Martin Kern hat auf seinem Haus eine Solaranlage zur Stromerzeugung errichtet, die den Bedarf zu rund 70 Prozent abdecken soll. FOTOS: JOL
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Martin Kern hat auf seinem Haus eine Solaranlage zur Stromerzeugung errichtet, die den Bedarf zu rund 70 Prozent abdecken soll. FOTOS: JOL

Das Kraftwerk auf dem Dach

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Strom vom eigenen Dach wird immer populärer. So will die Familie des Stumpertenröders Martin Kern 70 Prozent des Strombedarfs über die eigene Solaranlage decken, nachts werden die Geräte im Haushalt aus einem großen Batteriespeicher gespeist.

Den Sommer über lebt die Familie von Martin Kern autark, im Winter braucht man dann doch Strom aus dem Netz. "Auf das Jahr bezogen rechne ich damit, dass ich 70 Prozent des Stroms selbst erzeuge", je nach Sonneneinstrahlung. Der Elektromeister hat auf das Zweifamilienhaus in Stumpertenrod eine große Fotovoltaikanlage gesetzt.

Im Keller sorgt ein Speicher dafür, dass Überschussenergie vom Tag in der Nacht zur Verfügung steht. Die Solaranlage rechnet sich besonders, weil sie den Strom des Versorgers durch den günstiger erzeugten Eigenstrom ersetzt.

Auf dem Smartphone hat Kern eine App, die ihm zeigt, wie viel er gerade ins Hausnetz einspeist und was dort aktuell verbraucht wird. Sogar an einem bewölkten Wintertag wird der Strombedarf der beiden Familien zum größten Teil selbst gedeckt, zeitweise fließt eine Restmenge in den Speicher und das allgemeine Stromnetz.

Kern hat eine rund 72 Quadratmeter große Anlage auf die Dachflächen des Zweifamilienhauses an der Durchgangsstraße in Stumpertenrod gesetzt. Die Spitzenleistung beträgt 15 400 Watt, das sind 15,4 Kilowatt-Peak (kWp). Der Batteriespeicher auf Lithiumbasis kann zehn kW/h aufnehmen und bei Bedarf wieder in das Hausnetz abgeben.

Das sind stattliche Werte, wie der Stumpertenröder sagt. "Normalerweise wird in einem Einfamilienhaus eine 10-Kilowatt-Peak-Anlage benötigt, dazu ein Speicher von fünf kW, um auch über die Nacht zu kommen." Eine solche Investition rechnet sich in etwa zehn Jahren.

Dabei will er nicht zum Selbstversorger werden: "Es ist sinnvoll, zu geben und zu nehmen", überlegt Kern. Das Stromnetz in Deutschland sei sehr stabil und biete genug Reserven für eine durchgehende Stromversorgung. Die Solaranlagen werden immer effektiver, wie er als Mit-Geschäftsführer einer Elektro-Firma mit Schwerpunkt Fotovoltaik weiß. "In den vergangenen zehn Jahren hat die Leistungsfähigkeit der Module ständig zugenommen", der Wirkungsgrad werde immer höher. Die Wechselrichter zur Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom sind "viel leistungsfähiger" und passen sich dem Stromnetz immer besser an. Auch bei der Batterietechnik geht es immer weiter, inzwischen ist es ein "relativ kleiner Kasten, den ich brauche, um in der Nacht mit dem Strom auszukommen". Dabei müssen die einzelnen Komponenten einer Anlage aufeinander abgestimmt sein.

Martin Kern hat noch mehr vor. Langfristig will er mit dem erzeugten Strom steigende Preise des Versorgers abfangen. So will er dann eine Wärmepumpe installieren, wenn die Ölheizung ausrangiert werden muss. Zudem möchte er irgendwann einmal ein Elektro-Auto anschaffen, dann braucht er eine Ladestation am Haus.

Die moderne Elektrotechnik im Haus ist auch ein Schritt hin zum "Smart-Home", dem elektronisch vernetzten Gebäude. Dabei sind alle elektrischen Geräte miteinander vernetzt und einzeln steuerbar. Ein Vorteil: Das System kann die Waschmaschine oder den Geschirrspüler dann einschalten, wenn die Sonne voll scheint.

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