Nach Polizeikontrollen wie oben an der Autobahn A 5 sind auch Blutproben zu entnehmen. Dazu gibt es nun eine Kooperation des Polizeipräsidiums mit dem Eichhof Krankenhaus Lauterbach. ARCHIVFOTO: JOL
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Nach Polizeikontrollen wie oben an der Autobahn A 5 sind auch Blutproben zu entnehmen. Dazu gibt es nun eine Kooperation des Polizeipräsidiums mit dem Eichhof Krankenhaus Lauterbach. ARCHIVFOTO: JOL

Klinik hilft bei Polizeiarbeit

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Nach einer Trunkenheitsfahrt sind sie gefragt: Ärztinnen und Ärzte, die dem Autofahrer eine Blutprobe entnehmen dürfen. Damit das auch nachts und am Wochenende klappt, schließen das Eichhof-Krankenhaus Lauterbach und die Polizei eine Vereinbarung zur engeren Zusammenarbeit.

Autofahren unter Alkoholeinfluss ist gefährlich für die Umgebung, deshalb hat die Polizei ein Augenmerk auf Lenker, die mit ihrem Fahrzeug Schlangenlinien fahren. Doch dann müssen die Beamten auch eine Blutprobe veranlassen, und da kommt die Medizin ins Spiel. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Polizei und dem Eichhof-Krankenhaus Lauterbach ist seit kurzem besiegelt. Dadurch ist es einfacher, Blutproben zu entnehmen oder auch einen Festgenommenen auf Haftfähigkeit zu untersuchen.

Gerade die Zusammenarbeit von Ärzteschaft und Polizei ist geprägt von hohen rechtlichen und medizinisch-fachlichen Anforderungen, wie das Krankenhaus Eichhof mitteilt. So ist die Polizei im Rahmen der Gefahrenabwehr auf medizinische Hilfen und Einschätzungen sowie im Rahmen der Strafverfolgung auf eine qualifizierte Beweissicherung und Begutachtung angewiesen. Ärzte sind jedoch per se nicht dazu verpflichtet, behördlich angeordnete Untersuchungen vorzunehmen.

Keine Vereinbarung mit Alsfelder Klinik

Ein solcher Kooperationsvertrag ist nicht die Regel. So gibt es keinen zwischen Kreiskrankenhaus Alsfeld und Polizeipräsidium Osthessen. Einzelne Ärzte des Kreiskrankenhauses und niedergelassene Ärzte oder Ärzte mit Wohnsitz in der Region stehen der Polizei jedoch bei Bedarf zur Verfügung. Sie nehmen notwendige Untersuchungen vor. In diesem Zusammenhang zählt das Polizeipräsidium Haftfähigkeitsprüfungen, Blutentnahmen und körperliche Untersuchungen von Beteiligten an einem Verfahren auf.

Dabei beschränkt sich die Zusammenarbeit mit den Ärzten der Alsfelder Klinik "weitestgehend auf die Durchführung von Blutentnahmen, etwa nach Trunkenheits- oder Drogenfahrten" und den damit im Zusammenhang stehenden Untersuchungen.

Der Vertrag mit dem Lauternbacher Krankenhaus verringert die Gefahr, längere Fahrten in Kliniken anderer Landkreise bewältigen zu müssen. "Mit dieser Kooperationsvereinbarung schaffen wir nicht nur zuverlässige und verbindliche Strukturen im Vogelsbergkreis, sondern verkürzen auch insbesondere die Reaktionszeit der Polizei", betont der Lauterbacher Stationsleiter Uwe Schütz.

Erfolgreiches Modell

"Unsere Ärzteschaft, die bislang frei in ihrer Entscheidung war, die Maßnahmen, wie Blutprobenentnahmen durchzuführen, wurde in die Entscheidungsfindung für die Kooperationsvereinbarung eingebunden", ergänzt Dr. Johannes Roth, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Innere Medizin/Gastroenterologie am Krankenhaus Eichhof. Sie unterstützen die vertragliche Regelung mit dem Polizeipräsidium Osthessen, zukünftig den Pool an Medizinern in der Region, die für die Polizei tätig werden, zu verstärken. Er begrüßt den gesteckten Rahmen, den die Vereinbarung im Hinblick auf haftungsrechtliche Fragen für das medizinische Personal darstellt und sieht das Projekt als erfolgreiches Modell für den ländlichen Raum. "In Großstädten ist die Dichte an Kliniken und Arztpraxen deutlich höher. Dort gibt es meist nur wenige Engpässe, vor allem in der Nacht", sagt Dr. Roth.

Positiv: Auch wenn so mancher Autofahrer wenig Neigung hat, eine Blutprobe abzugeben, sind keine Drohungen gegen Ärzte bei Untersuchungen bekannt.

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