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Investor plant Tagespflegestätte

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Von: Kerstin Schneider

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Wie wollen Senioren leben? Wie sieht die Versorgung und Pflege im Alter aus? Mit diesem Thema befasst sich ein Arbeitskreis der Mücker Kommunalpolitik. Erste Ergebnisse sollen in dieser Woche vorgestellt werden. © Red

Viele alte Menschen wollen nicht ins Heim, auch wenn es manchmal nicht mehr anders geht. Bei der Gemeinde Mücke überlegt man seit Jahren, welche Unterstützungsmöglichkeiten man älteren Leuten anbieten könnte, von denen es immer mehr gibt. Derzeit sind gleich zwei Projekte in der Planung, darunter eine Tagespflegestätte samt betreutem Wohnen.

Ein Investor, der bereits seit Jahren auf dem Pflegesektor aktiv ist, plant dem Vernehmen nach in Nieder-Ohmen den Neubau einer Einrichtung für die Tagespflege. Eine solche Tagespflege, die es bereits in vielen Kommunen gibt, bietet sowohl Pflegebedürftigen als auch Angehörigen eine Stütze. Das Wiederaufleben sozialer Kontakte, Bewegungsangebote und das Mitgestalten des Tagesablaufes sollen Selbstständigkeit erhalten helfen und etwas Lebensfreude in den Alltag der betroffenen Menschen bringen. Für die pflegenden Angehörigen kann das Angebot eine wichtige Hilfe sein, um Zeit für eigene Dinge zu finden und »aufzutanken.«

In der Tagespflegeeinrichtung soll es darüber hinaus noch die Möglichkeit für sogenanntes betreutes Wohnen geben. Ein Demenzcafe könnte das Angebot ergänzen. Eine Bauvoranfrage ist beim Kreisbauamt eingereicht worden, es gilt derzeit noch Details bezüglich des Grundstücks zu klären.

Bürgermeister Andreas Sommer sagt auf Anfrage dieser Zeitung zu den Plänen: »Das wäre eine tolle Sache.« Denn es sei illusorisch zu glauben, dass die Gemeinde ein solches Projekt finanzieren kann. Er und Vertreter der Fraktionen hatten sich kürzlich in Videokonferenzen mit dem Investor zum geplanten Vorhaben ausgetauscht, das sehr vielversprechend sei.

Parallell gibt es einen Arbeitskreis zum Thema, um zu klären, »was wir hier für unsere Senioren brauchen.« Das habe er sich »schon lange gewünscht«, meint Sommer. Am heutigen Dienstag werden im Ausschuss für Jugend, Senioren, Kultur und Soziales erste Ergebnisse aus der Arbeit der interfraktionellen Runde vorgestellt. Beraten lässt sich man bei der Arbeit unter anderem vom renommierten Gießener Uni-Professor Reimer Gronemeyer, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema Altern befasst und dazu bereits etliche Bücher verfasst hat.

In der Frage, dass alte und nicht mehr mobile Menschen in der Gemeinde dringend Angebote brauchen, scheint es bei den Fraktionen keinen grundsätzlichen Dissens zu geben. Dr. Fabian Horst betonte gegenüber dieser Zeitung, das Thema stehe dankenswerterweise bei allen Kommunalpolitikern auf der Agenda. Die Freien Wähler hatten ursprünglich einmal den alten Bahnhof in Nieder-Ohmen als Ort für eine Tagespflege vorgeschlagen. Dies hatte sich aber zerschlagen, weil im alten Bahnhofsgebäude inzwischen eine Tagesmutter zur Kinderbetreuung eingezogen ist.

Nachdem sich die Möglichkeit ergeben habe, dass ein privater Investor ein Gebäude mit Tagespflegeplätzen errichten will, sehe man der Verwirklichung dieser Pläne hoffnungsvoll entgegen. »Wir hoffen, dass es klappt,« so Horst. Sonst müsse man dranbleiben und sich nach Alternativen umsehen. So viele geeignete Räumlichkeiten habe die Gemeinde allerdings nicht.

Befasst mit dem Thema sind auch Prof. Dr. Hubertus Brunn und Dr. Anneliese Brunn. Auch sie verweisen auf Anfrage auf die beiden Gleise, einmal das Engagement des privaten Investors und andererseits das Bemühen der Gemeinde um eine Begegnungstätte. Letzteres sei eine Schiene, »die wohl eher mittel- bis langfristig zum Tragen kommen wird.« Ein entsprechendes Projekt gebe es bereits in zahlreichen großen Städten, »aber noch nicht hier bei uns auf dem Land,« so die Brunns. Es wäre eine Art Pilotprojekt, das die Gemeinde aber nicht allein realisieren kann.

Eines sei klar: Man werde man auf jeden Fall Unterstützung durch eine Stiftung, aus Fördermitteln, einem Fonds oder ähnlichem brauchen. »Wir sind da noch ziemlich am Anfang, es ist ein ehrgeiziges Projekt,« so Dr. Anneliese Brunn.

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