Sollen Gardekostüme von Faschingsvereinen von der Gemeinde bezuschusst werden? Darüber gibt es eine kontroverse Debatte in der Gemeindevertretung. FOTO: ARCHIV
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Sollen Gardekostüme von Faschingsvereinen von der Gemeinde bezuschusst werden? Darüber gibt es eine kontroverse Debatte in der Gemeindevertretung. FOTO: ARCHIV

Was kann Gemeinde fördern?

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Vereine fördern - das klingt einfach. Und wenn man dazu Richtlinien hat, ist alles klar. Es sei denn, man will die Richtlinien verbessern. Dann kann es zum Politikum werden. Und kompliziert wird es, wenn Vereine eine Änderung anstoßen und im Entwurf sehen, dass sich für sie kaum etwas ändert. In Mücke wird sich nach Ausschüssen am Mittwoch die Gemeindevertretung damit befassen.

Vereine liegen Kommunalpolitikern am Herzen. Denn Vereine leisten Jugendarbeit, bieten Sport und Bewegung, stehen für ein breites kulturelles Angebot und letztlich auch für Sicherheit, wenn man an Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen denkt. Da liegt es nahe, die Vereine mit öffentlichen Mitteln zu unterstützen. Das muss dann gerecht zugehen. In diesem Sinne wurden in Mücke die seitherigen Förderrichtlinien als nicht mehr zeitgemäß eingeordnet.

Anlass für eine Änderung war für die Verwaltung, dass die alte Fassung begrifflich zu sehr auf Sport ausgerichtet ist. So hatte es Bürgermeister Andreas Sommer beispielsweise in einer Sitzung des Jugendausschusses erläutert. Faschings- sowie Obst- und Gartenbauvereinen hätten sich nicht überall berücksichtigt gefühlt. Zur Neufassung der Vereinsförderrichtlinien hatte die Koalition aus SPD und FW eine eigene Version eingebracht. Bürgermeister Andreas Sommer fragte im Ausschuss nach, warum darin Gesangvereine gesondert genannt und gefördert würden. Dazu erläuterte Ottmar Traum (SPD), Gesangvereine hätten einen Dirigenten zu finanzieren, das wolle man fördern. Sommer wies auch darauf hin, dass Kleidung als nicht förderfähig eingestuft werde. Das treffe dann Faschingsvereine, die darin ein Hauptargument für eine Änderung der Richtlinien gesehen hätten. Und er wies darauf hin, dass drei Vereine in diesem Sinne nachgefragt hätten.

Zuschüsse für Gesangvereine

Im Haupt- und Finanzausschuss erläuterte für die Koalition Günter Zeuner (FW) die alte Form der Satzung sei behalten worden, es seien nur die neuen Ideen, auch die der Verwaltung, eingearbeitet worden. Inhaltliche Veränderung sei die Höhe des Kinderzuschuss von vier auf fünf Euro, Verbrauchsmaterialien würden nicht gefördert, nur Anschaffungen. Zu der Förderung der Gesangvereine sagte er, viele Vereine hätten mehr Ehrenmitglieder als Aktive, und für den verbliebenen Rest sei das Bezahlen des Dirigenten ein erheblicher Aufwand. Man sehe die Gesangvereine als kulturelle Träger, von denen man oft nicht wisse, wie lange es sie noch gebe. Der Zuschuss für Noten sei rausgenommen, das müsse unter allgemeine Zuschüsse fallen.

Bürgermeister Sommer warnte vor den expliziten Formulierungen wie Bekleidung, das schränke zu sehr ein. Das könne man auch dem Gemeindevorstand überlassen. Zeuner wandte sich strikt gegen das Streichen von Bekleidung, dann kämen die Sportvereine wegen Trikots. Die Tanzgruppen seien schließlich auch überwiegend Jugendliche, würden somit gefördert. Außerdem gebe es genügend Zuschüsse über Firmen. Es sei ihm nicht bekannt, dass Faschingsvereine schon mal wegen Zuschüssen zu Gardekostümen an die Gemeinde herangetreten seien.

Zeuner blieb bei seiner Meinung, auch wenn er preisgab, dass er in der Faschingszeit schon mal als versteckter Mann bei einer Garde mitgewirkt habe.

Die CDU wird laut einer Pressemitteilung am Mittwoch beantragen, den Zuschuss für jedes Kind und jeden Jugendlichen auf sechs Euro aufzustocken. Auch die Höhe der Zuschüsse für die bauliche Unterhaltung der Sportanlagen soll nach Meinung der CDU aufgestockt werden, wobei über die einzelnen Beträge in den Richtlinien noch einmal gesprochen werden müsse.

Als "völlig unverständlich und kontraproduktiv" ordnet die CDU die Formulierung von SPD/FW ein, "nicht förderfähig sind Verbrauchsmaterialien und Kleidung". Es ist nach Ansicht der CDU sehr unpassend, wenn bei der Beschlussfassung am Mittwoch die Karnevalsvereine von der Förderung der Bekleidung zum Beispiel der Tanzgarden von Kindern und Jugendli-chen ausgeschlossen werden sollen.

Außerdem wird die CDU am Mittwochabend einen Antrag einbringen, der Zum Inhalt hat, dass die gemeindliche Vereinsförderung auf die S eniorenabteilungen der Vereine ausgeweitet wird.

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