Noch nicht ganz weg und mit einem Herz, das auch weiterhin für die Diakonie schlägt: Martina Heide-Ermel gibt ihre Stellung als Leiterin des Diakonischen Werkes Ende Mai auf. FOTO: PM
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Noch nicht ganz weg und mit einem Herz, das auch weiterhin für die Diakonie schlägt: Martina Heide-Ermel gibt ihre Stellung als Leiterin des Diakonischen Werkes Ende Mai auf. FOTO: PM

Konzepte für Krisensituationen

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Vogelsbergkreis(pm). Acht Jahre lang war sie das Gesicht des Diakonischen Werks (DW) Vogelsberg, ein "diakonisches Eigengewächs", wie sie selbst sagt. Martina Heide-Ermel, Diakonin, Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin, leitete seit 2012 das regionale Werk der Diakonie Hessen im Vogelsberg, nun bricht sie auf zu neuen Ufern.

Von Armut und Wohnungslosigkeit

Als Heide-Ermel 2012 die Nachfolge von Christa Wachter antrat, hatte sie ein Vierteljahrhundert in der Hephata-Diakonie gearbeitet, war dort für die Begleitung geistig behinderter oder psychisch kranker Menschen tätig. Der Sprung ins DW nach Lauterbach erweiterte ihren Blickwinkel in vielerlei Hinischt. "Es war eine aufregende Zeit, gerade am Anfang", erinnert sie sich. Anstatt mit einer überschaubaren Zahl an Menschen wie in den Wohnheimen und Werkstätten von Hephata hatte sie es mit vielen Menschen aus vielen gesellschaftlichen Bereichen zu tun.

"Ich bin hier wirklich auf meine Nächsten getroffen und habe die Nöte und Sorgen von Menschen gelernt, die in unserer Gesellschaft gleich nebenan leben. Und ich war auch überrascht, wie viele in verschiedener Hinsicht Hilfebedürftige es auch im Vogelsberg gibt."

Von Menschen, die sich an die Diakonie wenden, weil der Kühlschrank leer ist, berichtet Heide-Ermel, von großer Armut und auch von Wohnungslosigkeit, die viele in ihrer nächsten Umgebung nicht für möglich halten. Und davon, wie sie und ihr Mitarbeiterteam sich stets in der Pflicht gesehen haben, an diesen Menschen dranzubleiben, "das zu geben, was wir haben".

Neben den klassischen diakonischen Aufgaben wie Lebensberatung, Familien-, Ehe- und Paarberatung hat Martina Heide-Ermel auch einige neue Angebote angestoßen und etabliert: die Erziehungsberatung, die Flüchtlingsverfahrensberatung und später das Bewerbungstraining für Migranten. Auch die Täterarbeit innerhalb der Beratung bei häuslicher Gewalt wurde unter ihrer Leitung auf feste Füße gestellt sowie die Erweiterung der Platzzahl im Betreuten Wohnen der Wohnungsnotfallhilfe. Von besonders großer Bedeutung ist für die Sozialpädagogin auch das Thema "Frauen-Familie-Gesundheit", besser bekannt unter dem alten Begriff "Müttergenesung". "Gerade in Zeiten der Doppelbelastung durch Beruf und Familie und den Herausforderungen, die ein familiärer Alltag heute mit sich bringt, ist es wichtig, die Ansprüche und Rechte von Frauen und Familien im Blick zu halten".

Dank ihres Einsatzes kann das DW Vogelsberg weiterhin Kuren und intensive Beratung anbieten: "Auch in Zeiten leerer Kassen und vielfältiger gewordenen Aufgaben ist es wichtig, an klassischen diakonischen Angeboten festzuhalten", ist sie überzeugt.

Eine besondere Herausforderung war auch für das Diakonische Werk die hohe Zahl an Geflüchteten, die in den Jahren 2015/2016 nach Deutschland und auch in den Vogelsberg kamen. "In dieser Zeit haben wir die Flüchtlingsverfahrensberatung etabliert und gemeinsam mit Einrichtungen wie dem Evangelischen Dekanat und der Caritas Freiwillige geschult und begleitet.

Als besondere Highlights ihrer Amtszeit führt Heide-Ermel die Diakonie-Gottesdienste an, die sie mit Mitarbeitern ihres Hauses gestaltet hat. Auch dass sie einige Projekte mit auf den Weg bringen konnte, die auch für die Zukunft viel Potenzial in sich tragen, erfülle sie mit großer Zufriedenheit: Hier nennt sie den Besuchsdienst DRIN, oder AGIL, ein Projekt zur Bewegungsförderung hochaltriger Menschen. Eine große Dankbarkeit empfindet sie auch über die gute Zusammenarbeit mit ihrem Team.

Letzteres habe man gerade in den letzten Wochen und Monaten sehr gut beobachten können: Heide-Ermel sieht ihre Einrichtung auch in der Corona-Zeit gut aufgestellt.

"Seit Anfang der Krise haben wir Konzepte entwickelt, um mit den Menschen, die uns brauchen, in Verbindung zu bleiben", berichtet sie, "zunächst telefonisch, jetzt auch wieder in Einzelgesprächen, drin oder draußen." Bei all den vielen positiven Erfahrungen ist es verständlich, dass Martina Heide-Ermel nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge geht: "Ich lasse viel zurück, aber ich vertraue darauf, dass meine Nachfolge und das Team den guten Weg des DW Vogelsberg weitergehen können", zeigt die scheidende Leiterin sich zuversichtlich.

Als geschäftsführende Vorständin der Marburger Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie wird sie einem Team von 100 Mitarbeitenden vorstehen. Heide-Ermel verlässt den Vogelsberg Ende Mai, ihren Verabschiedungsgottesdienst hebt sie sich auf, bis die Umstände rund um die Corona-Pandemie dies wieder zulassen,.

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