Kirtorfer feiern großes Fest für Toleranz

Kirtorf (jol). Zwölf Jahre nach der großen Verbotsaktion zum Rechtsrock-Zentrum im Schweinestall ist das "braune" zum "bunten Kirtorf" geworden. Am Sonntag feierten jetzt über 100 Gäste den Ort der Begegnung an der Gleentalhalle.

Im Schatten eines Gingko-Baums, der auch als Symbol des Lebens gilt, lädt seit Kurzem eine Sitzgruppe zum Verweilen und Treffen ein. Der kleine Treffpunkt steht für ein Miteinander der unterschiedlichen Kulturen und wurde vom Aktionsbündnis gegen Rechtsextremismus Kirtorf gestaltet.

Abwechslungsreich verlief das Fest am neuen Begegnungsort. Der Männergesangverein zeigte sich stimmgewaltig, Schüler der Musikschule Klangstufe brachten internationale Popsongs zu Gehör und eine in Taiwan geborene Kirtorferin zeichnete mit schwarzer Tusche kunstvoll chinesische Schriftzeichen. So konnte man unter anderem das Symbol für das eigene Sternzeichen mit nach Hause nehmen.

Die Familieninitiative Kunterbunt bot Spiele an, Grundschüler hatten ein großes Bild der Welt gestaltet, das verschiedene Erdenkinder zeigte. Der Kurzfilm "Willi in Bolivien" warb für Respekt und das Kreisjugendparlament lud zur Luftballonaktion. Für Essen vom Grill sorgte die Burschenschaft, die ihre Räume in der Gleentalhalle hat. Gefördert wurde das Ganze aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben".

Über diese Kooperation der verschiedenen Einrichtungen zeigte sich Andreas Fey vom Bündnis überaus erfreut. Das Fest habe viel Unterstützung erfahren. Er verwies auf die Aktion des Bündnisses, einen neuen Namen zu finden. Man wolle zeigen, das man "für" etwas steht und nicht allein gegen Rechtsextremismus. Das Bündnis erinnerte an die bisherigen Aktivitäten mit einer kleinen Ausstellung in der Gleentalhalle.

Zeigen, wer hier wirklich lebt

Auch Harald Bartel, Erster Stadtrat und Vertreter der Stadt, blickte zurück. "In den 1990er Jahre hätte ein solches Fest nur unter Polizeischutz stattfinden können." Bis 2004 hatte ein Ortsbewohner regelmäßig Konzerte von rechtsextremen Bands ermöglicht. "Bis 2004 hatte Kirtorf traurige Berühmtheit als Zentrum für Menschen mit rechter Gesinnung", so Bartel. Die Vertreter der Stadt seien sehr froh gewesen, als sich eine Initiative gegründet hat, die zeigte, dass man "kein braunes Dorf ist". Die Akteure hätten gezeigt, wer wirklich in Kirtorf lebt.

Seit 2004 gebe es keine einschlägigen Treffen mehr, aber Menschen mit rechter Weltanschauung lebten weiter vor Ort. Das mache die Arbeit des Bündnisses so wichtig, weshalb es von der Stadt unterstützt wird. Gerade in Zeiten von Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte sei der Einsatz gegen Menschenverachtung hochaktuell. Positiv würdigte Magdalena Pitzer, Gleichstellungsbeauftragte des Vogelsbergkreises, das Einrichten des Orts der Begegnung. Es sei eine hervorragende Idee, den Treffpunkt mit Gingko-Baum zu schaffen.

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