panzerdivision der US-Armee handelte. Auf der Strecke nach Appenrod beschossen deutsche Jagdflieger den Konvoi, drehten aber schnell wieder ab. "Die Bevölkerung hielt sich zurück. Sie verfolgte das Geschehen von ihren Wohnungen aus", erinnert sich Seitz weiter.

Am Abend des 29. März scherten Einheiten aus der Kolonne aus. Die Soldaten bauten Zelte auf dem Sportplatz auf, kleinere Gruppen beschlagnahmten die Post, den Bahnhof, das Rathaus und mehrere Wohnhäuser. Sie schufen so Unterkünfte für die Besatzungstruppen. Das Bürgermeisteramt sollte dafür Möbel und Bestecke zur Verfügung stellen, Waffen und Fotoapparate wurden eingesammelt. Auch das Wohnhaus der Eltern von Tilman Niehof in der Ernst-Ludwig-Straße wurde beschlagnahmt. Der Homberger Museumsleiter hat viel über diese Zeit von seinem Vater gehört, der am Kriegsende mit einer durchschossenen Schulter zu Hause war. "Er saß mit dem Oberkörper in einem Gipsverband und seinem Rock im Obergeschoss des Hauses, als die amerikanischen Soldaten kamen." Da er gut englisch sprach, kam man schnell ins Gespräch. Die Amerikaner luden ihn noch auf ein Glas Wein ein, was er allerdings ablehnte. Das Wohnhaus wurde auf Geheiß des Bürgermeisters für ein dreiviertel Jahr lang beschlagnahmt und als Offizierswohnung genutzt.

Tilman Niehof erinnert sich: "Meine Großmutter sagte immer, die Amerikaner hätten sich hoch anständig verhalten, es hat nichts gefehlt, es war nichts verwüstet."

Er glaubt zudem, dass die meisten Homberger am Kriegsende froh darüber waren, "noch recht glimpflich davon gekommen zu sein".

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