Die alte Deponie Mücke ist geschlossen, eine Nutzung für einen Solarpark ist aber aktuell wegen der Altlasten im Untergrund nicht möglich. FOTO: JOL
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Die alte Deponie Mücke ist geschlossen, eine Nutzung für einen Solarpark ist aber aktuell wegen der Altlasten im Untergrund nicht möglich. FOTO: JOL

Kein Strom vom alten Müllberg

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Es wäre so praktisch gewesen - eine Fotovoltaikanlage auf dem begrünten Berg der alten Kreis-Mülldeponie in Nieder-Ohmen. Das hatten die Grünen vorgeschlagen. Doch eine Prüfung hat inzwischen ergeben, dass der Untergrund noch arbeitet. Deshalb wird aus dem Projekt erst einmal nichts.

Aus der Traum von der umweltfreundlichen Stromproduktion auf dem Müllberg der früheren Kreisabfalldeponie in Mücke. Der Untergrund ist nicht geeignet für eine geplante Fotovoltaikanlage, wie sich inzwischen herausgestellt hat. Von zu viel Ausgasungen des vergrabenen Mülls und von Setzungen im Untergrund spricht der neue Vorsteher des Abfallverbands ZAV, Dieter Boß, auf Anfrage. In der jüngsten Sitzung der Versammlung des Abfallzweckverbands hatte Ulf-Immo Bovensmann (Freie Wähler) aus Mücke nachgefragt, weshalb die Pläne für eine Fotovoltaikanlage auf der Altdeponie aufgegeben werden mussten. ZAV-Sprecher Boß verwies darauf, dass eine solche Anlage vom Regierungspräsidium Gießen genehmigt werden muss.

Das sei wegen der Bodenbeschaffenheit auf der alten Deponie nicht in Sicht. Wenn Pfosten für die Fotovoltaikmodule in die Oberfläche gerammt werden, würde die Abdeckfolie über dem Deponiekörper beschädigt. Erst wenn ein Fachbüro grünes Licht gibt, kann die FV-Anlage errichtet werden.

Bürgermeister Andreas Sommer berichtete von einem gemeinsamen Gespräch mit Vertretern des Energieversorgers OVAG und der Energiegenossenschaft Vogelsberg, die Betreiber der PV-Anlage werden wollten. Dabei waren auch Mitarbeiter des Abfallverbands ZAV, der Gemeinde und des RP Gießen. Beim Regierungspräsidium ist die Abteilung Umwelt zuständig.

Der Vertreter der Gießener Behörde machte deutlich, dass der Deponiekörper sich auch Jahrzehnte nach der Schließung "noch in der Nachsorgephase befindet".

Gegebenenfalls sind bauliche und technische Anpassungen nötig, die beim Bau einer Fotovoltaikanlage "voll von einem potenziellen Betreiber zu tragen wären". Zudem werden umfangreiche Prüf- und Planungsunterlagen gefordert, um eine Fotovoltaikanlage betreiben zu können.

Aufgrund des Teilregionalplans Energie Mittelhessen hat der ZAV einer Errichtung grundsätzlich zugestimmt, dies jedoch nur bei einer Genehmigung durch das RP. Die weitgehenden finanziellen Forderungen und Auflagen werden die Betreiber nun wohl nicht tragen können, wie Sommer schätzt. Die Deponie Mücke ist 1987 geschlossen worden, erinnert sich Dr. Hans Heuser (CDU), der Mitglied der ZAV-Versammlung ist.

Damals ging am Bastwald bei Brauerschwend ein Nachfolger in Betrieb. Im Sommer vergangenen Jahres hatten die Mücker Grünen in der Gemeindevertretung angeregt, die sanierte Deponiefläche für Fotovoltaik zu nutzen. Andere Planungen sind noch älter. Bereits 1992 hatte man geprüft, ob das Deponiegas in Strom umgewandelt werden kann. Doch daraus wurde nichts, weil giftige Furane ausströmten. Deshalb konnte das Gas nicht sicher aufbereitet und verbrannt werden. Die Gemeindeverwaltung hat wegen einer Nutzung für eine Fotovoltaikanlage mögliche Investoren angesprochen. Am Ende sollte die Energiegenossenschaft Vogelsberg (EGV) in Kooperation mit der OVAG Energie AG zum Zuge kommen.

Auf dem rund 84 000 Quadratmeter großen Areal wurde eine Anlage mit einer Gesamtleistung von rund 2,5 Megawatt Spitzenleistung geplant. Daraus sollten für die Gemeinde jährliche Pachteinnahmen von mehreren Tausend Euro resultieren. Vorgesehen war auch eine Bürgerbeteiligung über die Genossenschaft.

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