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Jungunternehmer Florian Kratz verfügt glücklicherweise auch über handwerkliche Fähigkeiten, die ohne direkten Kundenkontakt zu leisten sind.

Jungunternehmer trotzt der Krise

  • vonJutta Schuett-Frank
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Geschäft schließen in der Corona-Krise - das müssen viele Unternehmer. Sie trifft es besonders hart. Und die, die noch einen Teil ihrer Leistungen anbieten können, müssen kreativ und flexibel sein. Ein Beispiel ist der Raumausstattermeister Florian Kratz. Erst vor sechs Jahren hat er in den Räumen seiner Großmutter begonnen.

Im Jahre 2015 startete ein Jungunternehmen in Mücke in die Selbstständigkeit. Florian Kratz war Anfang 20. Er ist gelernter Raumausstatter und die Lehre hat er damals als Bester seines Gewerks abgeschlossen. Dann legte er noch seine Meisterprüfung ab, krempelte die Ärmel hoch und legte vom Standort Ruppertenrod aus los.

Für alles, was im Haus schöner gestaltet werden kann, bietet er seine Dienste an, angefangen beim Fußbodenbelag, über das Gestalten der Wände bis zu Gardinen und Polsterarbeiten. Auch der passende Sonnenschutz ist im Programm. Ganz besonders ist sein Wäscheservice für Gardinen.

Seine Großmutter hatte ihm zu Beginn die ersten Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt und mittlerweile ist sein kleines Unternehmen gewachsen. Am Hainerberg ist nun sein großer Ausstellungsraum; 2018 stellte der Jungunternehmer bereits einen Mitarbeiter ein. Aktuell sind noch zwei Gesellen und ein Auszubildender angestellt. Zudem werden zeitweise Aushilfen gebraucht und im August 2021 soll ein zweiter Auszubildender den Beruf des Raumausstatters lernen.

Das wirkt alles sehr sicher und zukunftsträchtig, aber das aufstrebende Unternehmen gehört zu den Firmen, die stark vom Lockdown getroffen wurden. Denn nur eine Woche vor dem Lockdown 2020 war der neue Ausstellungsraum bezogen worden. Aber eine werbewirksame Einweihungsfeier konnte nicht stattfinden. Auch das fünfjährige Bestehen konnte nicht begangen werden. Aber ein »Tag der offenen Tür« soll auf alle Fälle nachgeholt werden, gibt sich Florian Kratz optimistisch.

»Zum einen werden Verschönerungsarbeiten auf später verschoben«, zeigt sich Florian Kratz zuversichtlich, »denn man möchte keine Handwerker im Haus haben, wenn die Kontaktbeschränkungen bestehen«. Manche der Kunden haben nach seinem Eindruck auch, bedingt durch Kurzarbeit, weniger Geld zur Verfügung und verschieben die Vorhaben auf eine spätere Zeit.

Am Anfang der Corona-Krise stand ein Problem, wie der 26-Jährige erläutert. »Mir wurden innerhalb von drei Tagen Aufträge für vier Monate abgesagt.« Da war guter Rat teuer, wie zwei Festangestellte auf eineinhalb Stellen und der Auszubildende beschäftigt werden können. Zudem laufen ja die Fixkosten des Unternehmens weiter. Aber viele Privatkunden haben Aufträge abgesagt, die Ausstattung in einem Pflegeheim konnte nicht eingebaut werden. Teilweise lag das auch daran, dass andere Handwerker nicht arbeiten konnten. Wenn die Wände nicht gemacht sind, können keine Gardinen aufgehängt werden, beschreibt Kratz die Situation sehr anschaulich. So meldete er zunächst Kurzarbeit für seine Mitarbeiter an, musste die Mittel aber nicht in Anspruch nehmen.

Firma wird zum »Minibaumarkt«

Denn er sagte sich: »Wir müssen irgendetwas machen, damit die Mitarbeiter beschäftigt sind.« Wenn auch die Corona-Krise einige Arbeitsbereiche stilllegte, so ergaben sich wegen der weit verbreiteten Schließungen aber auch neue Arbeitsmöglichkeiten. So gab es allerhand zu organisieren, bis der neue Shop stand und man den Kunden die Produkte kontaktlos nach Hause liefern konnte. Auf diese Weise entstand so etwas wie ein »Minibaumarkt«, der auch Musterpakete für die Kunden zusammenstellt, sodass diese zu Hause in Ruhe die Materialien aussuchen können. Weil die Beratung nicht nach dem gewohnten Muster von Angesicht zu Angesicht erfolgen darf, schwenkte Kratz auf die Variante Videoanruf um.

Der Jungunternehmer empfindet für seine Angestellten Fürsorge, um den Arbeitsplatz zu erhalten, und hat, so hofft er, die Herausforderungen durch die Corona-Krise nicht nur angenommen, sondern er hofft, sie auch mit Ideenreichtum zu meistern. Dabei ist hilfreich, dass es neben den Corona-Beschränkungen auch Coron-Auflagen gibt, und insbesondere für den Hygieneschutz bietet das Unternehmen eine breite, den jeweiligen Gegebenheiten anzupassende Angebotspalette.

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