Auseinandersetzung von Gegnern des A 49-Weiterbaus mit der Polizei. SYMBOLFOTO: JOL
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Auseinandersetzung von Gegnern des A 49-Weiterbaus mit der Polizei. SYMBOLFOTO: JOL

A 49

Jesberg und Gilserberg danken Homberg

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Der Schwalm-Eder-Kreis sagt danke Homberg! Die beachtliche Zahl von Leserbriefen zum höchst umstrittenen Weiterbau der A 49 zeigt, dass kein anderes Thema die Menschen in der Region Homberg und Umgebung in jüngerer Vergangenheit so beschäftigt und regelrecht aufgewühlt hat. Ein Thema, das die Einwohner unserer schönen Stadt und der besonders betroffenen Dörfer in Teilen polarisiert.

Für beide Überzeugungen gibt es sicher gute Gründe. Was gar nicht geht, ist Gewalt gegen handelnde Personen, deren Verunglimpfung oder Sachbeschädigungen. Wem nutzen und was bringen feige in der Nacht begangene Zerstörungen. Bei allem Verständnis für die Ideale der intelligenten und sympathischen Aktivisten im "Danni" muss man letztlich konstatieren, dass wir gerne auf dem Land lebenden Individuen ohne Autos schlicht abgehängt wären. Selbst ein Wiederaktivieren der Ohmtalbahn und kurz getaktete Busverbindungen würden nach meiner Einschätzung allenfalls einen geringen Teil der Bevölkerung zum Umdenken bewegen.

Auf das, was wir in Homberg gut verzichten können, ist der Weiterbau der A 49 durch unsere Wälder und wunderbar-wanderbare Natur. Die Demonstration der Autobahn-Gegner in Appenrod, bei der erstmals unsere Bürgermeisterin Claudia Blum zugegen war, hat meine Einschätzung bestätigt, dass wesentliche Argumente pro Autobahn auf einem Wunschdenken der Befürworter beruhen.

Ich will ihr recht geben, dass die Wege zur Arbeit nach Nordhessen schneller zurückgelegt werden können. Aber wie viele Arbeitnehmer fahren dort hin? Deutlich mehr dürften nach Gießen einpendeln. Und die werden ebenso wie die nach MR fahrenden Pendler überwiegend nicht den letzten, jetzt im Bau befindlichen Abschnitt der A 49 nutzen, sondern weiterhin in Atzenhain auf die A 5 auffahren oder die Kreisstraßen nach MR befahren.

Das zweite Argument, dass die Wirtschaftskraft von Homberg durch ein an die Autobahn angeschlossenes neues Gewerbegebiet prosperieren würde, ist Hoffen auf eine in ferner Zukunft liegende positive Entwicklung. Im Herbst 2019 wurde von dem Vertreter eines Beratungsunternehmens zur A 49 und dem geplanten Gewerbegebiet klar kommuniziert, dass mit Hightech-Unternehmen nicht zu rechnen sei. Der Standort Homberg komme realistisch nur als Ansiedlungsort für Logistikfirmen in Frage. Für Unternehmen mit hochqualifizierten Arbeitsplätzen scheint unsere Heimatgemeinde schlicht zu unattraktiv.

Zu bedenken ist zudem, dass die Stadt für die Erschließung eines Gewerbegebietes erheblich in Vorleistung geht oder für die Erschließung horrende Zinsen an die HLG abdrücken muss. Die Gemeinde Mücke ächzt unter der finanziellen Last, und die alles andere als unattraktive Stadt Runkel vor den Toren Limburgs mit Anschluss an die A 3 sucht seit 20 Jahren vergeblich Interessenten, um ein mit Millionen erschlossenes Gewerbegebiet zu vermarkten.

Wer die erschütternde Rodung der Meisebach und des Herrenwaldes noch nicht gesehen hat, dem empfehle ich die Kreisstraße von Homberg nach Appenrod. Ein etwa 70 Meter breiter Korridor führt vor Augen, welche nicht mehr heilende Wunde in die Natur geschlagen wird. Derzeit ist nur der Mutterboden abgeschoben. Wenn erst die eigentlichen Erdarbeiten im Gange sind, mit Abtransport des Aushubs und Anlieferung des Materials, werden alle Bewohner der Kernstadt, Appenrods, Dannenrods, Maulbachs, Nieder-Ofleidens und Ober-Ofleidens schon vom Bau der A 49 "etwas haben".

