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Jugendarbeit sichert Verein

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Mücke-Atzenhain (eva). Als "Sektion Atzenhain des Oberhessischen Obstbauvereins, Sitz in Friedberg" 1894 gegründet, kann der örtliche Obst- und Gartenbauverein in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiern. Ende des 19. Jahrhunderts kam es in Oberhessen zu einer Bewegung, die sich die Verbesserung des Obstanbaus zum Nutzen der Bevölkerung mit "großherzoglicher Unterstützung" zum Ziel setzte. Die Aktivitäten des im Januar 1889 von zwölf Männern gegründeten "Wetterauer Obstbauvereins", später "Oberhessischer Obstbauverein" mit Sitz in Friedberg, verbreitete sich in ganz Oberhessen. So kam es 1894 auch in Atzenhain zur Gründung des Obstbauvereins. Leider ist über den Werdegang des Obst- und Gartenbauvereins in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung nichts mehr bekannt. Erst im Frühjahr 1953 kam es auf Initiative und unter der Federführung von Karl Hahn aus Lehnheim zur Wiederbelebung des Vereins. "Man traf sich in der Gastwirtschaft Schmidt und gründete den Obst- und Gartenbauverein neu", ist in den Aufzeichnungen zu lesen. Wie weiter überliefert ist, nahmen auch gleich drei Vereinsmitglieder an einem dreitägigen Schnittlehrgang in Höckersdorf teil.

In den ersten Jahren wurde die Obstanlage "Sandrain" angelegt, auf der nach der Rekultivierung Zwetschen- und Apfelbäume gepflanzt wurden. In den ersten Jahren übernahmen Mitglieder die Winterspritzung bei sämtlichen Bäumen in der Gemarkung. Erst später wurde eine Feldspritze angeschafft. Der Verein besuchte die Blütenfeste im Altkreis Alsfeld und organisierte jedes Jahr Ausflüge. Des Weiteren übernahm man über viele Jahre für die ganze Gemeinde die Bestellungen für Obstbäume, Beerensträucher und Hecken und stand mit Rat und Tat bei der Pflanzung der Gehölze zur Verfügung.

Der Verein hat mit Heinz-Theo Becker, Rudolf Becker, Manuel Jünger und Jan Bellof, vier ausgebildete Fachwarte. Man bewirtschaftet auf seinem Baumgrundstück "Am Scheibenstand" auf 3800 Quadratmetern Halb- und Hochstämme verschiedener Obstsorten und hat auf dieser Streuobstwiese auch Insektenplätze angelegt.

Im Rahmen generations- und vereinsübergreifender Arbeit, lädt der Obst- und Gartenbauverein beispielsweise auch die Kinder der Mini-Feuerwehr zur Apfelernte auf die Streuobstwiese ein und belohnt die Kinder mit frischen Apfelsaft. Ebenso lädt man in Kooperation mit Dr. Martin Jatho vom Ausbildungszentrum für Naturschutz (AZN) Kirtorf, die Kinder jährlich zu einem "Apfelerlebnistag" ein.

Insgesamt gesehen hat sich der Obst- und Gartenbauverein seit 1894 durch alle Phasen seiner Geschichte hindurch der Verbesserung des Obstanbaus sowie der Schaffung und Erhaltung von Obst- und Gemeinschaftsanlagen gewidmet. Darüber hinaus war und ist auch die Geselligkeit als Bestandteil eines funktionierenden Dorflebens ein ständiger Wegbegleiter des Vereins gewesen. Mittlerweile ist der Obst- und Gartenbauverein, dem derzeit 160 Mitglieder angehören, der älteste Verein im Dorf. "Auch in einer Zeit, in der immer mehr das Interesse an Vereinstätigkeiten abnimmt, sind es zwar wenige, aber doch junge aktive Mitglieder, die die vereinseigenen Obstbäume und das Grundstück das Jahr über pflegen", hebt Vorsitzender Rudolf Becker hervor.

Gefeiert wird das Jubiläum am Samstag, dem 14. September, ab 14 Uhr, auf dem Obstbaumgrundstück "Am Scheibenstand" bei der Schützenhalle. Nach dem offiziellen Teil wird den Gästen auch Unterhaltung mit "zünftiger Blasmusik" geboten.

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