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Wegen des nachlassenden Impfschutzes benötigen viele Menschen aktuell eine Booster-Impfung. SYMBOLFOTO: CHRISTOPGH SOEDER

Jetzt ist Tempo gefragt

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Deutschlandweit wurden jüngst die Impfkapazitäten massiv hochgefahren. In Hessen sind die Landkreise verpflichtet, pro Woche mindestens 2,5 Prozent ihrer Bevölkerung zu impfen. Im Vogelsbergkreis wurde diese Marke durch die Wiedereröffnung des Impfzentrums in der vergangenen Woche erreicht. Dennoch drängt die Zeit.

Es ist und bleibt das Top-Thema dieser Tage: das Impftempo. Rasant steigende Infektionszahlen und zunehmende Durchbrüche bei Geimpften haben im November dazu geführt, dass Impfangebote massiv ausgebaut wurden. Im Fokus standen die Booster-Impfungen, die für viele, die im Mai oder Juni ihre Impfungen erhalten haben, nun erforderlich werden, um ein Nachlassen des Impfschutzes zu verhindern.

Wie ist die Lage im Vogelsberg? Laut Dr. Erich Wranze-Bielefeld, Leiter der Stabsstelle Impfen, wurden bis zum Monatswechsel 8241 Booster-Impfungen durchgeführt. Damit hatten rund 7,8 Prozent der Bevölkerung eine Auffrischungsimpfung erhalten. Auch die Quote derjenigen, die - ob mit zwei oder drei Impfungen oder aufgrund einer Einmalimpfung mit Johnson & Johnson - als vollständig geimpft galten, lag mit 64,8 Prozent unter dem Bundessschnitt von 68,5 Prozent und dem hessischen Schnitt von 67,5 Prozent.

Um das Impftempo zu erhöhen und die Vorgabe des Landes zu erfüllen, ging am 29. November das Impfzentrum in der Alsfelder Hessenhalle wieder an den Start.

Anders als in der Nachbarschaft, wo es zum Teil offenbar nicht so einfach war, das benötigte Personal dafür zu rekrutieren, weil sich die ehemaligen Helfer nach der Schließung neue Tätigkeiten gesucht hatten, war das im Kreis laut Wranze-Bielefeld eher kein Problem. »Wir konnten fast ausschließlich auf Personal zurückgreifen, das auch bis 15. September beschäftigt gewesen war«, sagt er. Probleme habe es nur im Einzelfall wegen der Kurzfristigkeit gegeben.

Bislang sind 21 Personen im Impfzentrum im Einsatz, zwei weitere sollen noch hinzukommen. Damit sind Personal und Räumlichkeiten laut Wrenze-Bielefeld darauf ausgelegt, dass in den Hessenhallen sowie durch mobile Impfteams und Co. von montags bis freitags jeweils bis zu 500 Impfungen und samstags und sonntags jeweils bis zu 250 Impfungen durchgeführt werden können.

Die maximale Kapazität der Stabsstelle Impfen liegt also bei 3000 Impfungen pro Woche. »Mehr ist in den Räumen und mit dem vorhandenen Personal nicht leistbar«, sagt der ärztliche Leiter.

Diese Kapazität wurde in der Woche der Wiedereröffnung des Impfzentrums ausgeschöpft. Zu 1823 Impfungen in der Hessenhalle kamen 1182 Spritzen, die durch Mitarbeiter des Impfbusses und der mobilen Teams bei Sonderaktionen und Impfungen in der Fläche gesetzt wurden.

Mit 3005 Impfungen liegt der Vogelsbergkreis über den 2638 Impfungen, die das Land Hessen, das aktuell Vorletzter bei Booster-Impfungen ist, vorgeschrieben hatte. Hinzukommen Spritzen, die bei den niedergelassenen Ärzten verabreicht wurden - in der letzten November-Woche waren das beispielsweise 2700 Dosen.

Allerdings ist Tempo gefragt: Laut Wranze-Bielefeld waren Ende November noch 12 905 Personen, die ihre Erst- und Zweitimpfungen durch die Stabsstelle erhalten hatten, ungeboostert, obwohl ihre letzte Impfung bereits sechs Monate zurücklag. Im Dezember kommen 11 483 Personen hinzu, für die eine Auffrischung fällig wird.

Zum Stand der Booster-Impfungen unter den Personen, die ihre Erst- und Zweitimpfungen bei niedergelassenen Ärzten erhalten haben, liegen dem Kreis derweil keine Daten vor.

Begrenzt werden die Angebote durch den zur Verfügung stehenden Impfstoff. So ist das Vakzin von Moderna zwar aktuell unbegrenzt erhältlich, nicht aber das von Biontech. Hier lag die Deckelung laut Wranze-Bielefeld zuletzt bei 1020 Impfdosen pro Woche. »Da die meisten Impflinge den Impfstoff von Biontech bevorzugen, ist das ein Problem«, sagt er.

»Wir sind nicht in der Lage, die Impfkapazität zu erhöhen. Sollte sich die Lage ändern, werden wir sicher weitere dezentrale Angebote machen.« Ohnehin festgelegt wurden bereits Impfangebote etwa in Feldatal (11. 12.), Freiensteinau (11. 12.) und Schotten (18. 12.). Auch für das Impfzentrum in Alsfeld waren am Dienstag problemlos Termine für eine Impfung in der kommenden Woche erhältlich.

Allerdings gibt Wranze-Bielefeld zu bedenken, dass die Entwicklung auch in die andere Richtung gegen könnte. So sei in Bezug auf Biontech »unklar, ob dieses Kontingent nicht noch weiter abgesenkt werden wird«.

Sollte das so kommen, werde man keine neuen Termine mehr vergeben. Dass möglicherweise auch bereits vergebene Termine abgesagt werden müssen, sei aktuell jedoch nicht zu befürchten. »Nach unseren Berechnungen wird das bis zum Ende des Jahres nicht nötig sein«, sagt er.

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