Lob für Ärzteversorgung

Kirtorf (jol). Die Kirtorfer schätzen gute Ärzteversorgung, Läden und Handwerker sowie eine flinke Stadtverwaltung, vermissen dafür Bibliothek, mehr Gaststätten und Busverkehr in Nachbarorte. Das geht aus einer Bürgerbefragung hervor, die am Montag Bürgermeister Ulrich Künz und Hauptamtsleiter Holger Schindler vorstellten.

Licht und Schatten des Dorflebens werden in der selbst ausgewerteten Befragung gut zusammengefasst, jenseits von Schlagworten wie demografische Entwicklung. Gelobt wird die gute Nachbarschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl, aber auch die Anbindung an schnelle Datenleitungen.

Die Ergebnisse der Befragung sollen nun in den Plan für das neue Förderprogramm IKEK einfließen. Das ist der Nachfolger der Dorferneuerung und umfasst die ganze Gemeinde. Grundlage ist wie bisher ein Maßnahmenkatalog, der anhand der Wünsche der Befragten leichter erstellt werden kann. Ausgeteilt wurden 2800 Fragebögen, es kamen 14% oder 403 zurück. Da aber Künz davon ausgeht, dass die Fragebögen gemeinsam in den Haushalten ausgefüllt wurden, gibt er die Beteiligung von rund einem Drittel der 1200 Haushalt an.

Die Ergebnisse: 61% sehen gute bis sehr gute Einkaufsmöglichkeiten des täglichen Bedarfs, Kindergartenbetreuung wird zu 93% als gut bis sehr gut eingeschätzt, bei der Grundschule haben 88% einen guten Eindruck. Eine gute bis sehr gute ärztlicher Versorgung sehen 88%, bei der Seniorenbetreuung heben 73% den Daumen. Die Sauberkeit in den Orten halten nur 32% für negativ, bei Freizeitangeboten ist die Quote der Unzufriedenen bei 24 %.

Und 61% halten die Breitbandversorgung mindestens für gut. In allen Ortsteilen ist eine Datenrate von mindestens ein MBit drin, oft bis zu 16 MBit, so Schindler. Dabei sind zwei Dörfer per Richtfunk angeschlossen.

Die Bürger schätzen die Natur und Ruhe, gelobt wird auch die Nachbarschaft. Bei Verbesserungsvorschlägen steht die Busanbindung vorne, gefolgt von Einkaufsmöglichkeiten, Arbeitsplätzen und Gastronomie. Sparen könne man bei Dorfgemeinschaftshäusern. Einem Freund würden jedoch nur 47 % raten, nach Kirtorf zu ziehen, 35% sind da unsicher. Eine Mehrheit von 59% meint, die Bürger seien in der Pflicht, Aufgaben der Kommune freiwillig zu übernehmen. Klare Absagen erhielten Gebührenerhöhungen, um das Angebot der Stadt aufrecht zu erhalten.

Daraus schloss Künz, dass weiche Standortfaktoren, wie Nachbarschaft und Kultur eine wichtige Rolle für die Gemeinde spielen. Immerhin sei Kirtorf nicht so stark von Landflucht betroffen wie andere Vogelsberg-Gemeinden. Klar sei, dass die finanzielle Leistungsfähigkeit der Bürger ausgereizt sei. Er sah Unterstützung für den Vorstoß, leerstehende Häuser zu sanieren oder abzureißen, um attraktives Wohnen in Ortskernen zu ermöglichen.

Eventuell müsse es Zuschüsse für junge Leute geben, die Hofreiten wieder in Schuss bringen. Er sah auch einen Bedarf an Betreutem Wohnen in der Stadt, um Älteren eine Perspektive vor Ort zu bieten. Gut sei, dass es in Kirtorf ein großes Interesse der Bürger am Mitwirken gebe. "Die aktive Bürgerschaft bringt sich ein", das sei beim IKEK-Prozess wichtig.

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