Ministerin Priska Hinz (2. v. r.) am Infektions-Container im Gespräch über ärztliche Versorgung mit den Ärzten Michael Buff und Dr. Jörg Jewert sowie Bürgermeister Andreas Fey und Karsten Jost, Kirtorfer Höfe (v. r.). FOTO: JOL
+
Ministerin Priska Hinz (2. v. r.) am Infektions-Container im Gespräch über ärztliche Versorgung mit den Ärzten Michael Buff und Dr. Jörg Jewert sowie Bürgermeister Andreas Fey und Karsten Jost, Kirtorfer Höfe (v. r.). FOTO: JOL

Gemeinschaftspraxen sind "in"

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
    schließen

Gemeinschaftspraxen sind eine passende Antwort auf den Ärztemangel im ländlichen Raum. Das erfuhr Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz von den Kirtorfer Hausärzten Michael Buff und Dr. Jörg Jewert. Mit im Blick hatte man beim Besuch der Ministerin das geplante Gesundheitszentrum in den Kirtorfer Höfen, das mit hoher Landesförderung entsteht.

Wenn das Land ein Projekt fördert, möchte es auch einen Erfolg sehen, bestenfalls noch eine Übertragbarkeit des Vorhabens auf andere Regionen. Das Land unterstützt das Gesundheitszentrum Kirtorf mit einer hohen Förderung - davon machte sich kürzlich Staatsministerin Priska Hinz ein Bild. Und sie klopfte ab, inwieweit sich die Neukonzeption gesundheitlicher Versorgung auf dem Land auch andernorts aufbauen lässt. Im Gespräch machte Michael Buff von der Hausarztpraxis deutlich, "das können wir ansonsten nicht stemmen". So kostet beispielsweise aktuell ein Container für die Infektionssprechstunde viel Geld. Vor diesem Hintergrund ist die Anschubfinanzierung für das Gesundheitszentrum "Kirtorfer Höfe" unverzichtbar.

Kirtorfer Höfe sind ein Millionenprojekt

Wie berichtet, baut eine private Investorengruppe das neue Gesundheitszentrum auf einem Areal in der Ortsmitte gegenüber dem Rathaus. Dabei arbeitet man eng mit der Stadt und der Hausärztepraxis Gleen-Felda zusammen. Die Ministerin, in deren Ressort auch die Landwirtschaft fällt, ordnete das Gespräch mit den Ärzten Buff und Jewert sowie mit Bürgermeister Andreas Fey und Investoren-Vertreter Karsten Jost als sehr informativ ein. Auf der Sommertour informierte sich Hinz über Projekte, die für die Entwicklung der ländlichen Räume als Vorbild dienen. "Wir arbeiten aktuell an einem Aktionsplan für die ländlichen Räume. Unser Ziel ist es, dass die Menschen auch weiterhin gerne auf dem Land leben. Zahlreiche Kommunen in Hessen zeigen bereits, wie es gehen kann, und die Bürger vor Ort wissen genau, wie sie ihre Gemeinde weiterentwickeln möchten", sagte Hinz.

In Kirtorf sprach Hinz mit Hausarzt Buff unter anderem darüber, wie er Medizin-Studierende für den Beruf des Landarztes begeistern möchte. Spannend fand sie, wie eine Gemeinschaftspraxis auf dem Land funktioniert. Denn der Beruf des Hausarztes kann sehr zeitintensiv sein. Deshalb ist es für junge Ärzte wichtig, geregelte Arbeitszeiten zu haben. Mit anderen Medizinern geht das, auch die Bereitschaft am Wochenende ist dann gesichert. Dann ist es einfacher, den Studierenden zu zeigen, wie spannend der Beruf des Hausarztes auf dem Land ist. Buff berichtet von einem Trend hin zur Gemeinschaftspraxis, um die Arbeitsbelastung besser zu verteilen. Dabei ist die Ärzteversorgung eine Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung, "wenn es aber nicht so gut klappt, muss man sehen, ob man einen Anschub für neue Modelle bekommt".

Ein solches neues Modellprojekt sind die Kirtorfer Höfe. Eine Investorengruppe errichtet zwei Gebäude mit Arztpraxen, in denen Hausarzt und Facharzt moderne Bedingungen vorfinden. Dazu kommen Gesundheitsanbieter wie Apotheke, Krankengymnast und Sanitätshaus. Angrenzend saniert die Stadt zwei alte Fachwerkhäuser und baut eines neu, das wird zusammen die neue Kirtorfer Mitte.

Das Millionenprojekt wird vom Land stark unterstützt. Ministerin Hinz kann sich vorstellen, dass weitere Gesundheitszentren mit Landesförderung gebaut werden. "Das Land Hessen will im ländlichen Raum für eine gute Lebensqualität sorgen. Dazu gehört auch ein schneller und hochwertiger Zugang zu Einrichtungen der Gesundheitsversorgung." Die Attraktivität des Arztberufes auf dem Land und die Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals seien dabei besonders wichtig. Besonders wies Hinz auf das Projekts "Landpartie" des Sozialministeriums hin. Dadurch können Studierende ab dem 5. Semester Praktika bei Hausärzten in ländlichen Regionen absolvieren. Hinz sagte, "damit kann mit vielen Vorurteilen aufgeräumt werden, denn die Arbeit als Arzt auf dem Land ist vielseitiger als gedacht."

Durch das Engagement von Ärzten wie Michael Buff und Projekte wie "Landpartie" kann dem Nachwuchsmangel gegengesteuert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare