Jahrgangsbeste sind (v. l.) Janne Hoffmann, Laetitia Merz und Alexander Kömp. FOTO: PM
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Jahrgangsbeste sind (v. l.) Janne Hoffmann, Laetitia Merz und Alexander Kömp. FOTO: PM

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Alsfeld(pm). Eine Abiturzeugnisverleihung am Nachmittag? In kleinen Gruppen? Ohne Ball? Ohne Händedruck? Was noch vor Monaten undenkbar schien, hat auch das schulische Leben durcheinandergewirbelt. Unter besonderen Bedingungen haben in den vergangenen Wochen Schüler ihre Abiturprüfungen abgelegt, 50 von ihnen am Beruflichen Gymnasium der Max-Eyth-Schule. Sie durften ihre Zeugnisse der Allgemeinen Hochschulreife entgegennehmen.

Die feierliche Übergabe fand in der Aula der angrenzenden Albert-Schweitzer-Schule statt, denn dort war es möglich, dass in zwei Etappen zwei Kurse gemeinsam feiern konnten - jeder Schüler begleitet von maximal zwei Personen. Kleine Dreiergruppen waren dafür in der Aula vorbereitet, dazwischen der gesetzlich vorgeschriebene Abstand - doch wie alle Einschränkungen und Regeln der letzten Zeit nahmen die jungen Erwachsenen diese verantwortungsbewusst und diszipliniert zur Kenntnis.

"Wir haben gerade in dieser Zeit ein überaus erwachsenes, verbindliches Verhalten bei den Abiturientinnen und Abiturienten gesehen", würde Schulleiter Friedhelm Walther an anderer Stelle dieser Veranstaltung noch sagen, doch den Beginn der Verleihung gestaltete sein Stellvertreter Thomas Möller mit einer Ansprache an die Absolventen. "13 Jahre habt ihr auf diesen Tag hingearbeitet - nun habt ihr den höchsten Schulabschluss in der Tasche, den man in Deutschland erwerben kann." Sie hätten damit eine Zukunftspolice in Händen, die ihnen alle Möglichkeiten eröffne.

Gerade angesichts dieser zahllosen Möglichkeiten sei es nötig, über den Sinn des Lebens einmal nachzudenken, sagte Möller, und er startete ein kleines Experiment: Eine Vase füllte er mit großen Steinen. Augenscheinlich voll bis zum Rand, passten dennoch eine Menge kleiner Kiesel hinzu. Die großen Steine könnten für die wichtigen Dinge des Lebens stehen, erläuterte der Redner: Familie, Gesundheit, Freiheit. "Was sind Ihre wichtigen Dinge?", fragte er in die Runde und riet den Abgängern, diese Dinge im Blick zu haben, und nicht so viele kleine, unwichtigere Steine in das Glas des Lebens zu füllen, dass für die anderen, die großen, kein Platz mehr sei.

In der ersten Gruppe, die ihre Zeugnisse entgegennehmen durften, waren die Absolventen der Schwerpunkte Gesundheit und Pädagogik. Für sie sprach Sarah Kremkau. In einem hoch emotionalen Rückblick machte sie deutlich, wie viel ihr und ihren Mitschülern der Zusammenhalt im Jahrgang und das Miteinander an der Schule bedeuten. Für die zweite Gruppe, in der die Absolventen der Schwerpunkte Ernährung und Datenverarbeitungstechnik gemeinsam feierten, sprachen Melanie Dörr und Alexander Kömpf. Auch sie unterstrichen, wie sehr der Jahrgang zusammengewachsen war.

Nacheinander schritten die Kurse auf die Bühne, um sich die Zeugnisse abzuholen. Trotz der Umstände war es ein würdiger, sehr feierlicher Rahmen. Jeder Tutor, jede Tutorin würdigte ihren Kurs mit einer persönlichen Ansprache. Den Anfang machte Dr. Eva Rodemer-Lenz, die für den Schwerpunkt Gesundheit sprach. Auf den letzten Kurs ihres Berufslebens blickte sie wehmütig zurück und erinnerte an große Startschwierigkeiten. Wie die jungen Menschen es dennoch geschafft hätten, sich auf ein erfolgreiches Abitur vorzubereiten, wie beeindruckend das menschliche Miteinander war und wie viel sie selbst von diesem Jahrgang lernen konnte - all das ließ sie sichtlich berührt Revue passieren.

Elke Keil vom Schwerpunkt Ernährung betonte, dass trotz allem diesem Jahrgang noch viele Aktivitäten möglich waren, die nun erst einmal auf Eis liegen: Exkursionen, Kursfahrten - all das habe ihrem Kurs viel gebracht, neben dem Wissenszuwachs auch viel Freude.

Für den Schwerpunkt Datenverarbeitungstechnik ergriff Tutor Johannes Breidt das Wort. Als Essenz der drei Oberstufenjahre filterte er das wertschätzende, gute Miteinander heraus und das außergewöhnlich gute Abschneiden seines Kurses bei den Prüfungen. "Die Abinauten verlassen die Mesasphäre" - Mit Blick auf das Jahrgangsmotto wünschte Ursula Ulrich, Tutorin im Schwerpunkt Pädagogik, den Abiturienten dazu einen Engel, der sie begleiten möge und dabei helfen solle, die richtige Berufswahl zu treffen.

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