Erdarbeiten für die Autobahntrasse der A 49 an der Landstraße von Homberg nach Appenrod (hinten). Die Erdarbeiten machen die Verkehrsführung für die Anschlussstelle deutlich. FOTO: ANDREAS PURR
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Erdarbeiten für die Autobahntrasse der A 49 an der Landstraße von Homberg nach Appenrod (hinten). Die Erdarbeiten machen die Verkehrsführung für die Anschlussstelle deutlich. FOTO: ANDREAS PURR

"Kampf um Danni kann Wende sein"

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Homberg(pm). Zur Räumung des Dannenröder Waldes haben die Vogelsberger Grünen ihren Standpunkt bekräftigt: "Die A 49 ist ein verkehrspolitisches Fossil, fußend auf einer überholten Planung, das nicht weitergebaut werden darf."

Der Widerstand gegen diese Maßnahme, den friedliche Aktivisten, Naturschützer, Menschen aus den Nachbardörfern, Grüne und Linke aus der Region und mittlerweile aus ganz Deutschland organisiert hätten, habe den Dannenröder Wald zu einem Symbol für die längst überfällige Wende in der Klimapolitik gemacht, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreisverbandes. Dieser Widerstand zeige auf, dass es immer noch an Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels und die Notwendigkeit einer Verkehrswende mangele. "In den Parlamenten fehlen weiterhin politische Mehrheiten, die sich ernsthaft und entschieden für die Umsetzung der notwendigen Veränderungen einsetzen", bedauert Gabriele Szepanski, Sprecherin des Grünen-Kreisverbands Vogelsberg.

Dies mussten auch die hessischen Grünen spüren. Nach der vergangenen Landtagswahl seien sie mangels eigener Mehrheit vor die Frage gestellt worden, ob sie in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU die angestrebten Fortschritte auf Landesebene in den Bereichen Öffentlicher Nahverkehr, Klimaschutz, Gewässerschutz, Energieerzeugung und naturschutzgerechte Umstellung der Waldbewirtschaftung im hessischen Staatswald opfern sollten, um ihren Widerstand gegen den Weiterbau der A 49 zu demonstrieren.

"Klar war, dass im Landtag keine Mehrheit gegen den Weiterbau der A 49 existierte. Linke und Grüne standen und stehen hier gegen eine deutliche Mehrheit aus CDU, SPD, FDP und AFD, die sich alle klar für die A 49 ausgesprochen haben", stellt Dr. Udo Ornik, Vorsitzender der Grünen-Kreistagsfraktion, fest. "Immerhin gelang es im letzten Jahr, die Rodungen um ein Jahr zu verschieben, sodass sich der Widerstand in dieser Zeit formieren konnte. Doch nun verkürzt sich die politische Aus-einandersetzung darauf, ob ein Grüner Minister mit schätzungsweise 20 Prozent der Wählerstimmen diesen Irrsinn stoppen kann."

Die Aktionen am Dannenröder Wald sollten sich nach Auffassung der Vogelsberger Grünen stattdessen darauf konzentrieren, die Mehrheitsbasis für eine Verkehrswende und für Klimaschutz deutlich zu verbreitern. Die Grünen in diesem Zusammenhang als Gegner zu behandeln, sei der falsche Weg.

"Fortschritte lassen sich nur erzielen", so meinen Udo Ornik und Gabriele Szepanski, "wenn sich die Bewegung nicht spalten lässt in gute und schlechte Klimaschützer, sondern gemeinsam daran arbeitet, deutlich stärker zu werden. Im Parlament, im Wald und auf der Straße. Die Grünen der Regionen Vogelsberg, Gießen und Marburg unterstützen die Aktivistinnen und Aktivisten."

Der Kreisverband rät zu mehr Selbstbewusstsein, denn nur die Grünen hätten diese Fragen schon seit vielen Jahrzehnten gestellt, hätten von Anfang an das A 49-Projekt abgelehnt und im Sommer letzten Jahres vor den Folgen der Rodung gewarnt.

Grüne sehen mit A 49 keinen Aufschwung

Die Vogelsberger Grünen sind der Meinung, dass die Menschen in der Region getäuscht werden mit dem Versprechen von Verkehrsentlastung; tatsächlich werde die A 49 möglicherweise weniger Entlastung bringen als erhofft und gleichzeitig zu höherer Belastung anderer Menschen führen.

"Die Menschen werden getäuscht mit der Mär von wirtschaftlichem Wachstum, das andernorts trotz guter Autobahnanbindungen bisher auch nicht eingetreten ist. Sie werden getäuscht mit dem Versprechen von Ausgleichsmaßnahmen, die nur auf dem Papier stehen und die, auch wenn sie umgesetzt werden, den Schaden, der angerichtet wurde, erst in vielen Jahrzehnten wieder gutmachen können. Und sie werden getäuscht durch die Ausweisungen von Schutzgebieten, die bei Bedarf einfach wieder aufgehoben werden können. Alle diese Probleme werden jetzt deutlich", legt Fraktionsvorsitzender Udo Ornik dar.

"Wir wenden uns mit einer eindringlichen Mahnung an all die Betonköpfe in CDU, SPD und FDP. Sie sollten endlich verstehen, dass der Preis zu hoch ist, den wir am Ende alle, vor allem jedoch unsere Kinder und Enkelkinder, zahlen müssen, wenn sie nicht bald bereit sind, deutlichen Schritten gegen den Klimawandel zuzustimmen", appellieren die Grünen.

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