Christoph Brückner gibt zwischen den Musiktiteln Erläuterungen zu Komponist und Musik.. FOTO: SF
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Christoph Brückner gibt zwischen den Musiktiteln Erläuterungen zu Komponist und Musik.. FOTO: SF

Klassisches und Zwischentöne

  • vonJutta Schuett-Frank
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Mücke-Groß-Eichen(sf). "Werktags sind sie zu und sonntags leer". So habe das mal ein Pfarrer gesagt, berichtete Pfarrerin Kerstin Kiehl am Mittwochabend scherzhaft. Aber an diesem Abend war die Groß-Eichener Kirche nicht nur geöffnet, sondern auch sehr gut besucht. Man lauschte den Klängen von Christoph Brückner, die er der Wegmann-Orgel entlockte. Die angemeldeten 60 Personen waren alle gekommen, um dem "Orgel-Popstar" zu lauschen.

"Auf einer frisch renovierten Orgel", rief Organist Christoph Brückner angesichts des überholten Instrumentes erfreut aus. Brückner ist ein bekannter Organist, er musiziert mit Leib und Seele und ist ein Musiker von ungemeiner Bandbreite und Ausstrahlung. Kontinuierliche Orgeldienste bundesweit in den Diözesen Mainz (Bad Nauheim), Fulda (Hanau) und Limburg (Frankfurt) beweisen seine flexible und universale Tätigkeit als Generalist.

Vor dem Altar lagen ganz viele herrliche Notenschlüssel, und man konnte eine handgefertigte Bildgalerie von Christoph Brückner bewundern. Denn zu jedem Konzert entwirft der Musiker das Plakat und dort ist dann auch eine Strichzeichnung von der Kirche und von der Orgel zu finden.

Organist Brückner ist ein außergewöhnlicher Mensch, das spürt man sofort. Seine Ansagen zwischen den musikalischen Genüssen haben Unterhaltungswert, und er ist ein Meister der Tasten. Auch wenn die Klaviatur in Groß-Eichen an der Wegmann-Orgel gewöhnungsbedürftig sei, wie er sagte, verzauberte er die Besucher mit seiner Musik. Die Besonderheit am Instrument ist: Die Königin der Instrumente hat in Groß-Eichen schwarze Tasten, und nur die Tasten der hochstehenden Zwischentöne sind aus Elfenbein.

Es war zwar jeder Besucher des Konzertes von Anfang an mit einem tollen handgeschriebenen Programm ausgestattet, doch freute man sich schon auf die kleinen Ansprachen von Brückner hoch oben von der Orgel herunter.

Das Konzert startete mit Variationen von "Tut mir auf die schöne Pforte" und es schloss sich ein romantisches Rendezvous mit Stücken von Mendelsohn-Bartholdy an. Mit allen Tricks wurde an der Orgel gearbeitet, denn bei "Eine feste Burg ist unser Gott" erklang das Doppelpedal. Eigene Kompositionen und Arrangements wurden den Gästen von Brückner serviert, und die Besucher hörten verzaubert zu. Es gab viel Applaus nach den Liedvorträgen.

Spontanpause durch hängendes "G"

"Oh Jesu Christe wahres Lichte" aus der Feder von Ludwig van Beethoven begeisterte genauso wie die beiden Thanksgiving’s-Interpretationen. Die Danksagungslieder wie "Alle guten Gaben kommen her von Gott dem Herrn" und "Wir pflügen und wir streuen" wurden in ganz unterschiedlichen Kompositionen gespielt.

Während des Konzertes gab es eine Spontanpause. Der gute "G" hatte sich ausgehängt, und gab nur noch ein Brummen von sich. Schnell wurde das wieder in Ordnung gebracht, denn Brückner arbeitete mit wirklich allen Registern, und es wurde auch manchmal laut und rockig. Mit "Ach wie flüchtig, ach wie nichtig" gab es ein gewaltig anmutendes Stück als ein Tribut an Ludwig van Beethoven. Es entstand ferner eine zauberhafte Klangwelt mit romantischen Melodien von Brahms, Beethoven und Schumann bevor noch "Ode to joy" erklang. Der Text stammt von Friedrich Schiller, und die musikalischen Verflechtungen reichten von "Blues meets Polka" oder "Tango meets Waltz" und schlossen im krönenden Finale.

Christoph Brückner wurde ein nicht enden wollender Applaus am Ende des Konzertes zuteil. Lieder wie "Möge die Straße (Irisches Segenslied), oder von "Guten Mächten" und "Quanta la mera" waren die wundervolle Zugabe.

Für die Besucher gab es die Notenschlüssel sowie die Engel, und wer wollte, konnte einen Besuch an der Orgel machen.

Pfarrerin Kerstin Kiehl verpflichtete den Künstler zu einem erneuten Konzert im kommenden Jahr, denn dann feiert die Wegmann-Orgel ihren 250. Geburtstag.

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