Rangelei zwischen Polizei und einem Aktivisten. FOTO: DPA
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Rangelei zwischen Polizei und einem Aktivisten. FOTO: DPA

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Anlässlich der Räumung im "Danni" veröffentlichte die Polizei nachstehende Meldung: "Von einem Baumhaus wurde während der Räumung ein Eimer mit Fäkalien auf einen dort eingesetzten Hubsteiger gestoßen." Diese Meldung wurde in einem WhatsApp-Chat der Autobahngegner lakonisch kommentiert mit "Brauchen die größere Eimer?" Und ich frage mich, ob er nicht recht hat. Vor Jahresfrist hätte ich mir dies nicht träumen lassen, aber die Erfahrungen der letzten Monate haben mich zum Umdenken veranlasst. "Die Polizei, dein Freund und Helfer" ist nicht mehr, zu viel ist in der Zwischenzeit geschehen, und zu oft haben auch wir, die "Bürgerlichen" unter den Autobahngegnern (von den Aktivisten selbst gar nicht zu reden), Polizeiwillkür und Schikanen am eigenen Leib erlebt. Beispiele aus den vergangenen Tagen gefällig?

Die Polizei missachtet konsequent das Versammlungsrecht. Versammlungsleiter wurden in vielen Fällen daran gehindert, zu den Mahnwachen, an denen sie die Versammlungsleitung hätten übernehmen sollen, durchzudringen. Das Angebot, die Mahnwache fußläufig über mehrere Kilometer mit jeder Menge Gepäck zu erreichen, ist de facto einem Betretungsverbot gleichzusetzen.

Die in Dannenrod eingesetzte Bundespolizei hat die Gehwege am Dorfgemeinschaftshaus vollständig zugeparkt, sodass Fußgänger auf die Fahrbahn ausweichen mussten. Darauf angesprochen, erging die Auskunft, man wisse, dass man das nicht dürfe, würde es aber trotzdem machen. Man müsse sich nicht an Regeln halten. Bei der Räumung des Barrios "Drüben" wurden zahlreiche Fahrräder (nebst anderem Material) von der Polizei beschlagnahmt. Die Fahrräder würden nur gegen Vorlage von Kaufurkunden an die Besitzer zurückgegeben, andernfalls entsorgt. Wenn man weiß, dass Fahrräder vielfach von der lokalen Bevölkerung an die Aktivisten gespendet wurden oder unter den Aktivisten weitergegeben wurden - handelt es sich bei der Beschlagnahmung nicht eigentlich um gesetzlich legitimierten Diebstahl? Ich füge an, dass in den vergangenen Tagen entgegen ausdrücklicher Versicherung der Polizei doch Bäume gefällt wurden. Und dass einer der Aktivisten, der ausweislich einer offiziellen Mitteilung von Polizeidienststellen nur leicht verletzt worden sei, mit Notarztbegleitung in Krankenhaus gefahren wurde… die Liste ließe sich fortsetzen. Ich habe daraus gelernt: Trau keinesfalls den Verlautbarungen der Polizei. Einzelfälle und nicht für die Polizei als Ganzes charakteristisch? Das mag glauben, wer will; das Ansehen der Polizei ist in der Region nachhaltig zerstört. Und dennoch: Auf der nach unten offenen Skala des Ansehens steht die Polizei immer noch hoch über den meisten Politikern.

Dr. Wolfgang Seim, Maulbach

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