Über eine Zeit von vier Jahren sind nach meiner laienhaften Überschlagsberechnung rund 1,5 Millionen Tonnen Aufbaumaterial anzufahren. Bei einer durchschnittlichen Ladung von 20 Tonnen pro Fahrzeug entspricht das 75 000 Dreiachsern beziehungsweise Muldenkippern, und die zusätzlich zu dem elenden Schwerverkehr, den wir jetzt schon haben.

Es wäre wohl nicht zu glauben, wenn nicht die DEGES selbst die Zahlen zur Verkehrsentwicklung herausgegeben hätte. Nach deren Prognose wird die Verkehrsbelastung nach Fertigstellung der A 49 in Homberg um 227 Prozent, und die in Stadtallendorf um 72 Prozent zunehmen. Ursächlich für diese schier unfassbaren Zunahmen sind die Autobahn-Anschlussstellen. Aber trösten wir uns zum guten Schluss, denn andererseits sagen die Anwohner der B3 in Jesberg und Gilserberg danke nach Homberg, dass das Problem, besonders des Schwerverkehrs zwar nicht gelöst, aber die Just-in-time-Verkehrskatastrophe nun endlich von dort in das wunderbar-wanderbare Ohmtal verlagert worden ist.

Dafür sollten wir Homberger dem Andi und dem Tarek danken. Die Pro-Autobahn-Kommunalpolitiker im Kreistag und die unbelehrbaren Befürworter in der Stadtverordnetenversammlung werden ihren Denkzettel am 14. März 2021 verpasst bekommen. Da bin ich mir sicher.

Also bitte achtsam sein und gesund bleiben!

Horst Tribula, Homberg

Ganz unabhängig von den Argumenten, die für ein Moratorium bezüglich des Weiterbaus der A 49 sprechen, nimmt die Auseinandersetzung im "Danni" groteske Züge an. Wenn sich A 49-Gegner von einer Brücke abseilen oder bisher einmal Steine auf ein Polizeifahrzeug geworfen wurden, wird dies in allen Print- und digitalen Medien in den Titelberichten bundesweit auf den vorderen Seiten platziert, damit man die Gegner der A 49 als Chaoten und Linksradikale diffamieren kann, und man bezeugt damit volle Solidarität mit unseren Polizisten. Dass auch Gerichte daran mitwirken und einen Brandanschlag auf einen Bagger als versuchten Mord einordnen, erschreckt uns zutiefst. Wo ist da die Trennung von Legislative, Exekutive und Justiz, wenn es darum geht, zu kriminalisieren?

Wenn aber vom stellvertretenden Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft, wie dieser Tage geschehen, mit guten Argumenten eine Beendigung des Polizeieinsatzes im Dannenröder Wald gefordert wird, ist es vorbei mit der Solidarität mit der Polizei. Diese Forderung der Polizei wird von der Einsatzleitung des hessischen Innenministeriums und der Polizeiführung damit beantwortet, dass die Einsatzkräfte noch einmal kräftig auf 8000 Polizisten aufgestockt werden, trotz Corona.

Wo bleibt da der Aufschrei unseres Gesundheitsdezernenten Dr. Jens Mischak und von Gesundheitsminister Klose? (Grüne). Wo bleibt da das Fürsorgegebot gegenüber seinen Polizisten vom hessischen Innenminister Herrn Beuth und seinem Chef Herrn Bouffier? Das ist beschämend und verantwortungslos, die Polizisten und die Bevölkerung nahe der A 49 diesem verstärkten Risiko einer Ansteckung mit Covid 19 auszusetzen.

Dieses Verhalten verstärkt Wut und Frust auf die politisch Verantwortlichen. Wenn man dann noch bedenkt, dass besonders von unserer Bundeskanzlerin und ihrem Staatsminister, unserem Bundestagsabgeordneten Herrn Braun betont wird, alle unnötigen Kontakte zu vermeiden und sich nicht in Gruppen aufzuhalten, wird die Entscheidung 8000 Polizisten, gerade jetzt in den "Danni" zu entsenden, unverständlich, ja gerade zu kriminell.

Aber die Unverletztheit der Polizisten und der Bevölkerung wird ja für ein höheres Gut, nämlich den Bau der A49 geopfert.

Heidrun und Heinrich Seim, Homberg

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