Überraschung

Andreas Fey wird Bürgermeister in Kirtorf

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In der CDU-Hochburg Kirtorf wird ein Mitglied der SPD-UWL-Fraktion als parteiloser Bewerber Nachfolger von Bürgermeister Ulrich Künz. FWG-CDU-Bewerber Karsten Jost kam auf 46,8 Prozent.

Als die ersten Ergebnisse einliefen und da schon Andreas Fey vorne lag, herrschte locker 20 Minuten lang andächtiges Schweigen im gut gefüllten Sitzungssaal des Rathauses. Das löste sich eigentlich erst, als gegen 19 Uhr das Wahlergebnis aus der Kernstadt den Trend bestätigte: Andreas Fey ist mit 53,2 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister in Kirtorf gewählt. Karsten Jost lag damit um 110 Stimmen hinter dem Sozialdemokraten, der als Unparteiischer angetreten ist. Das ist ein erstaunliches Ergebnis in der Großgemeinde, die seit über 42 Jahren von einem Christdemokraten unangefochten regiert wird, und wo die FWG-CDU im Stadtparlament über eine satte Mehrheit von 17 zu sechs Sitzen verfügt. Aber eine Bürgermeisterwahl ist eine Persönlichkeitswahl, und da hatte Andreas Fey knapp die Nase vorne.

Dabei lag Fey bereits um 18.22 Uhr nach Auszählen von vier Stadtteilen mit 53,7 % vorne. Die Entscheidung lieferte dann Kirtorf als größter Stadtteil, dafür mussten die gespannt wartenden Gäste im Rathaus bis gegen 19 Uhr ausharren.

Jost ahnte die Niederlage

Begeistert klatschten dann neben den örtlichen Roten auch Landrat Manfred Görig und die Homberger Bürgermeisterin Claudia Blum dem offenkundig erleichterten Fey zu. Der hatte die bangen Minuten des Wartens auf die Entscheidung in der Kernstadt Hand in Hand mit Ehefrau Gerda an einem Pfosten im stickigen Sitzungssaal des Rathauses gelehnt. Karsten Jost gratulierte dem Kontrahenten als einer der ersten. Kurz darauf meinte er, "ich habe bereits am Montag auf einer Ergebnis von 52 Prozent für Andreas Fey getippt", das Ergebnis sei nicht ganz überraschend. "Es ging um den Menschen Karsten Jost und seine Wählbarkeit", inhaltliche Fragen hätten im Wahlkampf keine bedeutende Rolle gespielt. Fey sagte in seiner ersten Stellungnahme besonderen Dank an die Bürger, die ihm ihr Vertrauen gegeben haben. Nun gehe es darum, "die Ärmel hochzukrempeln und als Teamplayer an die Arbeit zu gehen". Er betonte, dass es einen fairen Wahlkampf mit Jost gegeben habe, mit dem er sicher in den nächsten Jahren gut zusammenarbeiten werde.

Vorsteher Dieter Wössner gratulierte dem neuen Bürgermeister und meinte, der Wahlkampf sei für ihn eher zu freundschaftlich ausgetragen worden. Nach über 42 Jahren mit Bürgermeister Ulrich Künz sei die Stadt "sehr gut aufgestellt". Er überreichte Blumen an die Ehefrauen der Kandidaten, Gerda Fey und Sabine Jost.

Zäsur in der Geschichte Kirtorfs

Karsten Jost sagte in einer kurzen Ansprache, die Wahl sein ein Sieg der Demokratie. "Ich wünsche dir viel Glück, Andreas." Er hoffe auf stabile Gebühren. Ulrich Künz verwies besonders auf das gute Zusammenwirken der Kirtorfer Kommunalpolitik zwischen den Fraktionen von FWG-CDU und der SPD-UWL.

Landrat Manfred Görig meinte, die Wahl sei eine Zäsur in der Kirtorfer Geschichte nach über 42 Jahren mit Bürgermeister Künz. Er lobte mit Blick auf Künz, die Stadt sei "Dank dir gut aufgestellt". Gemündens Bürgermeister Lothar Bott hieß den "neuen Kollegen" im Kreis der Bürgermeister willkommen. Er freute sich, dass die Bürger eine Wahl hatten. Ralf Völzing sagte als Vorsitzender der FWG-CDU-Fraktion im Stadtparlament besonderen Dank an Jost für einen engagierten Wahlkampf. "Es ist eine herbe Niederlage, mit der wir nicht rechnen konnten." In den letzten Tagen habe er eine Stimmung erlebt, in der weiche Faktoren wie die Frage nach der Persönlichkeit "eher eine Rolle spielten als fachliche Qualifikationen". Er war sich sicher, "dass wir uns mit Andreas Fey arrangieren werden".

Heinrich Raab verwies für die SPD-UWL auf einen engagierten Wahlkampf ohne große Paukenschläge. Inhaltlich hätten Fey und Jost oft nah beieinander gelegen. Er betonte, das gute Miteinander im Stadtparlament brauche zwei Seiten, und das werde auch so bleiben.

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