Für demokratischen Zusammenhalt

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Vor 80 Jahren brannte das Mobiliar der Synagoge Kirtorf auf dem Marktplatz und SA-Männer verwüsteten Häuser von jüdischen Ober-Gleenern. Daran erinnerte eine Veranstaltung des Aktionsbündnisses für Vielfalt im Kulturhaus Alte Synagoge Ober-Gleen mit Berichten, Geräuschen und Liedern. Hinweise auf die Rückkehr einer "völkischen" Sprache, die eine Ausgrenzung von Minderheiten möglich macht und das emotionale Lied "Donna, Donna" bewegten die Besucher.

Vor 80 Jahren brannte das Mobiliar der Synagoge Kirtorf auf dem Marktplatz und SA-Männer verwüsteten Häuser von jüdischen Ober-Gleenern. Daran erinnerte eine Veranstaltung des Aktionsbündnisses für Vielfalt im Kulturhaus Alte Synagoge Ober-Gleen mit Berichten, Geräuschen und Liedern. Hinweise auf die Rückkehr einer "völkischen" Sprache, die eine Ausgrenzung von Minderheiten möglich macht und das emotionale Lied "Donna, Donna" bewegten die Besucher.

Cynthia Lotz und Katja de Tullio-Depoi stellten die Alte Synagoge vor, die seit einem Jahr als Kulturhaus genutzt wird. Erbaut wurde sie 1874 mit einem angebauten Gemeindehaus. Damals lebten 58 Juden in Ober-Gleen, rund acht Prozent der Dorfbevölkerung. 1930 waren es noch 25 Personen. In Kirtorf wurde 1843 in einem Wohnhaus am Marktplatz eine Synagoge mit Schulraum und rituellem Bad eingerichtet.

1901 baute man ein Synagogengebäude am Alsfelder Tor. Die jüdische Gemeinde verfügte außerdem über Schule, rituelles Tauchbad und Friedhof. 1880 lebten 66 Juden in Kirtorf, 1930 noch 40 Menschen. Meist lebten die Menschen in den Dörfern friedlich miteinander, Juden kämpften als Soldaten im Ersten Weltkrieg mit, wie de Tullio-Depoi anfügte. 1933 begann das 3. Reich, in dem bald Menschen in "höherwertige" und "minderwertige" differenziert wurden, wie Jenny Wahl sagte. Als "volksschädigend" sahen die Nazis Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, Sozialhilfeempfänger und Alkoholkranke an. Als minderwertig wurden Sinti, Juden und Schwarze angesehen. Valdivielso meinte, diese Einteilung wurde "völkisch" genannt, ein Begriff, den heute Vertreter der AfD und der NPD propagierten.

Mit dem Gedicht "Reichspogromnacht" erinnerte man an eine Nacht der Grausamkeit und des Schreckens, in der viele Menschen litten. Um den 9. November 1938 wurden 400 Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben. Über 1400 Synagogen, Betstuben und Versammlungsräume sowie Tausende Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört.

Bogen zur Jetztzeit

Aus der Synagoge Ober-Gleen haben SA-Leute die Inneneinrichtung und Schriften zerstört. Auch an Häusern der jüdischen Familien vergriffen sich SA-Männer. In Kirtorf wurde die Synagoge demoliert, Ritualgegenstände und Einrichtung auf dem Marktplatz verbrannt. "Die jüdischen Kirtorfer haben sehr gelitten", bedauerte ein Zeitzeuge.

An 27 Opfer der Judenverfolgung erinnerten Abgeordnete des Kreisjugendparlaments. Sie verlasen die Namen der Getöteten und legten für jeden einen Erinnerungsstein auf das Fenstersims. Ein siebenarmiger Leuchter, die Menorah, wurde entzündet. Christiane Finking verlas das Gedicht "Wir sind ja trotz allem Menschen", das die Ausgrenzung der Juden einst thematisiert.

Der Frauenchor der evangelischen Kirchengemeinde sang das Lied "Donna, Donna", begleitet von Veronika Bloemers auf dem Klavier. Den Bogen zur Jetztzeit schlug man mit einem Ausschnitt aus einem Rechtsrock-Konzert 2004 im Schweinestall in Kirtorf. Ein Lied forderte zum Ermorden von Juden auf. Valdivielso erinnerte an verharmlosende Worte von AfD-Spitzenleuten zur deutschen Geschichte.

Helmut Gläser mahnte, alle müssten für die Untaten von einst "die historische Verantwortung" übernehmen.

Begrüßt wurde die Resolution von Vereinsvertretern und Stadtverordneten aus 2004 in Kirtorf, die sich eindeutig gegen rechte Hetze und Gewaltaufrufe richtet. Andreas Fey stellte sie noch einmal vor. Der kleine Chor um Veronika Bloemers sang zwei Lieder und alle stimmten "Shalom Chaverim" an. Mit dem Wunsch, sich für den demokratischen Zusammenhalt der Gesellschaft einzusetzen, schloss die Veranstaltung.

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