Leonore Bischof hat den Klassiker "Der kleine Prinz" in Mundart übertragen. FOTO: BISCHOF
+
Leonore Bischof hat den Klassiker "Der kleine Prinz" in Mundart übertragen. FOTO: BISCHOF

Der Kleine Prinz und das "Schoof"

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
    schließen

Ein Klassiker der Welt- literatur in Mundart - das Buch "Der kleine Prinz" ist nun in der Umgangssprache von Kestrich heraus- gekommen. Leonore Bischof wohnt zwar in Karlsruhe, ist aber in dem Feldataler Dorf aufgewachsen. Sie hat den heimatlichen Dialekt im Herzen bewahrt und das Büchlein übertragen.

Weltliteratur auf Vogelsberger Mundart hat Leonore Bischof geschaffen. Der Klassiker "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupery heißt bei ihr "De klee Prinz" und kommt in der Kestricher Umgangssprache daher. Der berühmte Ausspruch aus dem Roman "Bitte male mir ein Schaf" heißt dann eben "Sei so guut ... mool mir e Schoof".

Dabei ist Leonore Bischof keine Spezialistin für Vogelsberger Mundart, wie sie im Gespräch schnell betont. Allerdings ist sie in Kestrich geboren und "in einem bäuerlichen Milieu aufgewachsen", wie die seit 40 Jahren in einem Stadtteil von Karlsruhe lebende Rentnerin sagt. Sie wurde 1943 in Kestrich geboren und wuchs mit vier älteren Geschwistern auf dem elterlichen Hof auf.

Später machte sie eine Ausbildung zur Apothekenhelferin in der Dehn’schen Apotheke in Groß-Felda. Seit 1963 ist sie in der Welt unterwegs. Sie arbeitete in Stuttgart, mit ihrem Mann Dr. Friedrich Bischof lebte sie in Iran und Sudan. Zwei Kinder vervollständigen die Familie.

"Den Kontakt zu meinen Eltern, Geschwistern und den Menschen in Kestrich habe ich während all dieser Jahre lebendig gehalten", sagt die Autorin. Dabei hat sie die vertraute Mundart nie vergessen. "Meine Schwester lebt in Halberstadt und wir sprechen immer im Dialekt miteinander." Immer wieder hat sie ihre Eltern und den Bruder in dem Feldataler Ortsteil besucht und dort auch alte Bekannte getroffen. "Wir haben immer Dialekt gesprochen", sagt sie fröhlich. So war die Entscheidung schnell getroffen, als der Verleger Dr. Walter Sauer nachfragte, ob sie sich nicht an eine Übersetzung des Bestsellers "Der kleine Prinz" machen will. In seiner "Edition Tintenfass" hat er über 120 Übertragungen des Buchs von de Saint-Exupery herausgebracht. "Ich habe im November damit begonnen und war im Januar fertig. Und habe dabei auch festgestellt, wie schön der Kestricher Dialekt ist", sagt Bischof.

Dabei ist sie recht frei an den Text herangegangen. Der Kestricher Dialekt habe etwas Derbes, so gebe es die Worte "Bitte" und "Danke" nicht. Dafür heißt es: "Sollst aach bedankt see". Sie hat sich viel Freiheit beim Übertragen der hintergründigen Geschichte genommen, um den Sinn nicht aus dem Blick zu verlieren. Zusatzproblem ist, dass es nicht nur einen Vogelsberger Dialekt gibt. Er variiert von Dorf zu Dorf, wie Bischof sagt. Die selben Sätze klingen in Kestrich anders als im benachbarten Köddingen. So steht auf dem Cover von "De klee Prinz" Vogelsbergerisch (Kesterichisch) als Sprache. In Köddingen mag ein bekannter Satz aus dem Büchlein anders klingen: "Gut seh kann mer nur met dem Herz. Off woas es wirklich ookimmt, doas seh die Aache nit."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare