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Jugendarbeit im Wandel

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Vereine haben damit zu kämpfen, ebenso die Kirche: Sie machen Angebote, aber das Interesse ist gering. Denn es gibt heute viel mehr Abwechslung als etwa noch vor 40 Jahren. Was hat sich geändert, und wie kann man reagieren? Norbert Kelbassa arbeitet seit 42 Jahren für die evangelische Kirche mit Menschen und weiß: "Heute sind viele schneller unzufrieden."

Seit den 1970er Jahren hat sich die Gesellschaft stark verändert, damit auch die Kirche. Norbert Kelbassa hat den Wandel als einer der dienstältesten Dekanatsjugendreferenten in der hessischen Landeskirche erlebt und mit gestaltet. 42 Jahre lang arbeitet Norbert Kelbassa bereits für die evangelische Kirche, davon alleine 40 Jahre in Alsfeld. In einer kleinen Feierstunde in Alsfeld gab es einen Rückblick auf die vergangenen vier Jahrzehnte.

?Warum arbeitet man bei einer Kirche?

"Ich wollte damals ganz bewusst zur Kirche", erinnert sich Kelbassa noch gut. "Und ich bin bis heute dankbar, dass ich da immer noch bin." Für den 61-Jährigen war schon vor über 40 Jahren klar: "Ich bin christlich geprägt und ich will mit Menschen arbeiten. Also: Kirche." Es ist eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut hat, sagt er. Zunächst machte der gebürtige Nordrhein-Westfale eine Ausbildung zum Erzieher in Wiesbaden, danach war er Jugendleiter in der Kirchengemeinde Bretzenheim in Mainz. 1982 wurde unter Karl-Heinz Botte und Dekan Walter Möller eine Stelle als Dekanatsjugendwart im Dekanat Alsfeld errichtet - und schließlich mit Kelbassa besetzt.

?Was wurde den Jugendlichen angeboten?

Kelbasse sollte die evangelische Jugendarbeit aufbauen, Jugendabende veranstalten, eine jährliche Dekanatsjugendfreizeit durchführen sowie einen Dekanatsjugendtag gestalten. Für die Jugendarbeit in Alsfeld wurden in den 1980er Jahren Räume der Kirchengemeinde Alsfeld im Martin-Rinckart-Haus angemietet, 2001 dann auch in der alten Molkerei. Seine Aufgaben setzte Kelbassa in kurzer Zeit erfolgreich und mit "viel Herzblut" um.

?Was hat sich bei den Jugendlichen heute geändert?

"Ich war jeden Tag woanders und habe Gruppenstunden angeboten. Es gab regelmäßige, feste Gruppen, so hatte man einen ganz anderen Bezug und einen viel besseren Draht zu den Menschen", erinnert sich Kelbassa. Etwas, das sich in seinen Augen mittlerweile sehr verändert hat. "Heute wird so was wesentlich schwerer angenommen", sagt er. "Es gibt zu viele Angebote für junge Menschen, in jedem Bereich zu viele Auswahlmöglichkeiten. Und früher waren die Menschen einfach zuverlässiger und verbindlicher. Heute sind viele schneller unzufrieden und schätzen die kleinen Dinge nicht mehr. Gute Kompromisse zu finden, wird immer anstrengender."

?Welche Aufgaben nahm Kelbasse neben der Jugendarbeit wahr?

Zu Kelbassas Aufgaben gehörten neben der Jugendgruppenarbeit in den Dekanatsgemeinden auch Schulungen für ehrenamtliche Mitarbeitende, Jugendbildungsarbeit, die Mitwirkung bei der Konfirmandenarbeit, die Gestaltung besonderer Gottesdienste, denn Kelbassa ist auch Lektor und Prädikant, der Aufbau und die Geschäftsführung der Dekanatsjugendvertretung oder die Vernetzung und Kooperation mit kirchlichen, kommunalen und Bundesgremien. Als Diplom-Religionspädagoge unterrichtete er von 1993 bis 2000 zudem evangelische Religion an der Mittelpunktschule Romrod.

?Was sind die neuen Angebotsformen für die Jugendlichen?

Weiterhin etablierte Kelbassa in Alsfeld das Projekt "Schulnahe Kinder- und Jugendarbeit", gründete das Netzwerk Elternarbeit, war Teamleiter für den Bereich der Kinder- und Jugendarbeit einschließlich der schulbezogenen Jugendarbeit. Gemeinsam mit den weiteren Dekanatsjugendreferenten organisierte Kelbassa Events, erlebnispädagogische Angebote sowie zahlreiche Freizeiten wie zum Beispiel in Norwegen, Korsika oder im ehemaligen Jugoslawien.

?Was will Kelbasse den Jugendlichen vermitteln?

"Mir war es immer wichtig, dass die Jugendlichen die Menschen und Gewohnheiten anderer Länder auf den Freizeiten kennenlernen", erklärt Kelbassa. "Ich wollte gerne, dass die Gruppe auf den Freizeiten lernt, als Gemeinschaft zu leben, in der man viel leisten kann, man Rücksicht nimmt und es Regeln und Absprachen gibt. Wir hatten immer eine richtig gute Zeit zusammen."

?Gab es im Laufe der Jahre auch neue Herausforderungen?

Nach knapp 20 Jahren als Dekanatsjugendreferent hat Kelbassa "eine neue Perspektive gesucht" - und diese im Jahr 2000 bei der "MAV" gefunden. Als Vorsitzender der Mitarbeitervertretung setzt sich Kelbassa seit 2000 für die Belange der Mitarbeitenden im Dekanat Vogelsberg ein. Seit 2012 ist er zudem bei der GMAV, der Gesamtmitarbeitendenvertretung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, davon seit 2016 als stellvertretender Vorsitzender, im Einsatz für die Interessen der Mitarbeitenden der gesamten Landeskirche.

?Was spricht für neue berufliche Aufgaben?

Doch warum wechselte Kelbassa von der Kinder- und Jugendarbeit zur Arbeit für Erwachsene in der MAV? "Ich wollte meine Fähigkeiten an anderen Stellen einbringen nach über 30 Jahren im Gemeindepädagogischen Dienst", erklärt Kelbassa. "Die Chance, mich für Mitarbeitende einzusetzen, hat mich gereizt. Ich lebe die Präambel, dass Arbeitnehmer und -geber gemeinsam das Beste für den Mitarbeitenden tun." Es war ebenfalls eine Entscheidung, die Kelbassa nie bereut hat. "Generell finde ich, dass jeder alle paar Jahre mal auf seine Arbeit und aktuelle Lebenslage blicken, und sich überlegen sollte, ob das so passt und sich noch richtig anfühlt."

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