Mit einem kleinen Fest hat man bei der Dorfmetzgerei Klöß Abschied genommen. Der Traditionsbetrieb hat seine Pforten geschlossen. FOTO: SF
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Mit einem kleinen Fest hat man bei der Dorfmetzgerei Klöß Abschied genommen. Der Traditionsbetrieb hat seine Pforten geschlossen. FOTO: SF

111 Jahre "Schwein gehabt"

  • vonJutta Schuett-Frank
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Mücke-Flensungen(sf). Nach 111 Jahren hat die Traditionsmetzgerei Klöß in Flensungen geschlossen. Die "letzte Fleischwurst", so heißt es im Lied der "Happy Palomas", wurde am Samstag verkauft. Es war eine sehr bewegende letzte Woche, berichteten Werner und Inge Klöß. Alle Kunden, Freunde und Bekannte sowie Nachbarn wollten noch ein letztes Mal die Metzgereiprodukte haben. "Wir haben von morgens um 4 bis abends um 21 Uhr geschafft und es war wie sonst nur vor Weihnachten", so Metzgermeister Werner Klöß

1909 hatte sein Großvater Karl Klöß die Metzgerei gegründet. Das Anwesen hat sich in den folgenden 111 Jahren immer wieder verändert. Damals wurde wöchentlich ein Schwein geschlachtet, zu Wurst und Fleisch verarbeitet und im kleinen Ladengeschäft verkauft. Nebenbei betrieb der Gründer über 41 Jahre lang einen Viehhandel und eine kleine Landwirtschaft. Sein Sohn Heinrich Klöß war der erste Metzgermeister, denn um die Jahrhundertwende war die Meisterprüfung noch keine Grundbedingung, um ein Geschäft zu führen. Er übernahm den Betrieb 1950. Von 1969 bis 1972 wurden große Umbaumaßnahmen und Erneuerungen vorgenommen. Kurz nach der Fertigstellung des Umbaus verstarb Heinrich Klöß 1972.

Dann kam für Werner Klöß eine schwere Zeit. Die Meisterprüfung in der Abendschule, den Betrieb leiten und die Pflege des Vaters lasteten auf seinen Schultern. Unterstützt wurde er von seiner Mutter Anni und seiner Ehefrau Inge. So konnte Werner Klöß 1972 seine Meisterprüfung ablegen. In 1985 wurde die Verkaufstheke umgebaut. 1984 wurde ein großes Jubiläumsfest ausgerichtet. Gemeinsam mit Ehefrau Inge, die den Verkaufs- laden in ihrer Regie hatte, brachten sie ihre Produkte oft auf Messen und Ausstellungen. Die Wurstwaren erhielten häufig beste Auszeichnungen und Medaillen und Urkunden, wie zum Beispiel 1996 in Wien eine Goldmedaille.

2009 wurde das 100-jährige Bestehens gefeiert. Beim Fest wurden viele Gäste begrüßt, darunter der Präsident der Handwerkskammer. Er würdigte den Stammbaum der Familie und das Engagement. Der meistergeführte Betrieb sei ein Musterbeispiel für Verbraucherschutz und Qualität.

"Happy Palomas" singen ein Lied

Nun haben sich die Eheleute ihren Ruhestand wohlverdient. Man freute sich, dass kurz vor dem endgültigen Ladenschluss ein kleines Volksfest entstand. Die Nachbarn, Wegbegleiter, Freunde, Bürgermeister Andreas Sommer, Ortsvorsteher Dieter Daniel und viele weitere waren gekommen, um "Abschied" zu nehmen. Alle, die als Kinder und Jugendliche viel Zeit im Klößschen Anwesen verbrachten, waren auch gekommen. Weit angereiste Verwandtschaft wohnte dem letzten Arbeitstag bei und auch Sohn Mirko aus Nürnberg war dabei. Die "Happy Palomas" hatten eigens ein Lied geschrieben, "die letzte Fleischwurst". Das Lied handelt vom Leben eines Dorfmetzgers, der beim Verkauf von Frikadellen noch einen Schwatz über das Dorfgeschehen hält.

Dann kam noch die Pferdekutsche und Werner und Inge Klöß fuhren mit zwei PS über Land. Auch diese Überraschung war gelungen. Spontan wurde gegrillt, es gab Bier vom Fass und so wurden die Gäste hervorragend bewirtet.

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