Kreislandwirt Andreas Kornmann hofft auf ein schnelles Ende der Probleme für Züchter durch die Schweinepest. FOTO: JOL
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Kreislandwirt Andreas Kornmann hofft auf ein schnelles Ende der Probleme für Züchter durch die Schweinepest. FOTO: JOL

Katastrophe für Schweinezüchter

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Erst Corona, dann die Schweinepest - Landwirte mit Schweinen haben es aktuell nicht leicht. Für Kreislandwirt Andreas Kornmann ist es "eine Katastrophe". Die Preise sind so gesunken, dass kein Spielraum für Investitionen in das Tierwohl bleibt.

Schweinehalter sind im Dauerstress, erst durch Corona-Infektionen in Schlachthöfen und nun kommt die Schweinepest hinzu. Das trifft auch Landwirte im Vogelsberg hart, wie Kreislandwirt Andreas Kornmann sagt. "Es ist eine katastrophale Situation, wie ich sie noch nie erlebt habe", sagt der Schweinezüchter aus Romrod-Zell.

Besonderes Kopfzerbrechen bereitet der niedrige Preis. Für ein 25 Kilogramm schweres Ferkel erhält man zurzeit 27 Euro. Ein halbes Jahr zuvor waren es noch 83 Euro. "Allein für das Futter muss man 20 Euro rechnen, dazukommen noch Strom, Abschreibungen auf einen Stallbau und am Ende der Gewinn", rechnet Kornmann vor.

Bei den Schlachtpreisen für das ausgewachsene Tier sieht es ebenso düster aus. Binnen einer Woche ist der Kilogrammpreis von 1,47 auf 1,27 Euro gefallen. Bei einem Tier von 100 Kilogramm "sind das 20 Euro weniger pro Schwein, das ist enorm viel Geld", sagt Kornmann weiter.

Hintergrund des Preisverfalls ist der Ausbruch der Schweinepest, einer für den Menschen unbedenklichen Erkrankung, die tödlich für Borstenviecher verläuft. Vor wenigen Tagen wurde ein Wildschwein in Brandenburg aufgefunden, das an der Seuche gestorben ist. Der betreffende Bereich wurde weiträumig eingezäunt und die Jagd untersagt. Damit will man vermeiden, dass Wildschweine aufgeschreckt werden und in andere Regionen flüchten. Das würde den Erreger verbreiten.

Die Nachricht vom Überschwappen der Schweinepest führt schnell dazu, dass Südkorea, China und Japan einen Importstopp für Schweinefleisch aus der gesamten Bundesrepublik verhängen. Dabei geht es um Füße, Ohren und Schwänzchen, die in Asien gerne gegessen werden. Ohne diese Exporte bringt ein Schlachttier weniger ein. Den Verlust "geben die Schlacht-unternehmen eins zu eins an die Landwirte weiter", erläutert Kornmann.

Die Züchter haben aber keine Alternative zum Verkauf. Denn die Tragezeit einer Sau beträgt fast vier Monate. Um keine Schlachtschweine mehr zu haben, muss man vier Monate vorher umsteuern. Aber von was sollen die Landwirte und ihre Familien leben?

Hinzukommt der Strukturwandel bei Schweinezüchtern. Um den Tieren bessere Lebensbedingungen zu bieten, müssen die Betriebe umrüsten. So hat Kornmann bereits ein teures Narkosegerät für die Kastration von Ferkeln angeschafft, damit die bisherige Praxis ohne Betäubung beendet werden kann. Zum Tierwohl gehört auch, dass Muttersauen künftig mehr Bewegungsfreiheit haben sollen. Die Unterbringung im engen Stand aus Stahlrohren zum Schutz der Ferkel wird nicht mehr zulässig sein. Das bedeutet für die Familie Kornmann, einen Abferkelstall zu bauen. Dort haben die Muttersauen eine Bewegungsbucht von 6,5 Quadratmetern. "Die Landwirte würden gerne in Tierwohl investieren, denn nur gesunde Tiere bringen Leistung", aber bei diesen Preisen könne man nicht investieren.

Preisverfall und die unsichere Zukunft würden besonders die kleineren Betriebe wie diejenigen im Vogelsbergkreis treffen, erläutert Kornmann. Die Familienbetriebe haben weniger Reserven als die Großmäster. Er befürchtet, dass noch mehr Landwirte aufgeben. Das würde bedeuten, dass noch mehr Schweinefleisch nach Hessen importiert wird, aus anderen Teilen der Republik, aber auch aus Dänemark und den Niederlanden.

Die Hoffnung ist, dass die Schweinepest bald wieder aus Deutschland verschwindet. Immerhin sind die Ställe gut gesichert. Biobauern haben es dabei schwerer, weil ihre Tiere Auslauf im Freien haben sollen. Dann braucht man doppelte Zäune, was aufwendig ist. Kornmann hofft auf Liquiditätshilfen vom Staat für Landwirte, um besser durch die Krise zu kommen.

Da ist ebenso Unterstützung durch Handel und Verbraucher nötig. "Es braucht mehr Wertschätzung für Lebensmittel", wenn man sie billigst anbietet, "muss das jemand zahlen". Oft sind das die Landwirte, sagt Kornmann. Tierwohl gebe es nicht zum Nulltarif, es brauche "anständige Angebote in den Geschäften". Wenn das funktioniert, habe die Branche eine Zukunft.

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