Allein, zu zweit oder als Familie dürfen die Kirchen besucht werden. Am Ostersonntag gibt es dort für Kinder eine kleine Überraschung. FOTO: SF
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Allein, zu zweit oder als Familie dürfen die Kirchen besucht werden. Am Ostersonntag gibt es dort für Kinder eine kleine Überraschung. FOTO: SF

Keine Gottesdienste, aber…

  • vonJutta Schuett-Frank
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Mücke(sf). Menschen zusammenbringen, gemeinsam Musik machen, Begleitung bei Sorgen und Nöten bieten und vieles mehr - all das wollen die Kirchengemeinden natürlich auch und besonders in diesen kritischen Wochen anbieten. Wegen der Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus gelten dabei weitreichende Einschränkungen. Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen müssen ausfallen. Taufen, Trauungen, Konfirmationen und Jubiläumsfeiern müssen verschoben werden. Trauerfeiern können nur noch sehr eingeschränkt stattfinden.

Vielerorts wurde und wird nach Lösungen gesucht, wie kirchengemeindliches Leben in diesen Monaten aussehen kann. In den vier Orten der evangelischen Kirchengemeinde Nieder-Ohmen wurden dieser Tage Handzettel in alle Haushalte verteilt, in denen die Situation unter dem Titel "Kirche bei uns - in Zeiten von Corona" erörtert wird.

"Uns ist es wichtig, dass die Menschen in unseren Orten spüren, dass wir als Kirchengemeinde weiterhin für sie da sind", sagt Pfarrer Nils Schellhaas, der die Handzettel gemeinsam mit seiner Frau, die ebenfalls als Pfarrerin in der Kirchengemeinde tätig ist, verfasst hat. "Ostern ohne Gottesdienste, das gab es wohl seit der Christianisierung der Region noch nicht. Daher haben wir nach Formen gesucht, die Kar- und Ostertage auch als kirchliche Feiertage erlebbar zu machen", erläutert Pfarrerin Lea Schellhaas. "Wir versuchen, so viel wie möglich von den Ideen umzusetzen. Wir müssen dabei natürlich auch die behördlichen und kirchlichen Vorgaben beachten. Das ist ein zum Teil sehr schmerzlicher Verzicht, den wir alle in diesen Tagen in vielerlei Hinsicht erleben."

Mitmachen beim Balkonsingen

Seit Beginn der Corona-Krise hierzulande hat man in der Kirchengemeinde nach Möglichkeiten gesucht, weiterhin Gemeinschaft und Glaube erfahrbar zu machen. Man gründete einen Kreis von Freiwilligen, die Hilfsbedürftige während der Corona-Krise bei Einkaufsfahrten und anderen Erledigungen unterstützen können. Ebenso schloss man sich der Einladung der evangelischen Kirche in Deutschland zum "19-Uhr-Balkonsingen" an. Zur Abendstunde singt oder musiziert man "Der Mond ist aufgegangen".

Die alten Liedstrophen würden in vielfältiger Weise an die gegenwärtige Situation erinnern. Ab Palmsonntag soll von allen Gotteshäusern der Kirchengemeinde während der Corona-Krise zusätzlich um 19.30 Uhr die Gebetsglocke läuten. Sie soll dazu einladen, ein Licht ins Fenster zu stellen und "betend an alle zu denken, die es in dieser schwierigen Situation besonders schwer haben".

Weil keine Gottesdienste stattfinden können, läutet sonntags die Gebetsglocke um 11 Uhr. Das tägliche Läuten um 19.30 Uhr wurde von der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, dem Bistum Limburg und dem Bistum Mainz empfohlen. Auch das sonntägliche Läuten um 11 Uhr ist ein ökumenischer Vorschlag. Von 11 bis 18 Uhr sind sonn- und feiertags die Kirchen in Atzenhain, Bernsfeld, Nieder-Ohmen und Wettsaasen geöffnet. Dort liegen Gebets- und Andachtstexte, aktuelle Informationen sowie Materialien für Familien mit Kindern aus.

Die Kirchengemeinde weist darauf hin, dass sich im Moment in den Kirchen nach den geltenden Regelungen nur höchstens zwei Personen gleichzeitig (Sicherheitsabstand mindestens 1,5 Meter) oder eine in einer Wohnung zusammenlebende Familie aufhalten dürfen. Zu den Kar- und Ostertagen sollen die Gotteshäuser der Kirchengemeinde passend geschmückt werden. Am Sonntag können kleine Osterlichter in der Kirche mitgenommen werden, und für die noch ganz jungen Kirchenbesucher wird es auch eine kleine Überraschung geben.

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