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Kreis als Klima-Musterschüler?

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Von: Lena Karber

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79 Prozent des erneuerbaren Stroms aus dem Vogelsberg entfallen auf Windenergie. Solarenergie spielt noch keine so große Rolle. Nachholbedarf sehen Experten auch im Bereich Energieverbrauch. © Red

In Sachen erneuerbare Energien ist der Vogelsberg Vorreiter. Das unterstreicht der Energiemonitoringbericht der Landesregierung für 2020, der kürzlich veröffentlicht wurde. Zudem sind 2021 weitere Kommunen sowie der Landkreis den »Klima-Kommunen« beigetreten. Damit gehören fast alle Vogelsberger Orte zum Bündnis. Das zuständige Ministerium sieht jedoch noch große Potenziale.

Seit 2012 hat sich der Anteil erneuerbarer Energien an der hessischen Stromerzeugung verdoppelt und liegt inzwischen bei 56 Prozent. Das geht aus dem Energiemonitoringbericht der Landesregierung für 2020 hervor, der kürzlich veröffentlicht wurde. Mehr als die Hälfte des erneuerbaren Stroms wurde aus Windkraft gewonnen. Der Vogelsberg ist dabei Musterschüler: Mit 579 MW war zum Stichtag 31. Dezember 2020 mit Abstand die meiste elektrische Leistung an erneuerbaren Energien hierzulande installiert. 15 Prozent der hessenweit durch erneuerbare Energieanlagen eingespeisten Strommenge stammten aus der Region.

Doch nicht zuletzt Extremwetterereignisse wie die Flutkatastrophe im Ahrtal haben dazu beigetragen, dass es die Themen Energiewende und Klimaschutz häufig auf die kommunalpolitische Tagesordnung geschafft haben. So hat der Kreistag beschlossen, dass für alle kreiseigenen Gebäude die Umstellung auf regenerative Energien angegangen werden soll.

Das Ziel ist es, die Treibhausgase um mindestens 90 Prozent reduzieren und somit klimaneutral werden, kündigte Landrat Manfred Görig (SPD) an, als er eine Charta unterschrieb, mit der der Landkreis dem Bündnis »Klima-Kommunen« beigetreten ist. Zudem haben sich weitere Vogelsberger Kommunen dem Bündnis angeschlossen. »Im Vergleich zu anderen hessischen Landkreisen ist das eine hohe Quote, die im oberen Drittel liegt«, teilt Sabine Mauder vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) mit.

In Mücke hat die Gemeindevertretung im September den Beitritt beschlossen. »Wir versprechen uns davon verstärkte Informationen zu Förderprojekten aus den Themenbereichen Klimaschutz, CO2-Bilanzen und Entwicklung verschiedener Aktionspläne«, erklärt Bürgermeister Andreas Sommer. Der Antrag sei auf dem Weg. Auch Homberg hat den Beitritt beschlossen. Ein Konzept muss noch ausgearbeitet werden, sagte Erster Stadtrat Michael Rotter. Feldatal gehört dem Kreis der Kommunen an und will in diesem Jahr mit einer Fotovoltaikanlage auf der Feldahalle einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Der erzeugte Strom fließt ins Rathaus, die Feldahalle und das Gefrierhaus.

Doch was bringt die Mitgliedschaft im Bündnis der Klima-Kommunen überhaupt? Nun, in erster Linie verspricht das Programm erhöhte Fördersätze bei kommunalen Klimaschutzvorhaben. Dazu müssen sie jedoch einen individuellen Aktionsplan mit kommunaler Treibhausgasbilanz und Maßnahmenplan erstellen. Über die Hessischen LandesEnergie-Agentur (LEA) können sie bei der Erstellung von CO2-Bilanzen, bei der Ausarbeitung von Aktionsplänen und bei der Suche nach Fördermitteln Unterstützung erhalten.

2021 wurden laut HMUKLV drei Vogelsberger Projekte aus der kommunalen Klimarichtlinie mit Fördermitteln in Höhe von knapp 86 000 Euro bewilligt. Konkret ging es dabei um die Errichung der Fotovoltaikanlage in Groß-Felda sowie die Umstellung auf eine LED-Beleuchtung in der Feldahalle, um Beschattungsmaßnahmen der Spielflächen in der Kita Unterm Regenbogen in Kirtorf sowie um Klimaanpassungsmaßnahmen für einen klimafreundlichen Schulhof in Schotten.

Über den Umsetzungsstand der Projekte liegen dem Ministerium keine Informationen vor. Seit 2018-2021 wurden insgesamt 15 Anträge über die kommunale Klimarichtlinie gestellt. Davon wurden für sechs Projekte bereits Teilmittel ausgezahlt.

Diese Zahl bezieht sich auf geförderte Projekte nach der Klimarichtlinie. Es ist davon auszugehen, dass insgesamt mehr Projekte umgesetzt wurden und auch andere Förderrichtlinien umfangreich in Anspruch genommen wurden.

Doch wie machen sich die Kommunen des Vogelsbergkreises aus Sicht des Ministeriums bisher in Sachen Klimaschutz? »Es gibt - wie in anderen hessischen Regionen auch - einige Kommunen, die aktiver sind und andere, die bisher weniger aktiv sind«, erklärt Mauder. Im vergangenen Jahr seien jedoch überdurchschnittlich viele Kommunen und der Landkreis Mitglied bei den Klima-Kommunen geworden. »Das bewerten wir als Zeichen, dass die Klima-Aktivitäten stärker vorangetrieben werden.« Die Nutzung erneuerbarer Energien ist im Vogelsbergkreis laut Mauder in vielen Kommunen schon weit vorangeschritten. »Hier ist der Vogelsbergkreis eine der führenden Regionen in Hessen«, sagt sie, betont aber, dass es noch Verbesserungsmöglichkeiten gebe - »beispielsweise mit einer verstärkten Nutzung der Solarenergie«.

So entfiel zum Stichtag 2020 laut Monitoringbericht 79 Prozent des erneuerbaren Stroms aus dem Vogelsberg auf Windenergie, in Sachen Solarenergie haben andere Landkreise einen deutlichen Vorsprung. »Darüber hinaus sehen wir Potenziale im Bereich der Energieeinsparung und Energieeffizienz, also der Reduktion des Energieverbrauchs«, ergänzt Mauder.

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