Tote Tiere

Immer soll es der Wolf gewesen sein

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Dass einem beim Frühstück etwas sauer aufstößt, ist mitnichten dem Essen geschuldet, es kann zum Beispiel hie und da die Frühstückslektüre ursächlich herangezogen werden. Zum wiederholten Fall geschehen dieser Tage. Da wird - wie vor einiger Zeit in Ulrichstein geschehen - ein unter ungeklärten Umständen verendetes Kalb auf der Weide gefunden.

Was die Zeitung erneut mutmaßt: Kalb von Wolf gerissen? Na klar, liegt ja auf der Hand, es werden quasi tagtäglich hungrige Wölfe in und um Buseck gesichtet. War ja vor zwei Monaten mal einer im Vogelsberg beobachtet worden, da hat man auch reißerisch die Besitzerin mitleidheischend als Wolfsopfer vermutet und emotional ruiniert abgelichtet.

Dass sich später herausstellte, es hat sich um einen natürlichen Tod gehandelt, die Bissspuren waren post mortem - na ja, Schwamm drüber, hauptsache Quote, Klicks im Netz etc., der Wolf wird’s Abonnentensterben schon richten.

Erinnert mich irgendwie an die zahllosen mutmaßlichen dunkelhäutigen fremdländischen Frauenvergewaltiger, die seit geraumer Zeit bundesdeutsche Gewaltverbrecherstatistiken zumindest beeinflussen könnten. Dass die allermeisten Vergewaltigungsopfer deutschen Tätern zum Opfer fallen, kann ja schließlich jede Statistik behaupten.

Im Ernst jetzt mal: Kann man nicht diese Mutmaßungen eventuell da lassen, wo sie bitte hingehören, nämlich im Mülleimer für nutzlose Redakteursgedanken? Ich erwarte von meiner Tageszeitung eine seriöse Berichterstattung, sonst habt ihr mich in Zukunft als Leser gesehen, da sag ich dann leise: Danke für’s sorgfältige Recherchieren, ich bin dann mal raus, Servus!

Michael Fliegl, Mücke

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