Jutta Beyer zusammen mit ihren Söhnen Andreas (l.) und Norbert. FOTO: EVA
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Jutta Beyer zusammen mit ihren Söhnen Andreas (l.) und Norbert. FOTO: EVA

Jutta Beyer feiert 90. Geburtstag

  • vonHannelore Diegel
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Homberg-Büßfeld(eva). "Ich möchte noch solange es geht selbstständig bleiben", sagte Jutta Beyer, die am Mittwoch bei bester Gesundheit und guter Laune im Vereinsheim der Tischtennisgemeinschaft (TTG) in Büßfeld ihren 90. Geburtstag feierte. Rund 40 Jahre lang sei sie im Tischtennisverein "Mädchen für alles gewesen", erzählt sie und bedauert, dass sie diese Tätigkeiten, die ihr immer Spaß gemacht hätten, aus Altersgründen habe aufgeben müssen.

Über Jahrzehnte war sie bei der Stadt Homberg beschäftigt und kümmerte sich in Büßfeld um die Pflege des Kindergartengeländes und des Dorfgrabens sowie um die Reinigung der Tischtennishalle nach deren Benutzung durch den benachbarten Kindergarten. Nur ungern habe sie Ende letzten Jahres diese Tätigkeiten, die sie immer gerne gemacht habe, aufgegeben.

Am 2. September 1930 in Danzig geboren, lebte Jutta Beyer bis kurz vor Ende des Krieges 1945 in Pommerns Großstadt, wo sie auch die Schule besucht hatte und konfirmiert worden war.

Jutta Beyer erzählt, dass ihre Mutter noch kurz vor Kriegsende im Januar 1945 zur Flucht in den Westen und vor den nahenden russischen Truppen, zum Glück vergeblich versucht habe, für sich und ihre drei Kinder einen Platz auf dem Fahrgastschiff "Wilhelm Gustloff" zu bekommen. "So wurde unser Leben gerettet", sagt die Jubilarin, da ja bekanntlich die "Wilhelm Gustloff" auf dem Weg nach Kiel von sowjetischen Torpedos getroffen wurde und mit mehreren Tausend Flüchtlingen an Bord sank.

Nach einigen unschönen Erlebnissen mit russischen Soldaten wurden sie schließlich aus Danzig vertrieben und waren über Monate auf der Flucht, bis sie schließlich über Berlin in die Hansestadt Demmin in Mecklenburg kamen und dort auf einem Gutshof, auf dem sie auch arbeiteten, lebten. Mit "einigen jungen Leuten" habe sie dann 1949 die Flucht in den Westen gewagt, wo sie dann schließlich über Gießen nach Büßfeld gelangte. Dort war Jutta Beyer dann im Gehöft Konrad Weber in der Landwirtschaft tätig, bis sie ihren aus dem Sudetenland stammenden Mann Edmund kennenlernte und 1952 heiratete. 1952 wurde auch Sohn Norbert und 1962 Sohn Andreas geboren und mit einem eigenen Haus, in dem Jutta Beyer nach dem Tode ihres Mannes 1993 bis heute noch alleine und selbstständig lebt, wurde Büßfeld zur zweiten Heimat für die Jubilarin.

Vor zwei Jahren war Jutta Beyer nochmals in Danzig und sie erzählt, dass sowohl das Haus, in dem sie einmal gewohnt hatte, als auch "ihre" Schule und die Kirche, in der sie konfirmiert wurde, noch da seien.

Sie sei immer gerne gewandert, sagt die Jubilarin, und sie gehe auch heute noch täglich zweimal spazieren "das hält mich fit". Jutta Beyer ist Mitglied im Tischtennisverein, bei den Landfrauen und im Heimatverein sowie im DRK, dem Förderverein der Diakoniestation Ohm-Felda und auch im Alsfelder Tierschutzverein.

"Da das TTG-Vereinsheim beim Kindergarten ist, habe ich auch immer nahen Kontakt mit den dortigen Kindern gehabt", konstatiert Jutta Beyer, die es sich auch zur Aufgabe gemacht hat, andere ältere Menschen in Büßfeld regelmäßig zu besuchen.

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