Frank Haberzettl Kompass Leben
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Frank Haberzettl Kompass Leben

"Inklusion lässt sich nicht verordnen"

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In wenigen Tagen eröffnet am Alsfelder Marktplatz ein besonderer Laden. Es gibt regionale Produkte, Kunsthandwerk und Dienstleistungen - und Arbeit für benachteiligte Menschen. Frank Haberzettl, Vorstand von Kompass Leben, über die Idee und die Ziele.

Wie kam es zur Idee für den Laden?

Haberzettl: Wir ermöglichen in unseren Einrichtungen ein breites Spektrum an Möglichkeiten, am Leben in der Gesellschaft und am Arbeitsleben teilzuhaben. Die Wirkung beschränkt sich aber auf das nähere Umfeld. Menschen, die unsere Einrichtungen besuchen, geschäftliche Kontakte oder Besucher bei Festen oder Tagen der offenen Tür. Wir wollten mehr in die Mitte und suchten einen Raum, den wir sinnvoll mit Leben füllen können. Der Alsfelder Marktplatz bietet einen Rahmen, der im Vogelsbergkreis einzigartig ist.

Die letzte Stufe des Bundesteilhabegesetzes tritt bis 2023 in Kraft. Inwieweit spielt das eine Rolle?

Für eine selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden, in denen sich Menschen mit Benachteiligung nicht als Fürsorgeempfänger, sondern als wertvoller Teil der Gesellschaft erleben. Durch Arbeit wird nicht nur berufliche Entwicklung und Beschäftigung erreicht. An dieser Zielsetzung arbeiten wir schon lange, das Bundesteilhabegesetz bietet die Rahmenbedingungen her.

Wie setzen Sie ihr Ziel um?

Im Laden und der Mitmach-Werkstatt haben Menschen mit Benachteiligung die Chance, von Kunden, die einkaufen und mit dem Warenangebot oder den Dienstleistungen zufrieden sind, Wertschätzung zu erfahren. Dies ist mehr wert als jedes Lob durch den Anleiter in der Werkstatt.

Gibt es noch praktische Hindernisse?

Am "Markt 12" wollen wir Barrieren abbauen. Barrieren, die durch fehlendes Zutrauen in die Fähigkeit von Menschen mit Benachteiligungen entstanden sind, genauso wie bauliche Barrieren. Hierzu hoffen wir, dass für das Schaffen eines barrierefreien Zugangs zu den Räumen bau- und denkmalschutzrechtliche Belange zurückstehen bzw. in Übereinklang mit unseren Wünschen zu bringen sind.

Wie kann man Inklusion mit Leben füllen?

Inklusion ist ein Prozess, an dem alle Menschen teilhaben. Man kann sie nicht gesetzlich anordnen. Inklusion kann nicht durch Fachleute "gemacht" werden. Es ist möglich, Strukturen zu schaffen, die sie ermöglichen. Dies tun wir mit "Markt 12".

Im Laden vereinen Sie Werkstattprodukte und hochwertige Erzeugnisse aus der Region sowie regionales Kunsthandwerk. Wie kam es dazu?

Wir haben eigene Produkte aus unseren Werkstätten, die das Ergebnis guter Ideen in Verbindung mit guter handwerklicher Arbeit sind. Es gibt darüber hinaus eine Menge toller regionaler Produkte, die bislang überwiegend bei den Anbietern direkt zu beziehen sind. Daraus ist die Idee entstanden, für alle diese Produkte eine gemeinsame Plattform, sozusagen als "Schaufenster in die Region" zu etablieren.

Stellt die Zusammenarbeit mit "Vogelsberg Original" ein Novum dar?

Das Regionalvermarktungsprojekt des Vogelsbergkreises stellt ein Novum dar, weil es die Vermarktung auf eine neue Ebene bringt. Generell waren und sind wir in Projekten aktiv, die sich mit unseren Zielen vereinbaren lassen. Die erste Aktion mit den Weihnachtstaschen von "Vogelsberg Original" ist in der Abwicklung wesentlich über uns gelaufen. Die mögliche Inklusion ist eher nicht die vorwiegende Motivation gewesen, sondern die Entwicklung von Dienstleistungen, in die bei uns beschäftigte Menschen einbezogen werden können.

Zu Laden und Workshop-Raum planen Sie Dienstleistungen und Veranstaltungen.

Diese Dienstleistungen können vom Lieferservice für Produkte über Botendienste bis zum Veranstaltungscatering reichen. Als Location für Veranstaltungen sind wir im Rahmen unserer Kapazität und Inhalte offen.

Ein Teil des Angebots ist Kunst aus der Region. Dafür konnten Sie Gerd Ludwig, einen gebürtigen Alsfelder, preisgekrönten Fotografen mit Wohnsitz in Los Angeles, gewinnen, der eine Postkartenserie für "Markt 12" lizenziert hat. Wie kam das?

Der Kontakt mit Gerd Ludwig kam über die Verbindung zu Berthold Sommer zustande, der im Projektteam mitarbeitet. Wir freuen uns sehr, dass er unser Projekt mitträgt. Er verhilft uns zu einem weiteren Alleinstellungsmerkmal.

Die Eröffnung findet am 29. 2. statt. Was erhoffen Sie sich ab dem Eröffnungstag?

Ab dem 29. 2. sind die Stadt und der Vogelsbergkreis um eine Gelegenheit reicher, die Region, ihre Produkte und ihre Menschen erlebbar zu machen. Und das ganz praktisch durch einen Laden und Dienstleistungen. Wir erhoffen uns, dass möglichst viele Menschen unsere Idee mittragen und natürlich hoffen wir auf Kunden, die bei uns einkaufen.

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