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Das kleine Kerlchen ist Elfriede Diegel sehr ans Herz gewachsen.

"Eine Handvoll Glück" ist mit Kater Felix eingezogen

Kirtorf (ks). Das quietschlebendige schwarze Knäuel weiß genau, wie es geht: es schlägt die winzigen Krallen in die Stoffhose seines Frauchens und hangelt sich blitzschnell in Richtung nächste Streicheleinheit: "Der macht mir noch die ganze Hose kaputt," kann Elfriede Diegel nur seufzen - aber dem Kätzchen doch nicht böse sein. Denn das ist seit kurzem der treue Begleiter der rüstigen alten Dame, die seit Herbst vergangenen Jahres im Kirtorfer Seniorenheim Haus am Gleenbach wohnt.

Der putzmuntere Geselle wird im ganzen Haus geschätzt, bestätigt Heimleiterin Carola Braika. Bereits frühzeitig habe sich das Haus dazu entschlossen, den Bewohnern das Halten von Tieren zu erlauben. "Wir hatten auch schon einen Kurzzeitpflegegast mit ebenfalls pflegebedürftiger Katze, die wir dann beide aufgenommen und versorgt haben." Ihren Schäferhund wollte Elfriede Diegel, die aus Gießen stammt und später in Ermenrod eine Heimat fand, aber nicht mitnehmen, er konnte im Verwandtenkreis untergebracht werden, wo schon eine Schäferhundrüdin vorhanden war. Die 85-Jährige war mit ihrem behinderten Sohn ins Heim gezogen, der vor einigen Wochen nach Krankheit verstorben ist. Der Schicksalsschlag, den einzigen Sohn zu verlieren, hat sie verständlicherweise sehr mitgenommen und der Schmerz darüber hätte sich vielleicht langfristig wie ein trüber Schleier aufs Gemüt gelegt, wenn nicht plötzlich diese "kleine Handvoll Glück" (Frau Diegel) hereinspaziert wäre: "Wenn man allein ist und keine näheren Verwandten mehr hat (Ehemann und ein Stiefsohn sind ebenfalls schon verstorben), "dann kriegen Sie wieder Mut, wenn sie so ein kleines Wesen sehen." Eigentlich hatte sie kein Tier mehr haben wollen, fühlte sich zu alt dafür, doch als sie den kleinen Kerl sah, war es um sie geschehen.

Und seitdem steht der Name von Kater Felix ganz offiziell auf der Bewohnertafel neben seinem Frauchen. Immer noch staunt sie, was der Vierbeiner so an Futter wegputzt, erst neulich habe eine Nichte "ein ganz leckeres mitgebracht". Das Fellpüschel hatte eine Mitarbeiterin des Hauses in Homberg gefunden, es mitgenommen, entwurmen lassen und aufgepäppelt. Da sie schon einige Katzen hat, nahm sie den Kleinen mit zur Arbeit und er ist seitdem nicht aus dem Haus wegzudenken. Er lässt sich sogar brav an der Leine führen, wenn Elfriede Diegel mit ihm spazieren geht. Alle Versuche, ihn zum Schlafen in seinem kuschligen Körbchen zu bewegen, schlugen aber fehl: Wenn sie morgens aufwacht, dann ziehen schon zwei Pfoten an ihren Haaren und Felix hat die Nacht wieder einmal in der Kuhle zwischen Wand und ihrem Bett verbracht. Den Trick, den Stuhl weiter weg zu stellen, damit Felix nicht ins Bett hüpfen kann, hat er schnell durchschaut und findet andere Absprungplätze: "Was soll’s, ich bin alt und kann es mir erlauben," kommentiert Elfriede Diegel trocken. Ansonsten frönt der kleine Kerl tagsüber seinem Spieltrieb, er "kegelt" mit leeren Mineralwasserflaschen, macht sich gern an Schuhen zu schaffen, tobt durch das Zimmer von Elfriede Diegel und bringt sie zum Lachen.

Sein Platz ist klar, wenn Elfriede Diegel gern vorne sitzt, um etwas zu plaudern, dann hat er sich bei ihrer Rückkehr schon vor der Tür postiert. . .

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