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Die Holzpreise sind explodiert.

»Keine Dachlatte zu bekommen«

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Wie kann das sein? Während sich im Wald reichlich eingeschlagenes Holz türmt, beklagen holzverarbeitende Betriebe wie Zimmerer, Tischler und Schreiner einen Holzmangel. Die Preise seien regelrecht expodiert. Zimmerer- Obermeister Clemens Schneider sieht massive Probleme auf seine Branche zukommen: »Das ist erst der Anfang.«

Das gab es noch nie, heißt es in der Branche. Innerhalb von wenigen Monaten seien die Preise für Holz um bis zu 40 Prozent gestiegen. Das liege vor allem daran, dass der Export nach China und vor allem in die USA extrem angestiegen ist. Von dort werde der Markt regelrecht leer-gekauft. Doch es gibt noch andere Ursachen.

Eigentlich dürfte es keinen Mangel geben. Es gibt wegen des Borkenkäfers und nach Stürmen sehr viel Holz auf dem Markt, die Preise verfielen im vergangenen Jahr. Doch nun fehlt der Werkstoff, wie er gerade in der Baubranche in vielen Formen gebraucht wird. Die Preise sind deshalb um teilweise bis zu 40 Prozent gestiegen, so ist Fichtenholz in den USA sehr beliebt. Aber auch aus China sei die Nachfrage enorm.

Darüber hinaus setzt die Corona-Krise den Firmen zu. Sie fördert einerseits den Bau- und Selbermach-Boom und heizt die Nachfrage so weiter an. Sie bringt aber teilweise wegen der Auflagen oder möglicher Quarantänen bei Mitarbeitern gerade für kleinere Firmen Probleme bei der Arbeitsorganisation.

An der Arbeit mangelt es meistens nicht. Die Auftragsbücher sind bei Zimmerern und Tischlern auch im Landkreis voll. Doch der Mangel an Holz und die steigenden Preise stellen viele Betriebe zunehmend vor Probleme. »Was seit Januar bei den Preisen passiert ist, das ist der blanke Wahnsinn,« benennt Obermeister Clemens Schneider die Lage.

Sein Beispiel: Kostete eine herkömmliche Dachlatte im vergangenen Jahr um die 80 Cent, so sind es jetzt bis zu zwei Euro fünfzig. »Aber wenn es am Markt keine Dachlatte gibt, dann können Sie die Baustelle nicht besetzen.« Oder es läuft nicht weiter, weil die Vorarbeiten wegen fehlender Bretter nicht zu Ende gebracht werden können.

Schneider hält es für wahrscheinlich, dass einige holzverarbeitende Betriebe im Laufe diesen Jahres Kurzarbeit anmelden müssen. Denn die Kosten laufen weiter, zudem komme man aus festen Verträgen nicht raus. Das freut zumindest Bauherren, die sich auf eine gewisse Preisgarantie verlassen können, wenn der Vertrag frühzeitig geschlossen worden ist. Manchmal sagt aber ein Bauherr ab: »Dann sitzt der Zimmerer auf dem Material, das er schon eingekauft hat.«

Schneider sieht den Export von Holz eher als »Nebenkriegsschauplatz«. Gravierender mache sich bemerkbar, dass wegen des angestrebten Waldumbaus in Zeiten des Klimawandels Douglasie oder Lärche, aber auch gesunde Fichten nicht mehr eingeschlagen werden dürften.

Das gelte auch in Nachbarländern wie Österreich, »die uns jetzt sogar das minderwertige Käferholz absaugen«. Er weiß von einem Fall in Südhessen, wo ein Betrieb 500 000 Euro Vertragsstrafe zahlen musste, weil er nach einem Einschlagsstopp nicht mehr an Douglasienholz kam. Zudem nutzten große Sägewerke die Lage und hätten die Preise deutlich erhöht. Und wer keine guten langfristigen Kontakte zu einem Großhändler hat, der könnte jetzt auch in die Röhre schauen. »Der Druck kommt momentan aus allen Himmelsrichtungen«, so Schneider.

Die Probleme führten dazu, dass sich mancherorts die Gesellen schon verabschieden. Im Betrieb von Schneider in Herbstein kann er nach seinen Worten noch »ein bisschen jonglieren.« Es reiche bis zum Sommer, »dann gehen wir wohl auch in Kurzarbeit«.

Er sieht derzeit kaum einen Hoffnungsschimmer: »Das ist ein Flächenbrand von allen Seiten.« Mancher Betrieb wird es nicht packen, so lautet seine Befürchtung.

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