Erinnerung

Pfarrer, Turnvater und Revolutionär: Tafel in Ober-Gleen erinnert an Weidig

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Am alten Pfarrhaus Ober-Gleen gegenüber der Kirche erinnert nun eine Erinnerungstafel an Friedrich Ludwig Weidig, den revolutionären Pfarrer der 1830er Jahre - angebracht vom Turnverband.

Friedrich Ludwig Weidig aus Butzbach war mit Georg Büchner die prägende Persönlichkeit im sogenannten Vormärz der demokratischen Bewegung in Hessen. Weidig wurde durch ein Wirken zu einem Symbol für die Freiheit des Geistes, aber auch für Sport und körperliche Betätigung.

Denn nach dem Vorbild von Friedrich Ludwig Jahn ("Turnvater Jahn") machte Weidig als Lehrer mit seinen Schülern Turnübungen und bekam den Beinamen "hessischer Turnvater." Der frühere Landtagspräsident Norbert Kartmann wies bei der Anbringung der Plakette auf das Wirken von Weidig hin und bezeichnete es als hochpolitischen Vorgang, in der damaligen Zeit gegen die Obrigkeit aufzubegehren.

An Pfarrer Walter Bernbeck gerichtet, sagte Karmann: "Sie können machen, was sie wollen, als Pfarrer in Ober-Gleen werden sie immer in den Spuren von Weidig wandern. Das ist gut so.." Geboren wurde Weidig 1791 in Oberkleen bei Butzbach. Am 5. April 1834 wurde Weidig vom Dienst suspendiert. Er wurde als Pfarrer nach Ober-Gleen strafversetzt. Weidig, so Kartmann, war für den Großherzog zum Staatsfeind geworden. Denn Weidig war der Motor der damaligen Bewegung des Vormärz‹, die mehr Demokratie wollte, deren geistiger Vater. Mit seinen Schriften im "Landboten" lehnte er sich gegen den Feudalstaat auf. Als Weidig weiterhin keine Ruhe gab, wurde er in Darmstadt als Staatsfeind eingekerkert, schwer misshandelt und starb am 23. Februar 1837.

Altersturner in historischer Kleidung

Pfarrer Walter Bernbeck nannte anschließend im Mehrgenerationenhaus seinen "theologischen Vorfahren in Ober-Gleen" einen Demokraten, der den seinerzeitigen Geist auch von der Kanzel verkündete. Genau das passte der Obrigkeit nicht. Bernbeck: "Das Wirken und Leben von Friedrich Ludwig Weidig ist noch heute in der Kirchengemeinden in Ober-Gleen und Heimertshausen spürbar. Weidig lebt weiter."

Die Altersturnerinnen und -turner aus Allendorf/Lahn zeigten dann in historischer Kleidung Übungen vom Deutschen Turnfest 1908 in Frankfurt. Die Turnbewegung, die mit der Errichtung des ersten Turnplatzes in Hessen im Jahre 1814 verbunden ist, lebte nach dem Tode Weidigs weiter. Denn Weidig war auch zum "Turnvater der Hessen" geworden. Zur 200. Wiederkehr des Baues des Turnplatzes – im Jahre 2014 – hatte der HTV eine Wanderausstellung umsetzen lassen, die auch in Alsfeld zu sehen war.

Sie zeigte noch einmal das Ziel des Pädagogen Weidigs auf, Schülern ein breites Bewegungsangebot zu machen. Das Vereinsturnen kam erst später hinzu. Die Saat von Weidig ist aufgegangen.

Der Hessische Turnverband (HTV) hält mit der Verleihung der Weidig-Plakette an verdiente ehrenamtliche tätige Mitglieder die Ideale der Turnbewegung in Hessen wach. Mit der neuen Gedenktafel in Ober-Gleen am ehemaligen Pfarrhaus soll an das Wirken Weidigs erinnert werden.

Sie wurde im Rahmen der Gedenkfeier für den Lehrer, Theologen, Publizisten und vor allem demokratischen Vordenker im Beisein von HTV-Präsident Norbert Kartmann (Butzbach), HTV-Ehrenpräsidnet Rolf-Dieter Beinhof (Gießen), Alt-Bürgermeister Ulrich Künz (Kirtorf), Pfarrer Walter Bernbeck und Volker Schneider, dem jetzigen Eigentümer, enthüllt.

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